Bucherkiste

Bücher 2017

Die Eismacher
Ernest von Kwast, verlag btb
Meine ersten selbstständigen Erfahrungen in der Gastronomie war die heimatliche Eisdiele, die in unserem  südlichen Dortmunder Vorort schnell zum Stammtreffen wurde für uns . Mario Fistarol, unglaublich dass ich den Namen noch weiß, es ist über 50 Jahre her, und seine über alle Maßen schöne Frau, betrieben Ihr Eiscafe, genauso wie es Ernest von Kwast in seinem wunderbaren Roman „Die Eismacher“ beschreibt. Ich weiß zwar nicht, ob die Fistarols aus dem gleichen Tal in den Dolomiten kamen wie die Talaminis in Rotterdam, wo der Roman in der Gegenwart spielt - aber wie auch sie, schlossen sie das Eiscafe Venezia irgendwann im Herbst und die Familie verbrachte den harten Winter im heimischen, eisigen Tal, und es ging wie ein Lauffeuer durch unseren beschaulichen Vorort, wenn sie bei uns  im Frühling die Rolläden  wieder hochzogen. Der Roman ist aber mehr, es ist die mehr oder weniger fiktive Geschichte des Eismachens überhaupt. Und das geht über mehrere Generationen. Man kann sich gut in den Generationenablauf der Talaminis rein finden, vom ersten Guiseppe bis zum letzten, heutigen Nachwuchs. Die Geschichte wird erzählt von einem Abtrünningen, einer der sich von Anfang an sperrte, die Eismaschinen zu bedienen.  Denn Giovanni wird ein weltweit anerkannter Veranstalter von Lyrikfestivals kommt aber immer, wenn es die Zeit hergibt, nach Rotterdam, hilft sogar anfangs noch aus im Cafe, spielt aber doch noch eine schicksalhafte Rolle in der Generationenfolge. Wie, dass sollte hier tunlichst nicht verraten werden. Giovannis Bruder ist der letzte Talamini der die Eismaschinen bedienen kann und zartschmelzendes Grappasorbet, sanftgrünes Pistazieneis, zimtfarbene Schokolade und weitere Schnabulitäten erfindet und so die leckwillige Kundschaft lockt. Mit Guiseppe, dem letzten Spross der Talaminis ist wieder eher ein Aufrührer und Weltenbummler geboren, so dass es durchaus sein kann, dass wir Zeuge der langsamen Schließung  dieser Eis Institution werden. Zurück in ihrem Tal in den eisigen Dolomiten, leben dann die alten Eismacher ihrem Tod entgegen. Etwas Melancholie liegt überallem. Ein schönes Buch, das stellenweise traurig macht!

 

Der Sohn des Hauptmanns
Nedim Gürsel, dumont – verlag
So ein Journalistenleben, spannend gelebt, hat viel zu erzählen. Franka Magnani, Ulrich Wickert, Scholl – Latour, etc., oder eher Tiziano Terzani „Das Ende ist mein Anfang“, im Übrigen sehr beeindruckend von Bruno Ganz gespielt. Vielleicht haben sich die beiden ja auch gekannt, der eine, Terziani, war Spiegel -Reporter und in aller Welt unterwegs, ebenso wie Gürsel. Sie sind, oder waren, in etwa gleich alt. Also warum nicht? Während Terzani die Sache mit dem Altwerden und dem nahen Tod eher mit erkenntnisphilosophischem Hintergrund angeht, bleibt Gürsel wohltuend realistisch. Er mag den Tod nicht hat aber gleichwohl ein Einsehen. Es kommt wie es kommt. Warum ich hier so rumschwafel hat auch einen Grund. Eigentlich bin ich zu befangen, um eine Rezension zu schreiben. Wir hatten grad ein „Verfassungsreferendum“ welches die Diktatur in der Türkei nun auch legitimiert. Da sagt sich grad der Türke hier, Erdogan, das ist doch der, der an meiner statt den Bleichgesichtern hier die lange Nase zeigt. Der Mann verkörpert meine ganze heldenhafte Geschichte, meint der Türke hier und schneidet sich durch sein „Evet“ ein Nanonstel Gramm Heldsein ab! Und das durchzieht das ganze Buch, als hätten die Türken nur Helden gehabt in der Vergangenheit, egal, um welchen Scheiß man sich da bekriegt hat. Gut, es ist eine militaristische Karriere die der Vater durchlebt und der Sohn muss sich den Wegen des Hauptmanns beugen, bis er schließlich in einem Eliteinternat in Istanbul landet. Das Ganze ist eine aufgeschriebene Tonbandaufnahme, durchaus authentisch, aber Gürsel, kommt sozusagen „von Höckschen auf Stöckschen“. So richtig konnte ich mich an den relevanten geschichtlichen Ereignissen, wie den Putsch 1960 nicht festhalten, weil im nächsten Satz quasi wieder „ein Zelt gebaut“ wurde, was beim pubertierenden Nedim nächtelanges Onanieren meint. Auch lernen wir seine Geliebte kennen, eine doppelt so alte Schönheit und Mutter eines Klassenkameraden. Das muss man natürlich in Land mit gelebter Doppel- und Dreifachmoral versteckt halten. Ich habe von meiner Tochter vor kurzem ein Buch mit lauter leeren Seiten- aber vielen Fragen - bekommen: Papa, erzähl doch mal…. Ich bin mir nicht sicher, ob ich da irgendwas reinschreiben will oder werde. Wen interessiert es?  Auch Gürsel hat eine Tochter, mit der er sich aber überworfen hat. Es waren wohl seine ewigen Frauengeschichten. Aber auch Frauenhelden, oder grade die, sterben einsam. In ewiger Trauer über seine zu früh verstorbenen Mutter, seine Freude über das wunderbare Istanbul und seinem Zweifel an dem Hier und jetzt, hinterlässt Nedim Gürsel bei mir eine gewisse Ratlosigkeit: ich weiß wieder etwas mehr über die Türkei ohne ihr näher gekommen zu sein!

