Tagebuch

26.08.2010
Es sind bewegende Zeiten und ich weiß nicht, wie lange alles dauert. Unglaublich ist jedenfalls der Zuspruch. Morgen ist eine Erinnerungs – bzw. Gedenkfeier um 10 Uhr. Vielleicht habe schon viele meinen Text vom 24.08. gelesen. Aber der von meiner Tochter haut mich jedes Mal  um:

„… Mama!
Was sie geleistet hat, kann man nicht in Worte fassen. Diese Tapferkeit, Den Mut, die unglaubliche Kraft, die nie ausgeschöpft schien, dieser Lebenswille verdienen nicht nur Wertschätzung und Anerkennung, sondern endlose Bewunderung.

Und genau das tue ich, ich bewundere Sie. Für ihren Ordnungsfimmel, der immer dafür sorgte, dass unser Zuhause ist wie es ist- wunderschön. Ich bewundere Sie für ihre impulsive und leidenschaftliche Art, wegen der Papa schon ab und zu mal mit häuslichen Gegenständen abgeworfen wurde. Ich bewundere auch ihre so verantwortungsvolle und authentische Sensibilität, die Grund dafür ist, dass Sie immer spürte wenn es jemandem schlecht ging. Ich bewundere Sie dafür, wie viel wir lachten und erlebten. Wie viel wir unternahmen, gesehen und geredet haben. Ich bewundere die Art und Weise, wie Sie Mutter war, wie auch eine beste Freundin, sie hat alles richtig gemacht. War einfach in jeder Lebenslage für mich da mit tröstenden und helfenden Worten, mit Streitigkeiten, in denen die Fetzen flogen und wir uns nicht vertrugen bis Papa kam und sagte: „Hömma, entschuldige Dich mal bei Mama, ihr tut´s auch leid.“
Ich bewundere Sie für die Abende an denen wir zusammen spielten und lasen, für die Abende an denen wir ins Kino gingen, für die Abende an denen sie sich sorgte weil ich das erste Mal viel zu spät nach Hause kam, bis zu den Abenden, an denen wir uns ein gutes Essen mit leckerem Wein gönnten um lachend und angeduselt nach Hause zu gehen. Ich bewundere Sie für ihren guten Geschmack und den richtigen Riecher. Für ihre Ehrlichkeit. Für ihr Vertrauen auf uns und sich selbst. Ich bewundere Sie für ihre grenzenlose Liebe, die so grenzenlos ist, dass Sie immer bei uns ist und wir bei ihr. Ich bewundere sie so sehr, dass ich sagen kann, dass keine Anzahl von beschriebenen Seiten der Welt oder tausend Worte ausdrücken können, was Sie für ein absolut atemberaubender Mensch war und immer sein wird… wie gesagt, es ist endlose Bewunderung.

…Ich bewundere Sie dafür, dass Sie der beste Mensch auf Erden war.

Mama, die so selbstlos und gleichzeitig so selbstbestimmt ihren Weg gegangen ist und sich
-bei noch so großem eigenen Schmerz - erst um unseren Schmerz gekümmert hat und somit, so bin ich mir sicher, auch ihren eigenen jeden Tag aufs Neue erfolgreich bekämpft hat.

Ich glaube, ich kann von mir sagen, dass ich das Kind mit dem größten Glück auf der Welt bin. Ich habe einen wundervollen Papa und diese Mama ist der tollste Mensch auf Erden gewesen. Ich habe es mit jedem Tag, den ich an ihrer Seite verbringen durfte mehr gesehen und gespürt- Niemand hätte ihr das Wasser reichen können. Auch nicht der Krebs, den hat sie besiegt, auf ihre eigene Art, die eine so unglaublich starke und tapfere war, dass es sich kaum jemand vorstellen kann. Noch nicht einmal wir selbst.
Ihr geht’s jetzt gut.

Deine Shari…“

 

24.08.10
Ich habe Moni zum ersten Mal 1974 gesehen. Wir trafen uns in der Krankenpflegeschule der städt. Kliniken. Ich hatte eine abgebrochene Lehre hinter mir und ein halbherziges Fachabi abgeschlossen und suchte für den Übergang zum Studium der Sozialarbeit eine Überbrückung. Damals studierten alle Sozialarbeit.  Moni hatte schon eine für mich unbegreifliche Strecke Leben hinter sich, von einer verkorksten Hochzeit mit Scheidung um möglichst früh von zu hause weg zu kommen, bis hin zu verschiedensten Eskapaden, die mir als „Fußballer“ völlig fremd waren. Gleichwohl war ich dermaßen von ihrer Ausstrahlung und von ihrer Schönheit beeindruckt, dass ich fortan das Gesicht nicht mehr abwenden konnte.
Zu Anfang war es auch schwer für mich, denn um sie zu beeindrucken hatte ich nicht viel. Meine Erfolge im Fußball? Erste zaghafte Reinhard Mey Interpretationen auf der Gitarre? Nein. Sie, gestählt von Amsterdamer Outlaw Leben und elitärer und höchst alternativer Künstlerszene in Dortmund, nahm mich zuerst nicht ernst. Hartnäckig wie ich war, blieb ich ihr auf den Fersen, und hatte das zweifelhafte Glück, dass sie wegen eines Phlegmons, was sie sich bei der Arbeit in der Klinik zugezogen hatte, stationär lag. Und ich bin immer wieder hin. Trotz allem dauerte es noch ein paar Monate, bis sie sich wirklich auf mich einließ. Ich wohnte damals mit ein paar Jungs in einer berüchtigten Polit - WG namens Fuchsbau, und schlussendlich wurde Moni dann in die Runde aufgenommen, obwohl Frauen in unserer Männer – WG, mit Männergruppengerede, etc… zuerst verpönt waren. Aber Moni überzeugte sie alle. Eben mit ihrer Schönheit, ihrer Empathie und ihrer, sagen wir es ehrlich – Standhaftigkeit -  am WG Tisch.

1976 hatten Moni und ich  unseren ersten großen gemeinsamen Urlaub, der ging über den ganzen April nach Kreta. Toll. Wir waren natürlich da, wo es noch relativ urtümlich und hippiehaft zuging, also Süden und Osten der Insel, aber wir trafen wirklich tolle Freunde, Bob und Joe aus den USA. Dem Klassenfeind, damals. Großes Diskutieren in der WG. Uns wurde mit Ausschluss gedroht, wenn wir es wagen würden, über den Ozean zu fliegen. Wir haben es doch gemacht. Hatten beide den Krankenpflegehilfeabschluss in der Tasche und flogen im September nach Toronto. Wo uns die Jungs abholten und uns über New York und über den ganzen Kontinent schickten, immer zu ihren nächsten Freunden. Besonders beeindruckend war Santa Fe in New Mexico, hier sind wir später mehrmals hin und haben die Südwesten inkl. Mexiko und British Columbia mit allen Nationalparks erobert, und manchmal ging ich ihr wohl mit meinem Indianerfimmel auf den Keks, Noch n Pueblo, noch `n Canyon, noch ne Mesa. Sie wollte eigentlich in der Sonne sitzen. Und am Meer.

In den Achtzigern war es dann Formentera wo sie genau dies fand, und wenn wir damals Geld gehabt hätten, hätten wir uns da auch was gekauft. Glücklicherweise hatten wir kein Geld. Zwischenzeitlich hat Moni ebenfalls Fachabi gemacht und wurde später auch Sozialarbeiterin und hat - im Gegensatz zu mir - diesem Job bis heute die Treue gehalten. Ihre erst Tätigkeit neben dem Studium war die Siedlung Maiglöckchenweg in Sölde, ein wirklich sozialer Brennpunkt, wo sie auf noch heute ganze nahe Freunde wie Karl Hermann, Peter und Johanna traf. Sie blieb beim Diakonischen Werk bis zuletzt. Hatte sogar vor zwei Jahren 25 jähriges Jubiläum. Ihre Qualitäten, vor allem im Aufbau und in der Ordnung von Dingen, brachte sie sogar irgendwann in die Position der Geschäftsführerin des Dortmunder Spendenparlamentes, Spendobel, welches sie als Halbtagskraft nahezu ohne Sekretariats Unterstützung aufbaute. Nach fünf Jahren war es denn auch genug und neue Aufgaben traute man Moni zu. Denn sie hatte sich in all den Jahren enorm fortgebildet: zu einem Abschluss im Fundraising Management kam noch eine Palliativ Care Ausbildung, so dass es Nahe lag, sie wohl in der Ausbildung von Sterbebegleitern einzusetzen, das Hospiz am Ostpark „mit Leben zu füllen“, und am Ende noch den Anfang einer Karriere als Geschäftführerin der Dortmund und Lünener Altenhilfe beim Diakonischen Werk zu erleben. Leider konnte sie diese Aufbauarbeit nicht zu Ende führen.
Unsere gemeinsame Strecke hatte alle Höhen und Tiefen die eine feste Beziehung braucht. Besonders kritisch waren die Jahre 80 – 84, wo ich noch dachte, mir gehört die Welt. Ein typische Männerirrtum und sie war die Einzige, die mich immer wieder korrigierte, ja sogar heilte.
Wir wohnten seit 1978 dann zu elft in einem Haus in der Stockumer Straße, welches wir der Einfachheit halber, weiterhin Fuchsbau nannten.
Wer die ersten Jahre einer WG überlebt, der weiß auch für sein späteres Leben, wo die Freunde sind.  Zu nahezu allen, hatte Moni bis zuletzt ein tolles, ehrliches Verhältnis und ich denke, alle werden heute hier stehen oder sitzen. 1988 kam dann ein erster echter Wechsel in der WG Struktur, denn Detlef entschloss sich mit einer Frau zusammen zu ziehen, die drei Kinder mit brachte. Ninja,  Jonas und Nico. Vielleicht waren es die positiven Stimmungen der Kinder, bzw. wir, als weitere Sozialisationsinstanzen für sie, die Monis Hormone umschwenken ließen, und uns die Chance auf eine wundervolle Tochter gaben, Shari wurde, drei Tage nach Monis Geburtstag am 6. Dezember 1990 geboren und gleich in das Tohuwabohu von nun, so kann man es sagen, älteren Geschwistern, die Nico, Jonas und Ninja heute noch sind, geboren.

Aber auch eine andere Beziehung wurde durch die Geburt unserer Tochter wieder so intensiviert, dass wir uns, trotz dramatischer Fehlspekulationen, einen Hauskauf so bescheuert schön redeten,  dass wir das mit Uli und Jutta, auch alte Fuchsbau Fahrensleute, auch gemacht haben. Gut, dass Häuschen gehört uns noch heute, und wir werden es, auch wegen unserer Kinder, schaffen, zu halten. Denn Hendrik ist auch so etwas wie ein Bruder, von Anfang an zusammen aufgewachsen und zusammengeschweißt. Wie viele wunderschöne Urlaube wir gemacht haben, vermag ich nicht zu zählen, die kleinen Ausflüge nach Holland und immer wieder nach Formentera in die Bar Sa Palmera, wo Hendrik und Shari ihren Kletterbaum hatten.

1996 musste Moni einen ersten gesundheitlichen Rückschlag verkraften und es war damals ganz knapp. 14 Tage Intensivstation wegen einer schlimmen Herzmuskelentzündung. Aber sie steckte das weg. Auch sportlich, obwohl das nie ihr Ding war. Sie hatte eine verdammte Kondition, auch, seit dem sie 1989 endlich mit dem Rauchen aufgehört hatte. Wir sind in den Dolomiten gewandert, habe uns mit unserem WG - Cockerdackel „Lehmann“, der bei uns fast 15 Jahre wurde, die Schuhsohlen wund gelaufen. Sie fuhr dann auch Ski und nachdem Shari ein viel versprechendes Talent im Tennis wurde, sind wir zusammen auch damit angefangen. Für mich als Torwart war es wahrscheinlich leichter, aber wie sie so war, sie war zäh und fand alsbald auch eine Frauen - Mannschaft - und spielte sogar in einer Klasse, die ich mit meiner Männermannschaft wohl nie erreichen werde. In der „Ruhr Lippe Liga“, für Eingeweihte des weißen Sports.

Ende 2008 dann die ersten Zeichen, das irgendwas nicht stimmt. Der bis dahin behandelnde Frauenarzt, vermochte die Dinge nicht zu erkennen. Mit all ihrer medizinischer Erfahrung, ließ sie sich selbst ins Johannes Hospital einweisen und am 7. März 2009 die niederschmetternde Diagnose, die fortan ihres und unser Leben bestimmte. Und wieder nahm sie den Kampf auf, unter höchst freundschaftlicher und kompetenter Obhut von Frau Doktor Bücheler, der ich zu unendlichem Dank verpflichtet bin. Obwohl diese OP im März ein körperlicher Hammer war, ging sie schon zwei Tage später mit mir und einem Infusionskran unten um den Teich. Sie wollte es auf jeden Fall wissen.
Im Mai dann die erste bittere Zeit der Chemo-  und Strahlentherapie, die uns hilflos zu sehen ließ, wie sie litt und sich aber immer wieder rankämpfte.