 

Die Abbieger
Thomas Schweres, grafit verlag
Alle Achtung vor der Rechercheleistung. Aber doch wohl geboren aus der unmittelbaren Wut oder auch Hilflosigkeit, was die Verkehrssituation im Ruhrgebiet, speziell auf unserem Ruhrschleichweg, die B1, oder später die A40, angeht. Jeder kann davon ein Lied singen. Grad vor einer Woche komme ich am Samstagmittag aus Krefeld und will zurück nach Dortmund. Der Klassiker. Dabei kein pöhlen angesagt, weder die Blauen noch die Schwarz- Gelben. Ich habe ja, wenn es geht, das Navi aus, aber man hofft ja, dass man irgendwie durch dieses Chaos relativ zügig geleitet wird. Am Arsch. Erst fragt mich die freundliche Stimme mit, ob ich wegen der zu erwartenden Verkehrshindernisse nicht umschwenken wolle, um fünf Minuten eher zu Hause zu sein. Ich sag ok, mach mal. So, auf geht’s zur A 42 - um dort eine Stunde zu stehen. Fehlte nur noch, dass sich das Navi noch entschuldigt. Das wäre schon absurd gewesen, aber lustig. So wie der vorliegende Krimi. Also eher eine Krimisatire, oder gar ein Comic, denn man kann sich die hanebüchenen Bilder, die Schweres munter zusammen fabuliert, auch bildhaft vorstellen. Also noch mal Hut ab: wer sich mal von der Selbstverständlichkeit der täglichen Staus löst und das mal hinterfragen will, der ist bei Schweres genau richtig. Zufahrtregulierung, Baustellenausschreibungen, Radaranlagen, Geschwindigkeitsbegrenzungen…etc., alles Willkür? Alles eine Verschwörungstheorie? Steckt da ein System hinter? Fragen über Fragen! Ein angehender kleiner Psychopath und Kaninchenzüchter, mit täglicher Verkehrsinfarkt Erfahrung, nimmt die Sache in die Hand und entführt kurzerhand, zusammen mit einem ähnlich gestrickten Kumpel, den Chef der NRW. Straßen. Eine Landesbehörde mit 5900 Mitarbeitern. Tom Balzack und Georg Schüppe, schon bekannt aus den drei vorherigen Schweres Krimis, tappen lange im Dunkel diverser Kaninchenställe herum. Alles schön bescheuert. Diesmal versucht Thomas Schweres nicht die Weltkonflikte auf das Ruhrgebiet runter zu brechen, er bleibt hier und man merkt, dass er hier wohnt, arbeitet und oft genug Scheiße schreit und aufs Lenkrad haut und dabei seinen Humor nicht verloren hat!