Beim Jahreswechsel auf 2010 hielten wir uns bei der Hand, wie immer mit den Worten: „Wir schaffen das“. Wiederum im März die nächsten furchtbaren Ergebnisse und Erkenntnisse. Es begann die Zeit der ersten Reflektionen, z.B., was muss mal langsam weg, wir haben viel zu viele Bücher und Kram, oder bis hin zur Kleidung die sie aussortierte, weil sich ihr Körper zusehends veränderte. Sie kämpfte aber weiter und wusste wohl, dass sie sich die zu Ende gehende Kraft wohl einteilen musste. Deshalb zog sie sich von fast allen Menschen, die sie nach wie vor liebte, zurück. Denn fortan, so sagte sie immer, will ich meine Kraft für Shari und für Dich, sparen, und nicht die andern trösten, die keine Worte finden.
Sie ging mit mir trotz größter körperlicher Anstrengung im Juni noch zu einem Mark Knopfler Konzert, und dieses Lied, was wir hören oder schon gehört haben, heißt „What it is“ Das bedeutet eben, so etwa: „So läuft das eben“ oder wie Moni das immer ausdrückte, wenn mal wieder in diesem Jahr eine schwere Entscheidung, eine schwere OP oder eine noch schlimmere Chemo anstand: „Dann ist das eben so.“ Solange sie das sagte, waren die Dinge noch im Level, zwar bedenklich immer, aber klar.
Sie schaffte es, das Shari ihr Abi schaffte, sie schaffte es, dass ich meinen Job weiter erledigen konnte, und sie hatte bis zuletzt Zukunftspläne und sie hat bei weitem nicht gedacht, dass es so schnell geht. Selbst am Sonntag, ihrem Todestag, sagte sie zu mir, als ich mal kurz das Zimmer der Intensivstation verließ, „Du musst doch zum Fußball, es ist viertel vor zwölf“. Unglaublich, und dann trug sie mir auf, dass, wenn Shari gleich käme, sie solle ihr ihren Deostift mitbringen. Und das alles, obwohl sie nicht mal mehr die Kraft hatte den Kopf zu heben. Wir haben uns Sonntag Nachmittag von ihr verabschieden können. Sie sah aus wie eine Königin. Immer noch eine außergewöhnliche Schönheit. Selbst im Tod!

 

22.08.2010
Meine lieben Freundinnen und Freunde, ich kann an dieser Stelle nur folgendes sagen: der Grund für meine Pause war die schwere Erkrankung meiner Frau. Sie ist seit gestern „erlöst“ obwohl ich diesen Begriff komisch finde, aber er stimmt in diesem Fall. Ich habe eine wundervolle Frau verloren. Ich danke für 36 gemeinsame Jahre. Wir sehen uns! Fred

 

15.06.10          
Wer immer das hier liest - es kann ja sein, dass ich nicht in den luftleeren Raum schreibe – ich muss jetzt leider was los werden: es wird eine Pause in meinem Tagebuch geben müssen, wie lange, weiß ich nicht. Nur so viel, ich habe den Kopf nicht frei, mir über Weltpolitik, Regierungskoalitionen und sonstige Katastrophen, (manchmal auch satirisch) Gedanken zu machen, wenn ich den Kopf nicht dafür habe.

Viele wissen, worum es hier geht; ich danke jetzt schon mal allen dafür, dass sie mich über ein Jahr bei diesem Tagebuch begleitet haben. Eines Tages melde ich mich wieder, nur wann – ich kann es nicht sagen! Einen schönen Sommer für alle, die dies hier lesen! Fred

 

08.06.10
Peter Brinkmann hätte heute Geburtstag. Wäre 56 geworden. Da sagt man immer „kein Alter“. Aber er ist schon 1999, grad mal 45 Jahre alt, von uns gegangen. Es geht alles so schnell und auf der anderen Seite machen sich Menschen über Scheiße Gedanken, das ist wirklich nicht zu fassen. Aber gut, ich habe auch keine Antwort, auf den Sinn des Lebens. Wie man es auch dreht und wendet, es kommt nichts dabei raus. Außer vielleicht Kants kategorischer Imperativ, nach dem wir eigentlich alle Leben sollten. Mach alles so gut wie es Dir möglich ist, dann machen es die andern auch, oder so. In unserem neuen Programm heißt das „Der Königsweg“. Da gibt es Sackgassen und Geisterfahrer, Um – und Holzwege, man kommt vom Weg ab und lebt auf der Überholspur. Und der Mittelweg bringt den Tod. Aber alles in allem ist es doch so, es geht immer in eine Richtung. Man wird geboren, tappert ein paar Jahre und zack, das war es. Egal gezz, das sind düstere Gedanken. Aber, freue ich mich auf die WM? Auch da bin ich mir nicht sicher, aber vielleicht kommt der Appetit beim Essen. Vollends den Appetit verdorben hat mir ja unsere Koalition. Mit welcher Dreistigkeit die sich da hinstellen und denen noch an die Wäsche gehen, die sowieso nichts haben. Ich glaube, das wird, nein, das muss in einer sozialen Revolte enden. Obwohl, so richtig mir das scheint, mir wird bei all dem auch unwohl. Es gibt einfach zu viele Bekloppte, die sich nicht netzwerkmäßig organisieren können, mal von unten die Themen aufmischen und sich von „denen da oben“ nichts mehr sagen lassen. Wer sind die, also „die da oben“? Ich denke, dass sind nicht mehr die Politiker, dass sind sowieso alles korrupte Schergen, Mittel zum Zweck, die Überbringer der schlechten Nachrichten. „Die da oben“ sitzen noch weiter oben, als wir uns das jemals vorstellen können. Es herrscht ein unvorstellbarer Reichtum von wenigen auf dieser Welt, und ich denke, die sehen sich selbst schon als eine ganz andere Rasse auf einem ganz anderen Planeten. Die haben das Geld, sich diesen Planeten so zu kneten, dass sie gar nichts von der langsam dahin siechenden Erde mitkriegen. Aber was solls, in ein paar Milliarden Jahren oder eher, ist das alles in der Sonne verschwunden, und dann gibt es keinen mehr, der nach uns fragt. Mann, Mann, was für Gedanken. Es geht doch dem Sommer entgegen. Und wir hatten einen schönen Tennisausflug am WE. Was war das auch für ein Wetter. Schöne Gegend, nördlich von Osnabrück, Nähe Diepholz, etc. Eben Tecklenburger Land. Aufgeräumter Landstrich, schöne Dörfer und gut zum Fahrradfahren. Es sind, wie ich schon oft sagte, die Kleinigkeiten um die es geht. Und da bin ich wieder beim Thema:

© Fred Ape 1983
Lebe jeden Tag,
als wärst Du morgen tot,
freu dich grade dann
aufs neue Morgenrot
und wenn es Winter wird
wo man vor Wonne friert

Lauf…

Heut ist der erste Tag
Von deinem Lebensrest,
der endlich so gelebt
der dich ans Steuer lässt
Lass die Sonne frei
stell die Uhren neu

Lauf….

Das ist schwer, ich weiß! Bis nächste Woche, da weiß ich mehr!

 

01.06.10
So, schon der sechste Monat in diesem Jahr. Die Zeit rast. Und was wir erleben ist einfach unglaublich. Ich meine aber eigentlich die „Relativität“ von „Erleben“. Vor zwei Wochen war die Nation geschockt (Die Katastrophe ist da) wegen Michael Ballack, jetzt dreht die Nation durch und richtet sich (Papstgleich, wir sind alle Lena) an Lena auf, (wie niedlich, ich gönne es ihr) aber, und jetzt kommt mein großes „Aber“, dieses verdammte Loch ist nicht zu. Und diese Katastrophe, die eine wirkliche Katastrophe ist die auch den Namen verdient, stellt bisher alles Dagewesene in den Schatten. Und komme mir bloß jetzt nicht einer und sagt, was haben wir damit zu tun? Pass auf: der Golf von Mexiko ist bis zu 4500 Meter tief. Es gibt ja die Theorie dass der Grund für dieses nahezu runde Becken, jener Kometeneinschlag war, der vor 65 Millionen Jahren zum weltweiten black out führte (Dinosauriersterben und was weiß ich alles). Seit dem 20. April (die Rache des Führers?) kommt nun mit unermesslichem Druck die Suppe (durch ein 9 KM tiefes Loch) nach oben. Der Druck ist so groß, dass nichts gelingt, dass sie nichts haben, um Etwas dagegen zu pressen. Nun wissen wir aber aus der Physik, dass, wenn irgendwo Druck abgelassen wird, ein Unterdruck entsteht, also da wo jetzt mit hoher Energie alles rausgeschossen kommt. Ich kann mir die Tonnen kinetischer Energie, die auf diesem, nun sich vergrößerndem Loch, liegt, auch nicht vorstellen. Aber bei 4500 Meter Wassertiefe und einem ziemlich großen Meer, ist das wohl enorm. Was ist, wenn das jetzt nachrutscht? Es kommt zu einem gigantischen Sog, der, dann natürlich auch um Druckausgleich bemüht ist, in einem Tsunami endet, dem kann man gar nichts, aber auch gar nichts entgegen setzen. Oder der Golfstrom? Der zieht durch den Atlantik und irgendwann zieht er natürlich auch den Dreck mit. Die Ölblasen verlangsamen aber das Tempo dieser Wetterausgleichsmaschine, etc…Ich will gar nicht weitermachen. Ich kann im Moment nur nicht ertragen, dass in den Nachrichten am Sonntag früh, zuallererst es nur um Lena geht und das ganz Deutschland eine Welle (Welle?!)der Begeisterung erfasst hat  Ganz Deutschland? Nein, irgendwo mitten im Ruhgebiet, lebt ein grantiger, alter Nörgler, der uns alles mies machen will. Die putzige Lena und unsere Trauer um Ballack. Was will der eigentlich? Nichts. Ich will nichts. Außer dass vielleicht der BVB nächsten Jahr eine gute Saison spielt. Es ist eben alles relativ. Ich freue mich auch auf ein nettes Wochenende, ein drei Tages – Ausflug mit meiner Tennismannschaft, und ich freue mich über einen gesunden dritten Tabellenplatz mit meiner Fußballmannschaft in der Kreisliga C, wo wir gestern zünftig und nett den Saisonausklang gefeiert haben. Ich will mal so sagen, manchmal reißt alles an mir, wenn ich die Scheiße so sehe und höre; und wenn ich mich bemühe, den Kopf über Wasser zu halten und die ganze Trotteligkeit der Mehrheit unseres Landes erlebe, kann man schon genau darauf neidisch werden. Ich fühle mich schon fast als Fehlentwicklung der Evolution – ich bin zu selten in der Lage, den Dreck an mir abprallen zu lassen, wie es der Deutsche von der Pieke auf gelernt hat. Verdrängen und verlachen. Bin ich zu ernst? Zu Ungerecht? Nein, manchmal nur müde. Aber das wird schon wieder. Da schlummern noch Pläne in der Schublade, wie ich die Welt rette, und so. Wer sollte das sonst machen? Also weiter, immer weiter…

 