 

Eure Dummheit kotzt mich an
Rayk Anders, verlag dtv premium
Gleich vorneweg: ich habe das Buch sehr genossen und es gerne gelesen. Da ich eh im selben Kulturbetrieb unterwegs bin - zwar habe ich keinen eigenen youtube Kanal, aber doch die Bühne als Forum, sowohl als Veranstalter als auch auf der Bühne - komme ich gleich zum Problem: wir schmoren im eigenen Saft. Mein guter Freund Volker Pispers hat (wahrscheinlich) aufgehört öffentlich aufzutreten, weil er es nicht mehr ertragen konnte, über 30 Jahre exzellent recherchierte Pointen in die vollen Säle tropfen zu lassen, um am Ende zu erleben, dass nichts Konsequenzen hatte. Das gipfelte in einer Art Publikumsbeschimpfung: „Nein, Sie sind nicht gemeint, sie haben ja eine Eintrittskarte für das politische Kabarett!“
So ähnlich ging es mir bei diesem Buch. Wer liest es? Und doch sollten wir nicht zweifeln, nicht aufhören uns zu positionieren. Es nutzt ja nix, denn wenn man gar nichts tut, „machen die da oben, doch eh was sie wollen!“ Deshalb ist vielleicht das große Verdienst dieser Analyse der Beklopptheiten, dass man tatsächlich die Argumente verarbeitet, in sich aufnimmt um sie später mal irgendeinen Deppen um die Ohren zu hauen. Ob der das hören will oder nicht, ist egal. Wir dürfen nicht einschlafen. Für eine weitergehende Lektüre, die man direkt nach diesem Buch lesen könnte, empfehle ich ab sofort Ulrich Grobers „Der leise Atem der Zukunft – vom Aufstieg nachhaltiger Werte in Zeiten der Krise!“. Beide Bücher nacheinander und man ist gegen die allgemeine Verblödung doch wieder etwas mehr gewappnet!

 

Der leise Atem der Zukunft
Ulrich Grober, verlag oekom
Für mich jetzt schon ein Standartwerk. Ein Klassiker. Ach ja, ich will eigentlich nur sagen, dass ich total begeistert bin. Wahrscheinlich wird „Der leise Atem der Zukunft“ so ganz pragmatisch als Sachbuch geführt. Für  mich ist es aber wesentlich mehr: eine Bestandsaufnahme, die jeder von uns, und ich meine alle die, die sich um unsere Zukunft Sorgen machen, lesen sollte. Weil es eben nicht in der Art Zukunftsangst herum prahlt wie es heute so in ist. Also zwischen düsteren Katastrophenszenarien oder religiösen oder sonst wie fundamentalistischen blödsinnigen Versprechungen. Das Buch ist vielmehr ein Schlag ins Gesicht aller BWL Schnösel, Neoliberalisten und Wachstumsfanatikern. So, Fred, bei aller Begeisterung, mal langsam. Ich fange mal an von einem anderen Buch zu erzählen: es geht um Christoph Ransmayrs „Atlas eines ängstlichen Mannes“. Ca. zwei Jahre alt. Das Buch hat mich insofern auch fasziniert, weil es in 70 kleinen Geschichten „Die Welt…voller Wunder“ (DIEZEIT) zeigt. Eine Fragilität der Erde, ein Welterbe, ein Weltwissen, geballte Existenzphilosophie in kleinen und kleinsten Beweisen einer unfassbaren Schönheit rund um den Globus. Und so zerbrechlich wie phantastisch. Ulrich Grober nimmt einen anderen Weg. Er reist nicht um die Welt, er bleibt im Lande und beweist das Gleiche. Nur durch Nachhaltigkeit ist ein Weiterleben möglich. Grober ist ein Wanderer, nicht nur weil er gerne zu Fuß unterwegs ist, sondern Wandern auch als Summe von Gedanken, einer Suche nach Auswegen und Projekten für eine lebenswerte Welt; dahin, wo genau diese Themen gelebt werden. Ob er durch den nördlichen Schwarzwald läuft oder durch das Ruhrgebiet streift, ob er die Endzeit des Autos in Wolfsburg erahnt oder beim Apfelsaftpressen von Genossenschaften in Thüringen die Freude an Gemeinschaftlichen (Allmende) erlebt, ob er Meister Eckhardt in Erfurt aus der Vergangenheit zuhört (In der Ruhe liegt die Kraft) oder dem Unbekannten, der auf der Zeitschiene schon wesentlich weiter ist, aber mal kurz zurückkommt und durch ein Zeitfenster lugt und uns fragt: „Was macht ihr da?“ Ja,  genau! Was machen wir eigentlich?
Grober zeigt tatsächlich dass es funktionieren könnte, wie wir die Sache anpacken könnten. Demütig aber energisch! Grober ist ein Humanist (Achtung Wortwitz)  wie er im Buch steht. Er zitiert die großen frühen Naturphilosophen aus dem f.f. wie Goethe, Herder, Hölderlin, Novalis, Leibniz und wie sie alle heißen, aber auch Nietzsche und immer wieder Walter Benjamin, Adorno oder Erich Fromm. Wieder mal komme ich mir ganz klein vor, aber ich habe die Botschaft verstanden: Gab es schon mal: „Tu was!!!“ Und ich liebe das Ende des Buches, denn es bringt letzte Gewissheiten: „Wir sind Sternenstaub. Wir sind Humus. Die Erde dreht sich weiter“. Aber vorher an die Arbeit!