27.05.10
Im Jahre 1981 schrieb ich in dem Song „Wir sind noch wahre Pioniere“: …und plötzlich ein Blitz, eine Detonation, die Quelle ist angebohrt - jetzt fließt die Suppe seit Wochen ins Meer, au Mann, hier ist Maloche noch Mord“ Dann Refrain: „Wir sind noch wahre Pioniere - wir ackern wie die Blöden, wie die Tiere – wir bringen unsere Welt nach vorn – wenn wir ein neues Bohrloch bohr´n – und alles was im Weg steht das muss weg – die Laumalocher, Grüne und so`n Dreck – sind über wie die Maden im Speck“ Manchmal habe ich das Gefühl, über allen Scheiß der Welt schon mal was geschrieben zu haben. Und ich weiß heute, dass sich nichts, aber auch gar nichts in der Sichtweise auf einen Respekt für unseren Planeten geändert hat. Die Erde ist für den Kapitalismus eine Vorratskammer, die man beliebig plündern kann und sollte es irgendeinem Arschloch von hedgefondmanager auffallen, dass der Vorrat zu Ende geht, dann wettet er drauf, um damit auch noch Geld zu verdienen. Und die Medien reißen sich um einen anderen Verbrecher namens Koch, der nach Jahren von Anhäufung von Pensionsansprüchen mal eben locker erklärt, jetzt gehe er in die Wirtschaft, sein Mission sei erfüllt. Ist das zu fassen? Und unsere Frau Kraft knickt auch ein, damit sie überhaupt an ein armseliges Ministeramt kommt. Diese Ypsilanti Wahl (ich hab es mir sofort gedacht) bringt am Ende noch eine große Koalition und wir haben den gleichen Scheiß wie in Berlin. Ach gut jetzt: am letzten Samstag habe ich mal wieder mit einer Bundesligaspielerauswahl einen netten Nachmittag in Marl – Hüls verbracht und z. B Olaf Thon und Oliver Reck, etc…kennen gelernt. Leider hat mich ja noch meine Hüftverletzung rechts gehindert, so dass ich eben nur auf der Ersatzbank saß, aber beim Warmmachen konnte ich eben links dem Olaf Thon durchaus mal zeigen, dass ich kein schlechter war/bin. Dazu gehört auch, dass wir, um mal wieder in die Niederungen der Kreisliga C zu kommen, am Sonntag beim Saisonabschluss bei einem Sieg noch zweiter werden können. Das ist schon eine Leistung nach dieser durchwachsenen Saison, und dieser Platz würde auch zum Aufstieg berechtigen. Interessiert das jemanden? Nein – auch gut. Aber diese Kleinigkeiten sind es doch, die das Leben erträglich machen. Shit happens – es gibt wohl keine treffendere, grundsolide philosophische Beschreibung vom Lauf der Dinge. Die Glücksmomente sind rar, wir müssen darum kämpfen. Auch unser Glücksguru Eckart von Hirschhausen fordert jetzt, analog zu unserer Idee, jetzt einen König zu erfinden und in unserer aller Lebensmitte den Königsweg zu lernen, die Installierung  „…eines Glücksministers, der Z.B. Gesetzesvorlagen danach überprüft, ob sie die Gesellschaft zufriedener machen. Glück bereitet sich in Netzwerken aus, darum ist es wichtig, das soziale Miteinander zu fördern“. (zitiert aus STERN 19/2010) Wie oft fragte ich in meinen Texten „Was ist Glück?“ Eine letzte Strophe lautet da: „…und milde gestimmt, beim Wein unbeschwert, dein Leben – bis heute lief’ s nicht so verkehrt – du läufst ein paar Meter, wirst älter, bis Ruhe einkehrt“. Aber Sterben ist auch Scheiße, man kann es nicht lernen und, wie ich schon in einem andern Song schrieb „Die Guten sterben immer zu früh - und werd’ ich hundert Jahre, reicht das nie - Die Guten sterben immer zu früh!“ Es gibt keine andere Wahrheit mehr. Trotzdem, meine Mission ist noch nicht beendet. Ich will Spuren hinterlassen, wenn sie auch jene im Sand sind, die man nur kurzfristig sieht, weil die nächste Welle sie wieder zu sich holt. Zeit, Glück – alles Themen, die mein Leben und meine Texte durchziehen. Was wird noch kommen?

Was wird einmal von uns bleiben
Vielleicht ein Foto an der Wand
Wer wird zum Gedenken schreiben
Wer nimmt sich traurig bei der Hand
Fragen, die sich nicht mehr stellen
Doch man denkt gern drüber nach
Das Nichts wird sich zu uns gesellen
Nachdem es ein paar Herzen brach…
Aus „Klar im Kopf“ ©ape-Mika2008

Mit schweren Gedanken heute! Macht es gut und bleibt gesund!

 

19.05.10
Die Welt wird immer verrückter! Aber das haben wohl schon viele vor mir gesagt, auch tausende Jahre zurück. Aber die Gier war wohl nie so groß wie heute. Es gibt Menschen, skrupellos und maschinengleich, die mit ihren hedgefonds (über ihre angeschlossenen Bankberater der größten - und auch deutschen - Geldinstitute) auch auf das Ende der Welt wetten würden, wenn sie nur vorher ihre Gier nach Macht und Geld befriedigt haben. Die ist aber nicht zu befriedigen, denn der Kern dieser Gier ist im System a priori schon angelegt. Alle unsere Gesetze, die jetzt mühsam neu definiert werden müssen, erlauben diese Transaktionen, die man jetzt hilflos besteuern will. Was tun? Mein Rat: kauft Häuser, ohne Ende Häuser kaufen, 100% finanzieren lassen und sich dann über die Inflation totlachen. Aber kann es das sein? Ein anderes Gefühl beschleicht mich auch immer mehr: wen kümmert das eigentlich? Meine Morgen - Zeitung des Vertrauens  titelte mit “Die Katastrophe ist da!“ und meinte nicht etwa den Zusammenbruch des Vertrauens in eine Währung, oder so, nein… es ging um Michael Ballack. Seine Verletzung stürzt das ganze Land in den Abgrund. Es ist wieder mal dieser inflationäre Gebrauch des Wortes „Katastrophe“, wie es mir auch am Beispiel eines eigentlich normalen Winters bei uns (Schneekatastrophe ist, wenn ein Baum voll Schnee auf Schienen fällt) im Vergleich zu dem Horror in Haiti aufgefallen ist. Da machen die einen ARD- Brennpunkt, direkt nach der Tagesschau – wegen Michael Ballack! Ja, geht’s noch? Ich habe mich im Übrigen am Sonntag auch verletzt, zugegeben, nicht so schwer, aber schon eine schmerzhafte Hüftprellung, die mir ein fanatischer Türke mit gestrecktem  Bein zufügte, und der mich sogar schon in der ersten Halbzeit böse attackierte. Das Eigentümliche bei den türkischen Spielern in unsere Liga ist ja, dass sie immer total nett sind nach dem Spiel. Und wir haben uns die Hand gegeben.  Kevin Prince (allein schon der Name), dem würde ich nie mehr die Hand reichen an Ballacks Stelle, aber das ist es auch schon. Mehr ist nicht drin an Strafe. Alles andere hätte der Schiri machen müssen. Am Samstag spiele ich mal wieder in so einer Promiauswahl. Auf dem Feld stehen Akteure wie Olaf Thon, Martin Kree, Erdal Keser, Billy Reina, Christian Schreier, Oliver Reck (?), Jupp Tenhagen, Thomas Kempe, Dieter Bast, Michael Rzehaczek, etc… alles Größen vergangener Zeiten. So etwas macht mir immer Spaß und ich hoffe, die Hüfte ist bis dahin wieder OK. Das ganze findet statt Im Stadion „Am Badeweiher“ in Marl - Hüls, Anstoß: 15 Uhr, und abends CL Endspiel in Madrid Inter – Bayern. Ich bin kein Bayernfan, aber sollen sie ihn doch diesmal holen, denn dann haben sie ihn auch verdient. Und das alles bei eventuell steigenden Temperaturen. Vielleicht wird es ja sogar warm über Pfingsten, das würde heißen, Bier, grillen, Tennis und ab und zu die Reihenfolge ändern. Tja, ihr seht, ich bin auch ein ganz normaler Proll. Allerdings immer mit dem Hintergedanken: was würde der König dazu sagen? Seit ich mit Feuerstein an diesem neuen Programm arbeite (Es lebe der König!) ertappe ich mich bei all den derzeitigen Abläufen dabei, mich in die Gedankenwelt eines weisen und wachen Königs zu versetzen, der die Dinge auf seine Art regeln würde, sowohl das Foul an Ballack und die legale Gesetzlosigkeit der hedgefondmanager mit ihren Auftraggebern im Hintergrund. Also der König nimmt Anteil an allen Lebensebenen und prüft die jeweilige Haltung und weil es ja eine fiktive Figur ist (oder je nach dem auch real)  finden wir die Haltung in uns selbst, und reagieren, als seien wir auf dem Königsweg, also auf dem Weg der Gerechtigkeit, des Humanismus und des Friedens. Alles illusorisch, ich weiß, aber mir gefällt der gedankliche Ansatz. Endlich hat es mal wieder eine Perspektive. Der König würde nämlich nach und nach alle Politiker entlassen. So, das war das Wort zu Pfingsten, und wieder ertappe ich mich dabei, dass ich nicht weiß, oder bewusst vergessen habe, was das für einen Ursprung hat. Eins ist aber klar, es gibt einfach viel zu viele Ochsen. So oder so. Bis nächste Woche!

 

12.05.05
Was für ein Wetter. Und kein Ende in Sicht. Ich höre schon wieder das quaken: „...wie, das soll der Klimawandel sein? Ist doch scheiße kalt?“ Machen wir uns nichts vor, unser europäisches Wetter ist im globalen Maßstab völlig unwichtig. Wichtig ist, dass durch dieses mitteleuropäische, monströse Tiefdruckgebiet, heute in der Arktis 20 Grad plus sind. Aber egal. Ich sage ja immer, seien wir froh, dass es überhaupt noch Wetter gibt. Ich habe schon keine Lust mehr die Zeitungen zu lesen – dieses Horrorszenario von irrationaler Gelddruckerei. Mal eben eine Billion hier und eine Billion da. Während ich dieses schreibe, steigt die Staatsverschuldung (nur die deutsche) um ca. 10 Millionen €. Rechnet man das global zusammen, wundere ich mich, dass überhaupt noch was funktioniert. Ich meine, es gibt keine Erfahrung, wie man einen ganzen Planeten an die Wand fährt, und vor allem,  wie man aus dieser Nummer wieder raus kommt. Aber wiederum nehmen wir uns zu wichtig, wir sind dem eigentlich großen Lauf der Dinge völlig egal. Oft komme ich zu der Frage, wofür das alles? Wenn spätestens in ein paar Milliarden Jahren die Sonne explodiert und diese Erde verschluckt, interessiert das dann überhaupt jemanden? All das mühsam angehäufte Wissen kann doch auch ganz kurzfristig durch eine Kollision mit einem Kometen zum Teufel gehen, oder? Wer jetzt noch Zweifel an der Nichtexistenz Gottes hat, der soll eben beten. Hilft auch nicht weiter, vielleicht partiell, aber im Großen und Ganzen? Ich höre oft, auch aus Kabarettgründen, die Morgenandacht um 6:55 bis 7:00h in WDR5. Da haben es die Prediger verdammt schwer, ernst genommen zu werden mit ihrem mittelalterlichen Bibelduktus und „Jesus rettet Geschwafel“. Komm, ich will nicht ungerecht sein, ich weiß ja auch nicht was los ist, und wenn ich heute Dinge ändern könnte, die mich bewegen, oder anders – wenn mir einer in die Hand schwört, „...wenn Du nur feste an Gott glaubst, dann wird das schon wieder…“, dann würde ich eben mal wieder in die Kirche gehen. Also, ich bin da ganz erfolgsorientiert. Viele meiner tollsten Auftritte waren bei Kirchentagen, weil da ernsthafte junge Menschen noch an Zukunft glauben und ich mit meinen Texten, kreativ gestalterisch in der Gesellschaft etwas bewegen wollte (oder will?). Und diese zähe, im wahrsten Sinn des Wortes, Öl -Katastrophe. Jetzt kommt raus, dass sich die drei beteiligten Firmen, also die Tankstelle, der Bohrer und der Zementwagen, gegenseitig die Schuld geben und keiner was bezahlen will. Gier allerorten und „Schuld sind immer die anderen“. War übrigens ein schöner Titel eines meiner Kabarettkollegen hier, Hubert Burghart. Er spielt am Samstag im Cabaret Queue sein aktuelles Programm „Weltverbesserer“. Ist noch viel Platz im Stadion, also kommet zuhauf.
Apropos Stadion, letzten Sonntag mal wieder 9:0 gewonnen und wieder habe ich das Gefühl, die Leute nehmen auch hier ihre Sache nicht mehr ernst. OK, es ist nur Kreisliga C, aber innerhalb von zwei Wochen kommen Gegner zu uns und gehen in der Halbzeit einfach runter, oder fragen uns vor dem Spiel, ob wir es nicht besser ausfallen lassen, sie wären nur zu neunt. Das muss man sich verdammt früher überlegen, wenn man sich in so einer Liga anmeldet. Anderes Thema: ich denke unsere Sommeraktivität www.ruhrHOCHdeutsch.de wird ziemlich erfolgreich und ist eines der wenigen Projekte die eher undiffus sind, sondern einfach klar sagt: hier ist der Künstler, hier ist das Ambiente und das kostet der Eintritt. Alles andere im Land der Kulturhauptstadt wird quasi täglich aufgeblasen und alles versteckt sich hinter seltsamen Namen wie Transindustriale, oder Klang Vocal, oder Local Heroes, etc.... Haben sich sicher viele Menschen was bei gedacht, aber selbst mir, der sich zwangsläufig im lokalen und überregionalen Kulturbetrieb auskennen sollte, fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Und, das ist ja das Wichtigste, ich muss auch im nächsten Jahr zur Stelle sein und das Cabaret Queue voll machen mit guten Künstlerinnen und Künstlern, wenn sich die Kulturhauptstadtverantwortlichen die Wunden lecken und ungedeckte Schecks verschicken. Zum Schluss, mal ein Vierzeiler aus dem neuen Programm, welches ich zurzeit mit Guntmar Feuerstein erarbeite, und dass sich um den Begriff „König“ drehen wird. Weiter will ich noch nichts verraten. Ihr seht, ich bleibe am Ball. Und Ihr, bleibt gesund!