 

Der Krieg der Enzyklopädisten
Kovite / Robinson, berlin verlag
Ein zerrissenes Buch, welches doch als Ganzes vor mir liegt. Ich habe diese Rezension lange vor mir her geschoben, will sagen, vor vier Monaten schon gelesen. Das zeigt auch, dass ich zwar nicht innerlich zerrissen bin, aber mein Urteil über den „Krieg der Enzyklopädisten“, sehr zwiespältig ist – aber letztendlich von mir doch positiv bewertet wird. Es ist eine neue Form, eine neue Idee ein Buch so zu schreiben. Ich meine nicht die unterschiedlichen Schauplätze, sondern den Mut, zwei Autoren gewähren zu lassen, die bestimmt auch ihre unterschiedlichen Lebensdramen in diesem Buch verarbeitet haben. Wobei die „Bagdad – Einheit“ so deutlich, so beklemmend ist, dass ich davon ausgehen muss, dass einer von den beiden Autoren über seinen Protagonisten Mickey Montauk, tatsächlich im 2. Irakkrieg -, bzw. in den Wirren danach, in Bagdad stationiert war - und dort eine Einheit führte. (stimmt ja auch, wie ich dem Umschlag entnehme) Der „zu Hause“ gebliebene Halifax Corderoy hat vergleichsweise harmlos mit der üblichen Perspektivlosigkeit seiner (so in den späten Zwanzigern) Generation zu tun und reibt sich zwischen Drogen, Alkohol und Selbsttäuschungen vollkommen auf. Dabei fehlt es ihm nicht an Träumen wie alles besser gehen könnte, aber seine mentale und körperliche Trägheit, in Studium und/oder Beziehungen, sind eben grenzwertig. Eigentlich sind die Enzyklopädisten ursprünglich ein hochintelligentes Duo , eben Hal und Mickey (dazu gesellt sich die dritte Protagonistin Mani), deren Ziel es ist, irgendwelche Mottoparties zu veranstalten. Dazu haben sie einen ziemlichen verrückten Wikipädiabblog, der auch als Nebenstrang ihr verkorkstes Leben, klug  und hintergründig kommentiert. Ich empfehle mal dieses Buch all denen, die auch den „Fänger im Roggen“ oder als Film „Die durch die Hölle“ mit Robert de Niro mögen, denn, jetzt kommt es wieder, seit langem habe ich kein Buch mehr gelesen, welches so deutlich die Zerrissenheit, einer jungen Generation in den Staaten  (so ab dem Jahr 2003) beschreibt. Trotzdem nur 4*!

 

Widerfahrnis
Bodo Kirchhof, Frankfurter Verlagsanstalt
Bodo Kirchhoff ist ein Meister der Beschreibung des schleichenden Unbehagens. Erst freut man sich mit den Protagonisten,  über ein vermeintliches Glück, das beiden, Julius Reither und Leonie Palm, Mitte der zweiten Halbzeit ihrer gelebten Leben und Dramen, verstörend zufällig zufällt, welches sich dann aber im Laufe dieser kleinen Flucht, na, sagen wir mal, relativiert. Aus einem kalten Dorf, im ausgehenden Winter in Österreich brechen die beiden, einer Eingebung zufolge, im Auto auf nach Süden und landen tatsächlich nach drei Tagen in Sizilien. Leonie Palm, so der Name seiner Begleiterin, hatte ein Hutgeschäft und sich daran gesetzt, einen Roman zu verfassen. Sie ringt sich durch, diese Blattsammlung zu Reither, dem ehemaligen Verleger zu bringen, der seine Verlagstätigkeit aufgab, weil er das Gefühl hat, dass es zunehmend mehr „Schreibende“ als „Lesende“ gäbe und somit die Qualität insgesamt leide. Wie gesagt, noch nach ihrer ersten Begegnung brechen sie auf. Unterwegs, und das ist die Stärke des Buches, kommt es zu seltsamen Ereignissen, die an sich betrachtet nichts Besonderes sind, aber im Kontext der heutigen Zeit, bewegen. Auf einem toskanischen Rastplatz kommt es zu einer lauten Auseinandersetzung zwischen einer Flüchtlingsfamilie und einem deutschen Wohnmobilbesitzer, der seinen Hund am liebsten von der Kette lassen würde, weil, und jetzt kommt es, die Flüchtlinge angeblich den Hundenapf leer gegessen hätten. Für mich eine unglaubliche Szene. Auch auf dem weiteren Weg und schlussendlich in Sizilien, werden sie in Gestalt eines schweigenden Mädchens, mit allem konfrontiert, was die Anfälligkeit unserer ach so sicheren Existenz ausmacht. Ein Roman, oder Novelle über die Möglichkeiten - und des noch mehr möglichen Scheiterns der Liebe. Über Grenzen der Mitmenschlichkeit und das Alter.  Ein Meisterwerk!

 

Weinhebers Koffer
Michael Bergmann, edition kategat
Die Geschichte fängt ein wenig an wie Michael Endes Unendliche. Ein junger deutscher Jude, namens Elias,  findet (in unserer Gegenwart) bei einem Berliner Trödelhändler einen interessanten alten Lederkoffer mit den Initialen L.W.. Neugierig geworden, ertastet  er in einer Ritze dieses Lederfossils einen Brief, der ihn auf die Spuren eines gewissen Leonard Weinhebers führt. Er recherchiert und findet heraus, dass dieser Weinheber ein Schriftsteller und Künstler war, der 1939 vor den Nazis, quasi im letzten Augenblick, fliehen konnte. Er wollte Palästina erreichen, wo seine junge Geliebte sehnsüchtig schon auf ihn wartet. Er erreichte also Marseille um nach Jaffa in Israel zu gelangen. Danach wird es rätselhaft auch für Elias Ehrenwerth, denn außer diesem Koffer, scheint es kein Lebenszeichen mehr von Weinheber zu geben. Elias fliegt schließlich nach Israel, um zumindest die Fährte aufzunehmen, die er in dem Brief gefunden zu haben glaubt. Er sucht also nach Weinhebers  Freundin und stößt in Kibbuzim und Seniorenresidenzen auf Bekannte  der Geliebten. Hier wird auch die zweite Ebene des Buches überaus interessant und lehrreich. Der Palästinakonflikt mit all den verzwickten Entwicklungen nach 1948. Die Ursache von Extremismus, Perspektivlosigkeit auf der einen und der ewige Kampf Israels um die vorgebliche Rechtlichkeit seiner Existenz. Ein gutes, leicht zu lesendes Buch, geschichtsträchtig und gleichzeitig von hoher Aktualität. Sehr empfehlenswert!

Lieblingsbucher

... der letzten Jahre:

 

 

2003:

Der Schatten des Windes
von Carlos Ruiz Zafon

2004:

Nachtzug nach Lissabon
von Pascal Mercier

2005:

Der Klang der Zeit
von Richard Powers

2006:

Der lange Weg
von Joseph Boyden

2007:

Die Lage des Landes
von Richard Ford

2008:

Krematorium
von Rafael Chirbes

2009:

Frau Sorgendahls schöne weiße Arme
von Lars Gustrafson
und
Empörung
von Philipp Roth

2010:

Die Kunst stillzusitzen: Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung
von Tim Parks
und 
Die Bücherdiebin
von Markus Zusak

2011:

Ein all zu kurzes Leben - Robert Enke
von Ronald Reng

2012:

Fliehkräfte
von Stefan Thome

2013

Die Abenteur des Joel Spazierer
von Michael Köhlmeier

2014

Winterjournal
von Paul Auster

2015

Der Distelfink
Donna Tartt

2016

Am Ende bleiben die Zedern
von Pierre Jarawan
und
Bonita Avenue
von Peter Buwalda

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StrichH850

 

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