Das Glück der Welt für weise Worte
Ein großes Herz fürs große Ziel
Und ein Königreich für einen König
Ist nicht zu wenig und nicht zu viel
© Ape&Feuerstein

 

03.05.10
Letzte Woche berichtete ich von unserer kleinen Reise  zum Golf von Mexico. Stellenweise tatsächlich eine Traumreise, alleine den Pelikanen kann/konnte ich stundenlang zu sehen. Diese unglaublichen weiten und weißen Strände. Und jetzt das. Die Arroganz des Turbotechnikkapitalismus mit der „Wir können alles“ – Mentalität und dem üblichen „Gefahr für die Umwelt besteht nicht“ – Geseier, hat wieder zugeschlagen. Diese Katastrophe steht nicht nur in einer Reihe mit Namen wie Amoco Cadiz und Exxon Valdes, sondern auch mit Tschernobyl und dem Abholzen der Urwälder. Gefahren werden mit gekauften Gutachtern, wie auch bei unserer Atomlobby – siehe Asse –, runtergeschrieben und man treibt ein Bohrgestänge in 1500 Meter Tiefe und tut so, als wäre so etwas, wie jetzt, nie möglich gewesen. Ich will gar nicht wissen wo das noch endet, aber vorstellen kann ich mir schon, dass da noch der ganze Golf verseucht wird, bei den täglich 800 – 1000 Tonnen (eine Million Liter) die da täglich mit großem Druck nach oben gespült werden. Heute die Größe des Saarlands (warum müssen die immer herhalten) und morgen so groß wie Deutschland, bei nahezu täglicher Verdoppelung. Ich kann es nicht fassen.
Nun gut – es gibt Ablenkung. Der BVB wird wohl fünfter und ist EL qualifiziert aber eins habe ich am Samstag im Stadion wieder nicht verstanden: warum ist es wichtiger, dass unser unmittelbarer Konkurrent (Bremen) auf den Cl Quali Platz in Schalke gewinnt? Warum werden die zwei Tore genau so bejubelt wie ein BVB Tor? Bin ich jetzt kein echter Fan nur weil ich das Scheiße finde? Gut – ich war nie so verrückt, aber das ging mir am Samstag doch auf den Geist. Da rackern sich die Spieler (vergebens) für die Champions league ab, aber die Südtribüne feiert das 52 jährige von Schalke. Egal, auch hier gibt es Schlimmeres. Was soll ich von Griechenland halten? Der erste (oder schon zweite – Island?) 120 Milliarden Schutzschirm und es dürfen immer noch Menschen auf Pleiten von Staaten wetten, die sie dann auch selbst verursachen. Und ist es nicht so wie in allen anderen Ländern auch? Wer zahlt denn für die Scheiße? Als wenn es dem Yachtbesitzer in Piräus was ausmacht für seinen Pool 1000 € Steuern mehr zu zahlen?! Nee, nichts. Aber der berühmte Vascostas Vasilis (für Nicht- Lateiner: was kostet das Vasili?), also bei uns „Der kleine Mann auf der Straße“ den ich Übrigens ganz gut kenne, der lebt hier ganz in der Nähe, aber bald von der Hand im Mund, den wird es noch bitterer erwischen. Was für eine Scheiße alles. Was gibt es denn noch Schönes? Noch nicht mal der Mai kommt mit angemessenen Temperaturen. Dann eben noch mal Fußball;  na ja, wir lagen  gestern nach einer Halbzeit 1:3 hinten und haben das Spiel noch 5:3 gedreht. Das hat schon Spaß gemacht, da schmeckt auch das Pils hinterher. Wir wollen sehen, was die Woche noch bringt. Ich spiele am Freitag in Detmold, 20h beim Detmolder Sommertheater, und am Samstag in Do - Aplerbeck bei einer Jugendfeier des Humanistischen Bundes. Was soll man den Kids da von Zukunft erzählen? Da muss einer schon ganz mutig sein, damit er den Jugendlichen (alles so 14-15 Jahre) nichts vorlügen muss. Aber in dem Alter, und das ist das Schöne, weil man sich drauf verlassen kann, ist eh nur wichtig, wer geht mit wem und wie viel Geld bringt die Feier ein. War bei meiner Tochter auch so. Eckdaten im Leben, die dürfen nicht weg brechen, sonst gehst Du selbst schnell unter. Wie 1978 die Amoco Cadiz in der Bretagne. Wir haben damals mit ABB dieses Lied gesungen, mit Namen „Das letzte Paradies“. Wie diese wunderschönen Stellen am Golf von Mexico. Ich sehe heute den Text mit Wehmut; aus meiner heutigen Textarbeitroutine, würde ich so etwas nicht mehr machen, aber damals stimmte alles. Und das alleine zählt. Alles hat seine Zeit. Bis nächste Woche, bleibt gesund!

Das letzte Paradies
Fred Ape© 1978

Das letzte Stückchen weißer Strand
Ist jetzt mit schwarzem Öl bedeckt
Wo ich noch gestern Muscheln fand
Ist überall der Sand verdreckt

Wo einst die Dünen endeten
Und ich in meinen Träumen lag
Da liegen heute tote Vögel
Erstickt im Öl seit diesem Tag

Und auch die Wellen bringen nicht
Die Gischt, den weißen Meeresschaum
Als Strandgut nur das schwarze Öl
Auch die Erinnerung hilft kaum

Nur manchmal steht ein Fischer da
Am Strand und schaut aufs weite Meer
Seit jenem Tag als es geschah
Blieben seine Netze leer

Zerbrochen liegt das Wrack im Meer
Wie du es durch den Nebel siehst
Und damit brach ein Traum entzwei
Der Traum vom letzten Paradies

 

26.04.10
Tschernobyl Tag. Ich weiß noch genau, dass wir an dem Tag einen Auftritt hatten, ich glaube am Rhein, Boppard oder so. Nach und nach, auch während wir spielten, wurde das Inferno deutlicher. Verrückterweise hatten wir damals etliche Songs zu dem Thema, z.B. „Es gibt keine Entrinnen mehr“ oder „Festung von Gorleben“ die genau das Szenario, also den Super Gau, zum Thema hatten.
War ja, was die AKW Widerstand angeht, mal wieder ein erfolgreiches WE. Gut zu lesen. Lesen deshalb, weil ich nicht dabei war. Bin nämlich erst Sonntag aus dem Urlaub gekommen. Und ich war ziemlich weit weg und wir haben uns ein paar alte Träume erfüllt; als da wären mal die Everglades und die Mangroven zu besuchen als auch mit den Manatees (Seekühen) am Chrystal River zu tauchen.
Eingeweihte wissen es spätestens jetzt: das alte Florida an der Golfküste hat es uns angetan, mit seinen unglaublichen Stränden wie Clearwater beach, Ft Meyers Beach oder Sanibel Island. So was macht man nicht alle Tage und es kostet auch Geld. Amerika ist ein so unglaubliches Land, das hat mich schon immer fasziniert. Diese Landschaften, der sektenhafte Gottglaube, das scheiß Essen, die Weite und die Freundlichkeit. Aber jetzt wieder zur Tagesordnung, obwohl der Sommer vor der Tür steht. Im Cabaret Queue bereiten wir jetzt kräftig das zweite Halbjahr vor mit vielen Highlights wie Jürgen Becker, Hagen Rether, Volker Pispers, Frank Goosen auswärts vor und im Queue engagieren wir sowieso durch die Bank gute Kolleginnen und Kollegen. Sogar ein „Ape und Feuerstein“ Abend ist geplant und zwar am 20.November. Bin mal gespannt. Seit gestern ist mein BVB wieder in Europa angekommen – da freut man sich doch auf die neue Dauerkarte. Aber es sollte mich nicht wundern, wenn die wieder mal teurer wird. Aber man gönnt sich ja sonst nix. Noch mit dem Jetlag in den Beinen stand ich gestern sofort wieder im Tor. Dabei passierte mir das allererste Mal etwas, was ich in meiner fünfundvierzigjährigen Torwartkarriere noch nie erlebt habe. Die Jungs von South Dortmund Soccers gingen in der Halbzeit zum Schiri und gaben auf, beim Stande von 4:0 für uns. So was macht man einfach nicht. Da spielt man zu Ende auch wenn man hinterher zweistellig kriegt oder man tritt gar nicht erst an. Aber so ist das eben in der Bauernliga, so ein hübscher Name für die letzte deutsche Spielklasse, die Kreisliga C.
Unsere Tochter zittert sich jetzt durch die Abiklausuren, da muss man schon mal die Worte abwägen und nicht, wie sonst gerne, mal dumme Sprüche ablassen. Aber sie macht das schon gut, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich werde jetzt erstmal langsam wieder ankommen und teile Euch dann in den nächsten Wochen wieder meine Pläne mit, wie ich die Welt rette. Wer könnte es auch sonst machen.

 

9.04.10
Letzte Woche (Kar-) Freitag war ich mit Guntmar Feuerstein in seinem Studio und wir haben beschlossen, unsere Zusammenarbeit mal wieder ein wenig zu vertiefen. Er machte mir sogar den Vorschlag, eine gemeinsame CD zu produzieren, die den Liveeindruck meiner (Folk-) Konzerte hervorhebt. Bei den bisherigen Studio CDs, die ich mit Rudi Mika gemacht habe, haben wir, bzw. hat Rudi, eine unglaubliche Sorgfalt auf die Musik gelegt, aber eben live ist das schwer rüber zu bringen. Insofern hatte ich sehr oft die Kritik, dass das irgendwie nicht zusammen passe. Gut, der eine sagt so, der andere so. Beide sind gute Freunde und Super Musiker, Lektoren und Produzenten. Mal sehen was dabei rauskommt, spannend ist es allemal. Anderes Thema; ein Stück was ich seit unserem Syltaufenthalt im letzten Jahr schon immer schreiben wollte, wird jetzt langsam fassbarer (siehe Text unten). Vielleicht hier noch eine weitere Strophe, um den Inhalt zu verdeutlichen: Plagen, die die Welt bedrohten – gab es schon zu allen Zeiten – Doch jetzt drohen die mit Pfoten – um uns das Ende zu bereiten. Oder so ähnlich; eben eine kleine Satire auf die Tatzenträger – ich nenne sie die Jack Wolfskin Armee - die dies im Moment nicht lesen können, da sie ja meist im Osterurlaub sind und ihre Anoraks spazieren tragen. All die Lehrer, Pfarrer, Pilger, Kirchentagsstreuner und sonstige Mittelschichtsuniformierten. Ich muss zugeben, ich habe vor zwei Jahren auch lange auf so einen Anorak gespart und er hängt tatsächlich im Schrank. Aber einmal den Focus auf den Jack Wolfskin Schriftzug gelegt, Du siehst sie überall und denkst an Verschwörung. Und vor allem machst Du Dir Gedanken, was wollen die? OK, alles ein wenig Musik, Satire, Kabarett, aber neu, oder? Ich muss nämlich sagen, dass es die Kabarettistenkolleginnen und - Kollegen mittlerweile verdammt schwer haben, noch unbehandelte Themen zu finden. Als einer der, quasi wöchentlich bei uns im Cabaret Queue, den Kolleginnen – und Kollegen (quasi dienstlich – ich verpflichte die ja nun mal selbst) zuhören muss, wundere ich mich oft selbst, dass da noch an Themen rumgekaut wird, die ich schon seit Jahren nicht mehr wage, auf die Bühne zu bringen. Gut, die meisten haben ihren USP (unique selling point)  und kommen professionell gut über die Runden, aber was ich sagen will, ich lechze oft nach neuen Gedanken, nicht nach immer neuen satirischen Umschreibungen von längst gegessener Scheiße (Merkel, Westerwelle, von der Leyen, Banken…etc), sondern nach frischen inspirierenden Ideen  mit Nachhaltigkeit und nicht so einer geringen Halbwertzeit. Es muss wieder eine Philosophie auf die Bühne, die unser Leben insofern spiegelt, dass man sich auch mal wirklich in Frage stellt und sich nicht nur gut unterhalten fühlt (was schon schwer genug ist, zugegeben). Gut unterhalten fühlte ich mich am Samstag im Stadion beim Spiel gegen Werder Bremen – das liebe ich, beide Mannschaften wollten am Ende alles, waren stehend ko und haben das Ding durchgehalten. Begeisternd - und wir kommen dem UEFA Platz und vielleicht sogar etwas mehr, immer näher. Ich habe, mit meiner Kreisliga C Truppe letzten Mittwoch versagt. Wir haben den Gegner vollkommen unterschätzt und das hat sich gerächt. Jetzt noch zweiter zu werden wird schwer, aber am Sonntag haben wir mit einem gut heraus gespielten, konzentrierten 3 : 1, wieder Boden nach oben gut gemacht. Ich werde jetzt mal zwei Wochen nicht spielen können – wir haben endlich mal Urlaub. Ich verrate nicht wohin es geht, denn Ihr versteht - die vielen weiblichen Stakerrinnen machen einem sonst das Leben schwer.
Nicht übles Wetter heute, und heute Abend nach dem Fußballtraining dann ManU – gegen Bayern. Ist das Leben nicht schön? Ich sage Euch wie es im Moment bei mir ist: nein -und trotzdem weiter. Jetzt kommt eine kleine Tagebuchpause von ca. 3 Wochen. Bleibt gesund. Ich weiß, wovon ich rede. Hier der versprochene Text:

Jack Wolfskin Army
© Fred Ape 2010

Unter uns und überall
Der Schriftzug mit der Tatze
Man denkt an einen Überfall
von Lehrern, auch mit Glatze

Familienclans, die Oma auch
An allen Nordseestränden
Pärchenlook, durch Wald und Strauch
Im Winter auch an Händen

Ein bunter Krieg an jedem Tag
Und immer selbstbewusster
Hauptsache auf dem Anorak
Sind ständig neue Muster

Piste, Kreuzfahrt, Wanderstock
Bei allen Gipfelstürmen
Früher war’s der schwarze Block
Vor dem ich riet, zu türmen

Wer diese Mikrofaser trägt
Will uns was beweisen
Wer sich ohne sie bewegt
Geht auch nicht auf Reisen

Man trifft sie in der ganzen Welt
Stillschweigend einverstanden
Man sieht sich, nickt, man hat das Geld
Und klettert in den Anden

Atmungsaktiv und steif im Wind
Steht der Wolfskinträger
Da wo die letzten Helden sind
Als Sammler und als Jäger

Eine Armee, und alle gleich
Ich fühl mich als Verlierer
und spüre schon das vierte Reich
Jack Wolfskin, als der Führer

 

01.04.10
Ostern! Bald ist es so weit und ich habe ein Jahr lang, nahezu jede Woche, irgendwas ins Tagebuch geschrieben. Manches ist auch jetzt schon in der Rückschau gar nicht so schlecht und ich werde, obwohl ich gar nicht weiß, ob es überhaupt gelesen wird, weitermachen. Es ist gut, ein paar Gedanken zu ordnen, manchmal auch versteckte Informationen oder Gefühle unter zu bringen und das verstehen dann auch nur Menschen, die mich näher kennen. Natürlich ist so was öffentlich – aber es ist kein Twitter oder StudiVZ. Es bleibt unter uns. Es ist ebenso wie bei meinen Konzerten, so wie auch letzten Samstag im Cabaret Queue: alles Leute, die sich vor dem allgemeinen Gebrabbel fast schon ekeln, (tu ich ja auch) und wenn am gleichen Tag Mario Barth 10 000 Menschen in der Westfalenhalle hat und ich -sagen wir -ein Hundertstel davon, so denke ich, dass die Nachhaltigkeit bei mir einen anderen Stellenwert hat. Ich habe schon oft gesagt, ich finde mein Leben einigermaßen gelungen, mit vielen ups and downs, und es fällt mir zugegeben oft schwer, Dinge verstehen zu müssen, die ich gar nicht verstehen will. Aber das Leben geht weiter und wenn ich hier und da ein Pflänzchen hinterlassen habe…nun gut. Das ist schön. Mehr nicht. Ich bin ein unchristlicher Mensch – Ostern ist wieder so ein aufgebauschter klerikaler Unsinn, aber wem es was sagt, ok…nehme nie jemanden seinen Weg. In Dortmund stehen wieder die gleichen nichtssagenden Köpfe zur Wahl, wieder diese unsäglichen Plakate, und man fragt sich, warum schämen die sich eigentlich nicht!? Da wird eine Wahlfarce wiederholt und kommt wahrscheinlich mit noch weniger Beteiligung zu dem gleichen Nicht – Ergebnis. Wie kann ich bei 40% Wahlbeteilung von Bürgervertretern sprechen? Wo versteckt sich die schweigende Mehrheit? Warum gibt es in Dortmund noch diese SPD? Und wieder dieses scheiß Wetter die nächsten Tage. Gut, jetzt fallen die Fußballspiele nicht mehr aus, - wir haben uns nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem gut gemischten Team entwickelt, wo ich zwar mit Abstand der älteste bin, aber es ist schon klasse, mit 19 – 20jährigen auf Augenhöhe zu spielen. Sagen wir, wir werden wieder dritter oder sogar noch zweiter. Auf jeden Fall mache ich weiter. Tennis wird schwer diese Saison, da sind in meiner Mannschaft einfach zu viele altersbedingte Ausfälle, ich höre nur noch Knie, Hüfte, Rücken, manchmal auch alles zusammen. Wir waren im letzten Jahr zwölf und können, wenn es mal gut läuft, nur noch mit sechs einigermaßen fitten Spielern antreten. Was solls? Hauptsache Spaß, Sport und Spiel. Ich wünsche Euch, meiner Familie und mir viel Kraft um alle Aufgaben die vor uns liegen, zu bewältigen. Wir sehen uns! Schöne Ostertage!

 

25.03.10
Zwei warme Tage. Gestern beim Fußball, das war schon wie es sein muss. Und am Wochenende wieder Regen.  Ich meine, wäre ja auch noch schöner, wenn ich am Samstag Abend im Queue spiele, und ein super lauer Frühlingsabend macht mir einen Strich durch die Rechnung. Im wahrsten Sinne des Wortes.  Dann lieber Regen und volles Haus, da bin ich ganz egoistisch. Apropos Egoismus: jetzt will ich auch, dass der BVB in die Europaränge kommt. Endlich mal wieder internationalen Fußball sehen. Das wertet doch so eine Dauerkarte auf, das ist quasi eine Rücklage für schlechte Zeiten. Aber es läuft pekuniär sowieso nicht schlecht im Moment. Allerdings in dem Geschäft kann es sich auch ganz schnell wieder drehen. Jedenfalls an diesem Wochenende bin ich eher auf der Habenseite zu hause, denn Samstag früh  spiele ich noch live bei der WDR5 Sendung „hallo Ü-Wagen“ in der Stadtmitte von Dortmund, direkt an der Reinoldikirche. Ab 11 Uhr. Ich kann mich noch gut an eine Sendung mit Carmen Thomas erinnern, die zum Thema Wohngemeinschaften ausgerechnet zu uns kam; gut wir haben das Thema damals auch vorgeschlagen und dann stand tatsächlich damals Carmen Thomas mit dem Übertragungswagen im Garten bei uns im „Fuchsbau“, so nannten wir unsere WG, wegen des Fuchswegs, an dem das Häuschen lag. Gibt es noch WGs heute, wie damals? So richtig als Lebensform? Ich glaube eher nicht, die Menschen sind heute mehr egoistisch, und richten es sich eher alleine oder zu zweit ein, warum sich auch einer Kritik stellen? Ich habe jedenfalls als WG Mensch viel gelernt. Über 25 Jahre mit Kämpfen bis aufs Messer aber auch im Nachhinein ein immerwährendes Fest der Emotionen. Es gibt heute noch eine große Verbundenheit mit den meisten Jungs und Mädels, die diese WG überlebt haben. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich heute auch froh, mal die Tür zumachen zu können. Töchterchen Shari hat morgen ihren letzten offiziellen Schultag. Dann nur noch die letzten Abiklausuren dann ist sie fertig. Ist schon irre, kommt mir vor als wäre ihre Einschulung grad erst gestern gewesen. Das macht die Sache ziemlich melancholisch. Alles geht so schnell vorbei, du schaust hoch und wieder passieren Dinge, die dir entweder den Atem nehmen, oder so, dass du vor Freude heulst. Irgendwie sind die Zeiten emotional intensiver geworden. Man spürt, dass vieles endlich ist und man den Wert der Tage, die noch bleiben, auskostet, wie einen guten Wein. Gut, ich habe noch viel vor, aber wer sagt denn, dass es nicht morgen plötzlich Schluss sein kann, mit allem? Bevor mir jetzt wirklich die Tränen kommen, mache ich lieber hier Schluss und denke an meine spektakuläre Parade am letzten Sonntag gegen SuS Hörde. Meine Mannschaft hatte nach dem Spiel kein anderes Thema: wie ich den denn noch habe halten können – der Gegner hatte schon jubelnd abgedreht. Ja, das sind eben so Momente die ich meine: Leben, Leben, Leben. Bleibt gesund!

 

15.03.2010
Sind wir durch? Zaghafte Erwärmung kündigt sich an, am Donnerstag sogar so, dass man eine Flasche Bier draußen trinken kann. Wir wollen sehen. Erst mal bin ich froh, dass es überhaupt noch Wetter gibt – wir leben jetzt schon so lange mit (und ich kann sogar sagen, von) den düstersten Voraussagen, Zeitenden und nostrodramatischen  Katastrophenszenarien, dass ich mich immer wieder wundere, wenn vor meinem Bürofenster die Vögelchen wüten, die Eichhörnchen wühlen und die Blätter sprießen. Endlich Frühling und was noch schöner ist, zum Glück geht’s dem Sommer entgegen. Am Wochenende feiert meine Kleinkunstbühne Cabaret Queue 25 Jahre ihres Bestehens.
Und all die Jahre dabei Georg Delfmann, ich möchte ihn Euch einfach mal vorstellen, wir arbeiten jetzt sein 1999 zusammen und ich denke mir, das wird noch lange gut gehen. Georg Delfmann ist und bleibt ein Eigenbrötler, ein "auf die Politik polternder" Gastronom und Veranstalter, der sein Schiff Cabaret Queue 25 Jahre durch alle Höhen und Tiefen, die eine Kneipe mit Kleinkunstbühne in diesen Zeiten erfahren kann, geführt hat. Er ist und bleibt der stoische Kapitän, den auch eine überausverkaufte Veranstaltung nicht aus der Ruhe wirft.  Er geht und ging immer seinen Weg, auch als es zum langsamen Wechsel von der übervollen Szene-Kneipe "Cabaret Queue" hin zur bundesweit bekannten Kleinkunstbühne mit hoher Strahlkraft kam. Auch wenn das Queue als "normale" Kneipe nicht mehr läuft, hat er es verstanden, mit immer neuen Ideen seinen Kahn flott zuhalten, sei es durch die heute so erfolgreiche Dinner Attacke oder die großen Veranstaltungen in der Rohrmeisterei oder im PZ Hombruch, mit Namen wie Pispers, Rether, Knebel, Becker, Goosen, die alle noch in diesem Jahr - außerhalb des Queue,  aber - für die Firma Cabaret Queue Entertainment, welche er im Jahre 1999 mit mir gründete, auftreten. Dabei ist ihm die Unabhängigkeit ein großes Anliegen. So verweist er gerne und immer wieder darauf, dass das Cabaret Queue quasi zuschussfrei durch und in die Jahre kam. Gleichwohl weiß er heute den Wert des Sponsoring zu schätzen, wenn auch nicht um jeden Preis, wie die berühmte DEW21 Flughafengeschichte zeigt. Die DEW, als Stadttochter (Dortmunder Energie und Wasser) pumpte pro Jahr 5 Mille ins Queue, wir konnten das gut gebrauchen. Aber als wir uns vom Queue mit dem Geldgrab Dortmunder Flughafen befassten und uns in die Reihe der Flughafengegner sortierten, sperrte uns die DEW alle Kohle weil sie ja schließlich mehrere Millionen jährlich in diesen Pleiteflughafen werfen. Da zeigt auch Georg Delfmann Flagge. Ja, kann man mehr loben? Kein einfacher Mensch, aber ich sage mal abschließend, wer 25 Jahre in der heutigen Zeit in dem Gewerbe überlebt hat, dem braucht man gar nichts mehr erzählen. Und trotzdem, sie versuchen alle ihm ein Bein zu stellen, ob GEMA, KSK, Ordnungsamt, Finanzamt, Rechtsamt und was weiß ich, was es da an Bürokratenscheiß noch gibt. Und so ist er auch ein Streithansl geworden, der sich gerne mal mit den Institutionen fetzt, und der, auch mal zu meiner Überraschung, z B. auch mal der GEMA zeigt, was eine Harke ist. Delfmanns Motto: mit mir nicht, da müssen ganz andere kommen. So, genug! Am 20.03. wie gesagt, große Fete ab 20 Uhr, oder sagen wir lieber, nach dem BVB Spiel – Anstoß 18:30h – und es spielen ab ca. 21 Uhr „The Buh“. Eine Dortmunder Allstarband  (Conditors, Rocktheater N8chtschicht, etc…) die ganz ausgeschlafene Musik macht, u.a. Tom Petty, oder Tom Waits, etc…. Am Sonntag geht dann wohl auch der normale Fußball - Spielbetrieb weiter, ich glaube hier im Kreis Dortmund müssen mehrere tausend Spiele nachgeholt werden. Wir spielen dann wohl am Gründonnerstag, am Karsamstag und am Ostermontag. Dann wird die Tabelle wieder stimmen. Hauptsache die Knochen halten.
Mein nächster Auftritt, zu dem es leider noch Karten gibt, ist übrigens am 27.03. – auch im Cabaret Queue. Bis dahin

 

8.03.2010
Weltfrauentag – ich vergesse so was nicht! Nur, muss man da Blumen kaufen oder sich mal einen Tag ducken? Ich wundere mich jedenfalls, dass die Industrie noch nicht an die Vermarktung dieses Thema gegangen ist, wie eben an den   kürzlich verstorbenen Valentinstag, wo mittlerweile selbst meine Tochter von ihrem Freund irgendeine Aufmerksamkeit erwartet. Egal – ich hatte am WE zwei ganz harmonische Veranstaltungen mit Volker Pispers und der, nicht nur weil er uns die Hütte immer voll macht, ein absolut feiner Kerl ist, nein er ist  für mich auch der bissigste, politische Kabarettist weit und breit. Doch wenn ich dann die Vehemenz, Tiefgründigkeit und perfekte Analyse, die da von der Bühne prallt mit der Reaktion vergleiche, die dann vom Publikum kommt, ist das so eine Sache. Da gibt es Jubelstürme wenn Pispers den Zusammenbruch jeglicher politischer Ethik und Moral diktiert und keiner rennt zu den Waffen, was eigentlich in diesem Land notwendig wäre, um nämlich dieses jämmerliche Personal an Führungsspitzen, ob in Parlamenten oder Banken, aus dem Land zu jagen. Zeitgleich hat aber der BVB gewonnen, was mich dann wieder milde stimmt. Was mich zu folgenden Gedanken inspiriert: “Du weißt wo die Zukunft liegt, oder? Das alte Europa ist fertig. Und die Welt gehört den Chinesen. Nur will und kann es noch keiner richtig öffentlich machen. Und wenn der fundamentalistische Islam mit seinen dekadenten Scheichs fertig ist, und der Krieg um das Öl heute noch unvorstellbare Wendungen nimmt, ein Milliardenheer vollkommen frustrierte, jugendliche Männer, ihre Testosterone  im Namen Allahs in Form von menschlichen Bomben in die westlichen Metropolen projizieren, anstatt in Mädels, dann hoffe ich, genau dann...das wenigstens der BVB vorher noch mal mit Klopp Meister wird.“ Ja, so steht es. Einerseits ist alles so bekloppt und andererseits versucht man ja selbst mit erfreulichen Dingen des Lebens, für die man ja genau sein Leben lang immer kämpft, den Kopf über Wasser zu halten. Das ist eben auch der Fußball und ich hoffe, endlich mal wieder eine oder mehrere Saisons international zu spielen, bzw. Spiele zu sehen. Aber die machen sich den Spaß aber auch selbst kaputt. Da ist diese unendliche Schiri – schwulen Geschichte. Alles Bild Zeitung - Niveau. Da fällt mir eine schöne Moderation ein: „In unserem Fußballkreis haben sie einen Schiri schon deswegen vom Spielbetrieb abgemeldet, weil er ‚Bischoff’ heißt!“ Na klingelt es?  Gut, muss ich vielleicht noch dran feilen. Montag ist Kinotag. Letzte Woche war ich ja in „Avatar“ Ich finde der Film ist mit Recht bei den Oskars so gut wie leer ausgegangen. Wie ich schon voraussagte, ist alles so gekommen, wie ich es unten geschrieben habe. Ganz dünne banale Geschichte, hundert mal verwurstet. Heute gucken wir mal „Männer die auf Ziegen starren“. Alleine die Besetzung lässt einiges erhoffen. Und das da sogar eine halbwegs wahre Geschichte hinter steckt, macht die Sache ja auch noch lustiger. Die Amerikaner mit ihrem Esoterik- und Astrologiescheiß. Frieden schaffen via Spirit. Im Prinzip ja nicht schlecht, wenn alle dran glauben würden. Aber die Wahrheit ist auf dem Platz. Und dieser Platz ist voll mit solchen Bushs und  Ahmadinedschads - und dann noch Westerwelle. Der einzige Außenminister der es geschafft hat, als Außenminister sofort unbeliebt zu werden. Sonst hat doch der minister of foreign affairs immer leichtes Spiel. Jettet durch die Welt (Genscher), schlichtet hier und da, streicht da einem schwarzen Baby über dem Kopf und mümmelt sich in Flugzeugsesseln, dass er am Ende nicht mehr weiß, welches Jahr ist. Nicht so Westerwelle, der hat noch nicht begriffen, dass er die Schnauze zu halten hat. Der denkt, er hätte was zu sagen. Pispers zitierte ihn am WE, als Westerwelle auf dem FDP Parteitag schrie „Hier steht die wahre Freiheitsstatue!“(und meinte sich)  Pispers lakonisch: „Man sollte ihm vielleicht mal sagen, dass die Freiheitsstatue von innen hohl ist“. Man, erstmal will ich jetzt, dass es warm ist. Bis bald und bleibt gesund!

 

02.03.2010
Dieser Winter will einfach nicht gehen. Also ins Kino! Heute Abend „Avatar“. Aber muss ich das sehen? Es wird natürlich technisch und visuell gigantisch, das weiß ich von denen die drin waren. Aber ich trage ganz andere Filme im Herzen die das gleiche Thema behandeln und weil sich das Thema „Landraub und Ressourcenjagd“ über die Jahrhunderte nicht geändert hat, sind diese Filme immer ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität auch wenn sie in der Vergangenheit oder in der Zukunft spielen. Meine absoluten Favoriten dazu  sind nach wie vor Filme wie „Little big man“ (unvergleichlich: Dustin Hoffmann), „Ein Mann den sie Pferd nannten“ (riesig: Richard Harris) und „Der mit dem Wolf tanzt“ (in der Rolle seines Lebens: Kevin Costner). Gleiches Thema wie Avatar: eine „zivilisierte“ gleichwohl aggressive  Macht muss, um weiter so mit ihrem Energie- und Landhunger zu leben, Beute machen. Ein „Soldat“ des weißen Mannes wittert Unrecht und läuft über und schließt sich den Ureinwohnern an (und verliebt sich natürlich in die Häuptlingstochter, die dann Pocahontas heißt, natürlich in der Sprache der Ureinwohner des Planeten Pandora und einen General Custer gibt’s bestimmt auch ). Am Ende weiß man nicht so recht, woran man ist. Man ist immer auf der moralisch richtigen Seite im Kino und doch froh, dass man nicht zur anderen Seite gehört, denn dann könnte man eventuell diesen Film nicht sehen. Und Fußball? Im Moment scheint es mir ja so, dass sich in den letzten Jahrzehnten bei unseren fußballbegeisterten männlichen Schwulen ein vermeintlicher Ausweg kanalisiert hat: man(n) wird Schiedsrichter, oder alternativ: Trainer (aber das Thema kommt erst noch). Was ist das eigentlich für eine Sorte Mensch? Ich meine ja nicht die Jungs, die in meiner heutigen Spielklasse (Kreisliga C) ein Ehrenamt vollziehen. Wer stellt sich schon freiwillig, wie am Sonntag bei dem Sturm, mit uns auf dem Platz, um diese Holzerei halbwegs zu glätten? Diese Schiries haben meinen Respekt. Nicht aber diese Diven, die in den höchsten Klassen pfeifen, dafür vierstellig kassieren, und trotzdem immer wieder in die Jauche fassen. Und wenn sich dann noch bewahrheitet, was Amerell und Konsorten für ein Spiel mit dem Spiel spielen, dann verliert auch der letzte Referee - auch vor den Jugendlichen - jeglichen Respekt. Was rege ich mich auf? Wir sind nicht in Chile. Nach Haiti der nächste Hammer. Die Plattentektonik läuft auf vollen Touren und wieder sind wir in Europa überhaupt nicht betroffen. Was machen wir mit dieser Einsicht? Regen uns über Xinthia auf, ein laues Lüftchen, in Relation mit den kosmischen Katastrophen am Feuergürtel. Oder großes Thema Sponsoring von Politikern. Ja, was ist die Politik eigentlich anderes als genau das? Politik ist der Vollstreckungsbeamte des Kapitals, so war es doch schon immer. Und nur weil es jetzt diesen modischen Begriff gibt – Sponsoring – wird das, was vom Kapital  in den Rachen der Legislative gepumpt wird, nicht auf einmal dramatischer. Gleichwohl kann ich mir eine klammheimliche Freude ja nicht verkneifen, wenn die alle wieder anfangen hilflos zu stottern. Aber wie gesagt, was rege ich mich auf? An diesem Wochenende ist mir in Dortmund was aufgefallen: in der Summe waren zigtausende allein in Dortmund kulturell unterwegs. OK, ich rechne einfach mal Atze Schröder, Dieter Thomas Kuhn und Andrea Berg (wer immer das ist) dazu, aber es gab auch andere Beispiele, volle Häuser am ganzen WE, tw. seit Freitag im Freizeitzentrum West, Konzerthaus, Oper, Theater, Kulturhauptstadt Aktivitäten (Die Odyssee) und auch bei uns im Cabaret Queue am Samstag sold out. Rechnet man das alles zusammen, da ist doch Luft nach oben und gibt Anlass zur Hoffnung, dass Onkel Fred in diesem Jahr auch Geld verdient, ist er doch bei www.ruhrHochdeutsch.de unter dem berühmten „U“ (U steht jetzt schon für „Unvollendete“) dabei. Schaut mal in diesen Programmvorschlag und wir werden uns sicher irgendwann sehen, ich werde wohl fast täglich da sein. Und jetzt zum Thema Frühling, so kann es ja nicht weiter gehen. Heute kam mal wieder ein sehr netter Brief von einem alten ABB fan, der sich eine neue Gitarre gekauft hat und für seine grade neu geborene Tochter Clara, dieses Lied spielt. Mein Beitrag zum Thema März:

Gedanken unter dem Eis
(Fred Ape -1982)

Ich kann mich wieder freuen
über Knospen an den Bäumen
über Meisen in den Hecken
die die Wege säumen
wenn im Frühling erste Blumen
ihre Farben streuen
kann ich mich wieder freuen
wieder freuen

Ich freu mich auf die Sonne
die meine Haut berührt
wenn man nach heißen Tagen
einen kühlen Regen spürt
und hoch über den Wäldern
ein Bussardpärchen schreit
bin ich es der sich freut
wieder freut

Ich freu mich auf die Gräser
die sich im Winde wiegen
wenn wir bei Vogelstimmen
die wir raten richtig liegen
und schon an Blättern sehn
welcher Baum das ist
das hab` ich so vermisst
so vermisst

Ich freu mich auf die Stunden
im Gartenrestaurant
und auf das Fahrradfahren
zu irgendeinem Strand
die Nächte voller Wärme
und guter Musik
ich freue mich auf jeden
Augenblick

 

23.02.10
Deprimierendes Wetter. Aber egal. Man sollte froh sein, dass es überhaupt noch Wetter gibt. Und siehe, schon ist man wieder bei den Katastrophen. Die Rentnerschönheit im Atlantik, Madeira, ins Meer gespült, aber, Gott sei Dank, keine deutschen Touristen unter den Toten. Wofür ist das eigentlich wichtig? Aber die Bilder sind schon der Hammer, aber es gibt eine philosophische Auflösung, dann kann man sich aus allem raushalten: einfach nicht hingucken, dann ist das quasi gar nicht passiert. Schein und Wirklichkeit. Platons Höhlengleichnis. Quatsch, geht nicht. Es läuft aber viel rund herum und vieles davon nicht zu  meiner persönlichen Erbauung. Nehmen wir den Iran. Ich schicke voraus, dass ich am Samstag mal wieder bei einer „Solidaritätsveranstaltung mit dem iranischen Volk“ spiele und wo  u. a. auch meine „alte Freundin“ Claudia Roth spricht. (zumindest tut sie immer so wenn wir uns treffen, als würde ihr nichts schöneres passieren, als mich zu sehen - ich sag mal nix dazu) Nach der Lektüre meiner letzten Romane, wo es allesamt um die zukünftige Energieversorgung dieses Planeten geht, mit einer eindeutigen Analyse, dass die arabisch - moslemische Welt an ihren versiegenden Ölquellen einerseits und an Aufständen fundamentalistischer religiöser Fanatiker zerbrechen wird, und die Chinesen und Inder uns den Hals zu drehen, was sie sowieso schon finanziell machen, denn den Chinesen gehören schließlich die amerikanischen Banken. Und wenn USA, dann auch hier…ist ja alles eine Suppe. So und jetzt Iran. 80% ihres Sozialproduktes haben mit Erdöl zu tun. Da fragt man sich, warum die so heiß auf Uran sind. Das sind schwierige Fragen, aber letztendlich geht es den multinationalen Konzernen immer um die Ausbeutung und Sicherung der existieren Ölquellen. Dieser Energieträger kann auch in Zukunft nicht ersetzt werde, ganz einfach weil Öl von allen Energieträgern die höchste Effektivität bringt. Und mal ehrlich, wer glaubt in naher Zukunft, dass Flugzeuge mit Wasserstoff und Kernfusion fliegen werden? In so` n Ding würde mich nie rein setzen. Aber der Energiehunger der Chinesen ist da. Und die üben, weil ihnen ja schließlich über Beteiligungen an Banken, Energiekonzernen und sonstigen Multis , sowieso schon alles gehört, Druck aus, so dass Obama quasi nicht anders kann, als immer mehr GI`s in die Krisengebiete zu schicken, mit der Begründung, dass sie dann eher zurück kommen. Das hört sich alles ziemlich durcheinander an, aber wofür gibt es „Spiegel online“, da kann man das alles dezidiert nachlesen. Ich, um mal wieder darauf zurück zu kommen, habe mir für meinen Auftritt, ein paar Lieder zusammengesucht, die heute wohl kaum noch einer kennt, die aber mit einer Klarheit die Freiheit der Gedanken zum Inhalt haben, dass ich mich immer wieder frage, worum geht es heute in dem ganzen Textgewäsch mit ihrer Pseudolyrik (Silbermond, Naidoo, Ich & Ich, Rosenstolz, etc… alles Echogewinner, was immer das ist, aber so etwas kommt in den Nachrichten)?  Also Freiheit. Ich stelle mal ein Lied des viel zu früh verstorbenen Liedermachers Georg Danzer vor, welches auch Freiheit heißt, und alles auf den Punkt bringt. Ich höre mich eine wenig resignatief (ein Wort aus Resignation und Tief) an im Moment. Stimmt, aber das wird schon wieder, versprochen! Freiheit! Und danach eine Neutextung von „Lächeln im Krieg“ um das Thema „Öl“ noch mal aufzugreifen.

Freiheit ( Georg Danzer )
1.
Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo
Die Sonne schien, mir war um`s Herz so froh
Vor einem Käfig sah ich Leute steh`n
da ging ich hin um mir das näher anzuseh`n
2.
Nicht füttern, stand auf einem großen Schild
Und bitte auch nicht reizen, da sehr wild
Erwachsene und Kinder schauten dumm
und nur ein Wärter blickte grimmig und sehr stumm
3.
Ich fragte ihn, wie heißt denn dieses Tier
Das ist die Freiheit, sagte er zu mir
Die gibt es heut` so selten auf der Welt
Drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt
4.
Ich suchte und ich sagte, werter Herr
Ich seh` ja nichts, der Käfig ist ja leer
Das ist ja grade, sagte er, der Geck
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg
5.
Die Freiheit ist ein wundersames Tier
Und manche Menschen haben Angst vor ihr
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein
Denn nur in Freiheit kann die Freiheit, Freiheit sein

ÖL (Fred Ape 2003/2010)

Wenn der Himmel über dir explodiert
und die Sonne täglich dunkler wird
mit Terrorkommandos wird Zukunft jongliert
es geht um das Öl…

Wenn Wüsten verbrennen und Meere ertrinken
wo zigtausend Jahre Geschichte versinken
und kranke Gehirne in Kameras winken
dann geht es um Öl…

Die predigen Wahn und den heiligen Krieg
vor den Schafen predigt der Wolf
im Namen Allahs noch ne Bombenfabrik
Und der Sensenmann lächelt am Golf

Und die Welt die sich immer schneller dreht
und die Zeiten sind so, dass sie keiner versteht
doch wichtige Männer lächeln diskret
dann geht es um Öl…

Und wieder mal Lieder und wieder zu spät
Und Schweigeminuten zum ernsten Gebet  
zum tausendsten Mal vom Wind verweht...
Öl….

Die predigen Wahn und den heiligen Krieg
vor den Schafen predigt der Wolf
im Namen Allahs noch ne Bombenfabrik
Und der Sensenmann lächelt am Golf

Das Öl fließt als Blut durch die Adern der Welt
Ob Scheich oder Shell, es ist Freiheit, die fehlt
Sie pumpen und fördern die Gier um das Geld
Öl…

 

16.02.10
So, die tollen Tage  sind endlich vorbei, und ich als Vorsitzender des allgemeinen Karnevalshasservereins, kann mich wieder um andere Dinge kümmern.
Natürlich bin ich als Narrennegierer auch als Karnevalsflüchtling unterwegs. Nur leider bei extrem schlechten Wetter diesmal, trotz allem - eine Kleinigkeit war doch besonders in diesen Tagen. Es gibt ja auf dem Kampfstern (für Uneingeweihte: Mallorca) immer noch Plätze, Städtchen, Orte, da fühlst Du Dich extrem weit weg von jeglichem Tourischeiß.
Uns hat es so ein Städtchen im kalten Norden der Insel angetan, aber diesmal, wie gesagt, mit schwermütigen kaltem Nebel und ebenso kaltem Regen, so dass einem nichts übrig blieb, als sich mit einem guten Buch ins Bett zu verkriechen und abends die lokale Spanierkneipe aufzusuchen. Es flimmerte auch an diesem besonderen Abend, wie es sich gehört, tonlos und großscreenig Xerez gegen Real Madrid von der Wand, ein Spiel, welches die Königlichen haushoch gewannen, aber das nur nebenbei, und ich saß an der Theke und schlürfte Bier. Nun steht da Peter Maffay neben mir. Ganz ehrlich, ich wusste noch nicht mal wie man Maffay schreibt, am Ende mit ay oder ey, aber egal, das war auf jeden Fall Peter  Maffay.  Und er schien vollkommen ruhig und integriert in diesem spanischen Kneipenidyll, das war schon erstaunlich. Keine Hysterie, es waren ja auch kaum Deutsche da, aber eben ich. Was machst Du in einer solchen Situation? Manchmal denke ich mir auch, lasst mich doch alle in Ruhe, auch wenn man so scheel angeguckt wird, mit diesem wissenden Blick „ist das nicht dieser Ape…?“ und so, und na ja, ich wollte eigentlich auch nichts machen. Nun kamen da ein Haufen pubertierender Kids rein, und es zeigte sich, alle kannten Peter und ich ließ mich aufklären, dass er da so eine Stiftung ins Leben gerufen hat, wo man Infos unter der webadresse www.tabalugastiftung.de abrufen kann. Kids mit schweren traumatischen Erlebnissen, leben da in Wohngruppen, usw.. Alles erstaunlich. und endlich bin ich auch zu Peter und habe gesagt, toll, das mit der Stiftung. Er hat genickt und danke gesagt. Aber des Nachts hatte ich einen Traum: ich habe ihm meine Karte gegeben und ihn gebeten, mal meinen Song „Sie ist so jung“ anzuhören und ich würde ihm die Freigabe erteilen, wenn er den Song auf einer seiner nächsten Produktionen aufnimmt. Am nächsten Tag rief er mich an, und sagte, ich solle sofort in sein Studio kommen, und ihm das Lied noch mal vorspielen. Imponierendes Gelände, tolles Studio, aber dann hörte ich Peter mit seiner nölenden Stimme das Lied singen, und es kamen mir Zweifel. Ich sagte, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, aber er wollte es nicht anders. Und wie es der Teufel so will, das Lied wurde über Nacht zum Riesenhit und ich rechnete schon mit der einen oder anderen Mark, die so in der Zukunft auf mich zurollen würde. Wie der Traum zu Ende ging, und warum ich aufwachte, weiß ich nicht mehr – jedenfalls fand ich die Idee nicht schlecht und hätte es am nächsten Abend genau so gemacht. Aber kein Peter, nur FC Barcelona gegen Atletico Madrid und die erste Niederlage für die Katalanen. Schwermütig trank ich den Rotwein. Wissend, so eine Chance kommt so schnell nicht wieder. Aber wenn, versprochen, mache ich auch eine Stiftung.

 

09.02.2010
Letzte Woche ging bei uns die Heizung kaputt. Am Mittwoch früh irgendwann gab die Pumpe in der Gastherme ihre Arbeit auf. Eigentlich ein Unding, die letzte war erst drei Jahre alt. Aber darüber will ich nicht sprechen. Eher darüber, wie man hier, mitten in Europa, hilflos am Tropf hängt und abhängig ist von a) (Mikrokosmos) einem gutwilligen Sanitärfachmann und b) (existenzphilosophisch)der Erkenntnis, wie schnell einem die Luft ausgeht, wenn die wohlige Wärme nicht in allen Zimmern ankommt. Die Tochter kann nicht duschen, das kommt in dem Alter einer Hinrichtung gleich, und man müht sich, über teures Gerät wie Ölradiatoren und Heizlüfter, gegenzusteuern. Wie schnell aber auch alles kalt wird, vor allem in diesem Winter. Ich möchte das mal extrapolieren auf unsere Gesamtsituation: wenn da so eine Energieversorgung im großen Stil zusammenbricht, dann geht das Land heute vor die Hunde. Spinnen wir mal weiter, durch irgendeinen Umstand wäre auch die Stromversorgung weg, wären wir völlig am Arsch. Nichts würde mehr funktionieren, allenfalls die Kaminöfen der Reichen und Schönen, aber auch mit einem absehbaren Ende. Der Computer, auf dem grad dieses Horrorszenario beschrieben wird,  funktioniert nicht mehr. Tresore der Banken gingen nicht mehr auf, Menschen irren durch die Straßen, auf der Suche nach Wärme und Essen. Karawanen ziehen in den Süden, weil es da in der Erinnerung wärmer war, aber in Österreich und der Schweiz sind die Grenzen dicht, es wird scharf geschossen. Und so weiter. Nun, einen Tag später kam unser gutwilliger Sanitärfachmann und baute eine neue Pumpe ein. Ich nehme das ab sofort nicht mehr als selbstverständlich hin, nein, ich zeige sogar Demut. Ich komme immer mehr dazu, Dankbarkeit zu zeigen, dass ich eine Zeit erleben darf - und durfte - ohne Krieg, ohne Hunger und meist in freundlicher Behaglichkeit in der Nähe einer Wärmequelle. Aber wie relativ ist das? Auf wessen Kosten haben wir das alles? Auf welchen Rücken liegen wir in unseren warmen Betten und stehen morgens auf und der Kaffeeautomat funktioniert? Wow, das hört sich jetzt fast an wie eine Predigt. Vielleicht wäre ich ein guter Pfarrer geworden, aber ich glaube ja nicht an Gott, insofern schon wieder schwer. Aber eins ist immer und überall präsent und sollte uns zu denken geben: wir sind jetzt 7 Milliarden, davon alleine 1,5 Milliarde Chinesen und über eine Milliarde Inder.
Und überhaupt. Wenn die alle so leben wollen wie ich heute, dann war es das, und zwar sofort. Da wären wir in dem Zustand, den ich oben beschrieben habe: „Menschen irren durch die Straßen, auf der Suche nach Wärme und Essen. Karawanen ziehen in den Süden.“ Ist schon ein Ding, wenn man das alles zu Ende denkt. Oder? Muss dafür erst eine Heizung kaputt gehen? Ja, vielleicht im Kleinen.
Im Großen müsste auch was passieren, ich weiß nicht was, aber wenn, dann wird es brutal sein (müssen). Ich wurde in einem Interview gestern folgendes gefragt: „Hat der gereifte Ruhrgebietsindianer Fred Ape inzwischen gemerkt, dass man Geld oder zumindest das, was man damit kaufen kann, sehr wohl essen kann?“ Ich habe folgendes geantwortet und setze den Text mal hintendran: „Der Text von „Rauchzeichen“, auf den hier angespielt wurde, stammt aus dem Jahr 1976 und war nicht unbedingt einer meiner besten aber eben doch der Erfolgreichste. Natürlich könnte ich jetzt angesichts der Wirtschaftskrise sagen: „Seht mal, habe ich schon vor 35 Jahren von gesungen.“ Aber auch, wenn man gegen den Strom schwimmt, schwimmt man im Fluss. Du kommst aus den Mechanismen gar nicht raus. Natürlich habe ich auch ein Bankkonto. Natürlich gibt es auch in meinem Leben all diese Zwänge. Ich konnte immer von meiner Kunst leben und wir haben uns sogar inzwischen ein kleines Häuschen gekauft, das allerdings zu einem nicht unerheblichen Teil noch der Bank gehört. Ob bausparen indianisch ist? Ich weiß es nicht.“

Rauchzeichen
©Fred Ape 1976

Wenn ihr den letzten Baum zerstört,
Dem letzten Fluss die Klarheit nehmt,
Den letzten Wilden habt bekehrt,
Der letzte Vogel nicht mehr singt,

Die letzte Straße angekommen,
Der letzte Wald zum Parkplatz wird,
Der letzte Krieg endlich gewonnen,
Der letzte Strand mit Öl verschmiert ...

Werdet ihr erst dann einsehn,
Dass ihr euer schönes Geld
Auf der Bank nicht essen könnt
Welch Menge ihr auch nennt ...

Wenn ihr den letzten Fisch gefangen,
Die letzte Erde aufgeteilt
Die letzte Bombe hochgegangen,
Die letzten Ernten sind verseucht,

Die letzte Mutter Kinder liebt,
Der letzte Mensch durch Folter stirbt,
Der letzte Gott den Segen gibt,
Der letzte Hitler für sich wirbt ...

Werdet ihr erst dann einseh'n ...

Das letzte Mehr voll Abfall ist,
Die letzte Erde ausgehöhlt,
Der letzte Tanker langsam bricht,
Das letzte Paradies zerstört,

Die letzte Menschlichkeit besiegt
Das letzte Hochhaus hoch genug
Die letzte Lüge Beifall bringt
Die letzte Blume fault im Wind

Werdet ihr erst dann einseh'n, ...

 

02.02.2010
Tja, hört irgendwie nicht auf, dieser Winter. Und kostet mich echt Geld. Wenn Du in den zwei Stunden vor einem Konzert mit dem Veranstalter quatschst und während dieser Zeit das Telefon klingelt und es Absagen aus Wettergründen hagelt, dann ist das schon scheiße. Aber ich sagte letztens schon, der inflationäre Gebrauch des Wortes „Katastrophe“ ist eigentlich der Hauptgrund. Mit Katastrophen machst Du Quote und die Deutschen sind nach 65 Jahren Frieden wohl neidisch auf Katastrophen geworden. Dabei ist hier die einzig wahre Katastrophe die Politik und die allgemeine Verblödung. Aber das geht einher.
Kopfpauschale, wenn ich so eine Scheiße schon höre; wir schicken erst mal noch mehr Leute nach Afghanistan, damit sie alle schneller zurückkommen; es wird ernsthaft (von wem wohl?) die Veröffentlichung der Steuerverbrecher CD-Daten erwogen und zu guter letzt verliert der BVB, wenn auch verdient, nach langer Zeit mal wieder. Gut die Relationen stimmen nicht, zugegeben. Im Moment arbeite ich an einem Sommerprojekt in Dortmund, Juli bis September; in einem Spiegelzelt unter unserem neuen Dortmunder Kulturwahrzeichen, dem „U“, machen wir täglich ein Programm und die Liste der bisher verpflichteten Künstlerinnen und Künstler ist Topp! Popolskys, Knebel, Schmickler, Köhnich, Eckenga, Goosen, Malmsheimer und viele, viele andere mehr. Das Projekt wird www.RuhrHochDeutsch.de heißen und verheißt mir nach langer Zeit mal wieder einen richtig arbeitsträchtigen Sommer. Ist auch gut so, denn meine Konzerte finden meist im Herbst oder Frühling statt und entsprechend auch unsere Aktivitäten im Cabaret Queue und auf den anderen Bühnen. Noch mal zurück zum letzten Wochenende, ich war im Allgäu (Sonthofen), in Blaubeuren (schwäbische Alb) und in Rheinhessen. Alles nette Leute und liebe Freunde. Aber 1400km bei diesem Wetter, da wird man schon einsam. Meine Rettung war, und das lege ich jedem ans Herz, ein Hörbuch. Diesmal eine von meinem Freund Rudi Mika produzierte 10 Box CD mit dem Titel „Geschichte der Religionen“. Mit der Dauer des Hörens, merkst Du richtig, wie sich das Wissen und ein paar bisher belanglos rum liegende Wissensbruchstücke - nie abgerufen, weil nie gebraucht- im Hirn zusammenschweißen und sich alles neu ordnet. Du bist in der Lage, Judentum, Christentum, Islam (im Grunde alle drei aus Abrahams Ursuppe gekocht); den Buddhismus, Hinduismus, etc…. in deinen globalen Blick auf die Welt aufzunehmen. Und schon verstehst Du, dass jeglicher Fundamentalismus, der sich auf eine dieser Urreligionen beruft, krank ist. Eine wichtige Erkenntnis ist auch, dass Religionen nur existieren, weil wir Angst vor dem Tod haben. Wären wir unsterblich, gäbe es auch keine Religionen. Denn allesamt arbeiten die mit Verheißungen auf das Jenseits. Bescheuert genug, wer dran glaubt, aber wie gesagt, es ist gut zu wissen. Das wollte ich sagen - wer lange unterwegs ist, sollte sich Hörbücher besorgen! Und eins bringt so eine Tour auch noch mit sich: Zeit zu lesen. Ich habe einen Weltklasse Roman zu Ende gebracht (siehe meine Buchkritik in „Freds Bücherkiste“), der mich zu Tränen rührte: „Die Bücherdiebin“! Und wisst Ihr was? Gibt es auch als Hörbuch. Bleibt gesund!


Dieser lange Winter
©ape2010

Da steckt doch irgendwas dahinter             
Es ist so kalt und es ist nass
In diesem ewig langen Winter
Sind nicht nur Gesichter blass

Und ich warte auf die Wärme
Wann endlich grüßt das Murmeltier
In dieser Zeit macht gar nichts froh
War das früher auch schon so?
Ich will die Sonne endlich hier

Ich will vom Wetter nichts mehr hören
Minusrekord in Hiddensee
Das ganze Land erstickt im Schnee
Und Hamsterkäufe die verstören

Noch sitz ich trocken und im Warmen
Noch scheint das alles hier bezahlt
Doch bist du arm, allein und alt
Kennt hier niemand mehr Erbarmen

Dieses Land ist nicht zu fassen
An der Spitze Personal
Das würde man sonst überall
Als ungeeignet schnell entlassen

Diese Kälte, Schnupfen, Niessen 
Ich trag zu lang mein Winterfell
Bald seh` ich ockergelb und hell
Den Krokus durch die Erde sprießen

 

26.01.10
Richtiger Winter! Und obwohl ich erst am Donnerstag in Sonthofen/Allgäu meine kleine dreitätige Tour beginne, werde ich morgen, Mittwoch, schon losfahren, denn hinterher erwischt mich das Blitzeis, oder ich werde von einem osteuropäischen LKW mit blanken Reifen in den Graben geschoben. Komm, nicht unken. Ist schon anstrengend genug, die Fahrerei im Winter, wenn man nicht in den Urlaub fährt. Erfreuliches gibt es an der Fußballfront zu berichten: ich denke, ich übernehme mal wieder eine Art Trainerjob in meinem Verein. Der neue, für die nächste Saison verpflichtete, Trainer ist ein alter Sportskollege und Freund von mir, mit dem ich in der Jugend in diversen Auswahlmannschaften spielte und der nun unser Landesligateam in die Westfalenliga führen soll. Und er hat mich gefragt, ob ich nicht sein Assistent und Torwarttrainer sein könne. Ich will mal sehen, ob ich das unter einen Hut kriege. Ein paar Mark müssen natürlich drin sein. Man sieht, das Leben geht weiter. Trotz Klimakatastrophen, Afghanistan, Bankenzusammenbrüche und eine nie dagewesen Volksverarschung durch eine jämmerliche Politkasperregierung, und das nicht nur im Bund, auch in den Landesregierungen und den Kommunen. Ich frage mich schon seit Jahren, wie leidensfähig so ein Volk eigentlich ist, bei diesen Pappnasen und Lügnern, die auf Regierungsbänken oder in Abgeordnetenhäusern sitzen und nichts weiter als Lobbyisten sind?! Kein Kabarettist, auch nicht Pispers, Schramm oder Priol, so gut sie auch sind, bewegt irgendwas. Und ein (politischer) Songwriter wie ich, sowieso nicht. Alles ist Teil des Systems nach dem Motto, auch wer gegen den Strom schwimmt, befindet sich im Fluss. Politisches Kabarett hat seinen Platz wie früher bei der Lach- und Schießgesellschaft und die Großkopferten lachen sich tot, aber nicht nur über die gute Unterhaltung sondern auch darüber, dass das nichts bewirkt. Aber was bewirkt überhaupt noch was? Die Kirche? Hat schon immer versagt. Gott? Was soll das? (Haiti) Die Gewerkschaften? Kaum noch existent und in ständiger Rollenfindung. Die Grünen? Manchmal…. Die Medien? Nur Quote im Sinn, da bewegt sich das öffentlich - rechtliche Fernsehen wie ein manövrierunfähiger Tanker auf das Unterschichtenfernsehen zu. Der Fußball? Ja, das ist es! Das bewegt die Welt, hier muss man ansetzen. Fußball ist Integration, Fußball ist Aufklärung über verschwiegene Krankheiten wie Depression, Fußball ist Kinder- und Jugenderziehung zum Mannschaftssport, ergo Teamfähigkeit. Eine völlig vernachlässigte Komponente. Der Freizeitspaß der Kids heute ist monomedial, von einer unglaublichen Sprachverwahrlosung geprägt und vom dummdreisten Daherdösen der Mirdochscheißegal – Eltern, die ja eigentlich einen Erziehungsauftrag haben. Aber was für ein wunderschöner Tag ist heute!? Eine großartige Sonnen- und Schneelandschaft und es ist so kalt, dass sich auch mal das Spazierengehen durch die sonst schneematschverschmuddelten Städte lohnt. Aber noch schöner ist es im Wald. Ich möchte Schulklassen heute sehen, die durch den Schnee tapsen, Kindergärten die Rodeltage mit den Eltern organisieren, so einen Tag muss man ausnutzen. Und was will ich eigentlich sagen? Carpe diem! Freu Dich einfach, auch wenn alle bescheuert sind (außer Mutti)! Das Leben kommt mir manchmal so krank vor und dann ist es wieder toll. Vielleicht ist es dieser ständige Gegensatz, das ständig dynamische Leben zwischen den Polen „Scheiße und Schön“, der das Hirn am kacken hält. So, das war es für den Januar. Bleibt gesund! Wer immer dies liest. Kann ja auch sein, keine Sau! Aber ich, ich hab es geschrieben. Wie dieses Lied, das uns durch den Februar begleiten sollte. Zum Glück, geht’s dem Sommer entgegen.

Februar
©Fred Ape

Noch Winterschlaf, da regt sich was
Nicht nur bei Murmeltieren
Auch mir ist so als würd ich's  spüren
Unter mir wächst schon das Gras

Ein helles Licht, macht sich jetzt breit
Wird täglich, stündlich länger
In den Höhlen wird es enger
Und man ahnt die neue Zeit


Zu oft ist es noch bitterkalt
Die Nächte zum erfrieren
beim Zehen warm massieren
immer wieder sagen - bald

Ein Tropfen Sonne aufs Gesicht
Alles gut verreiben
Ein wenig sitzen bleiben
Und schon entsteht so ein Gedicht

 

18.01.10
Katastrophen – wie soll man damit umgehen? Vielleicht eines vorneweg: in Deutschland überhaupt von Katastrophen zu sprechen, z.B. bei dem jämmerlichen Wintereinbruch letzte Woche, ist schon bescheuert genug. Da gibt es ein „Bundesamt für Katastrophenschutz“ in Bonn und den deutschen Wetterdienst (DWD). Die rieten allen Ernstes sich „zu bevorraten“ (ALDI Jargon) um eine Woche durchhalten zu können. Wobei man doch in den nächsten REWE gehen kann, der hat Samstag bis 20 Uhr auf. Auch bei schlechtem Wetter. Nein, unglaublich, da war teilweise von „ausverkauft“ die Rede. (Wurst, Milch Brot & Hamster). Aber wir leben in einer Mediokratie, da geht es um Auflagen und Quoten. Und selbst der biedere WDR war sich nicht zu blöde, in ständigen Sondersendungen über das Schneechaos in NRW zu berichten und schoss sich, auf Grund von der Regie geplanten Dramatik insofern Eigentore, als die berichtenden Reporter an den vermeintlich neuralgischen Stellen, entweder sofort weg geschaltet wurden, nicht verstanden wurden oder hilflos in die Kamera guckten, weil sie nicht wussten, ob sie grad on air waren. Das war Kabarett, kann man vielleicht noch mal im Jahresrückblick sehen. Und jetzt zur Katastrophe die den Namen auch verdient: Erdbeben in Haiti. Schon nach den ersten Meldungen vermutete ich sechsstellige Todeszahlen. Ich vermag schon fast nicht mehr an Zufall glauben, denn alle Jahrhundert - und Jahrtausendkatastrophen die auf natürlichen Wege entstanden und entstehen, finden da statt, wo die Leute sowieso schon am Ende der Richterscala leben. Jetzt könnte man zynisch sagen, alles normal. Das sind physikalische unbeeinflussbare Gewalten. Aber bleibt da nicht die Frage, angesichts der Horrormeldungen über deutsche Schneewinter, dass sich da psychologisch was im Hirn des normalen Mitteleuropäers abspielt, nämlich so eine Sehnsucht nach (oder Neid auf die-) der Katastrophe? Um quasi der Eintönigkeit des Lebens was entgegen zu setzen? Und wenn schon das alles nicht mit den langweiligen geologischen Phänomenen in unseren Breiten funktioniert, dann macht man sich die Katastrophen eben selbst: Weltkriege, Tschernobyl, Klima, etc…. So ist der weiße Mann eben strukturiert. Es muss immer so etwas wie ein unten geben, sonst ist er eben oben nicht glücklich. Leben heißt Reibung, und da man sich diese nicht aus einem aus ständigen Katastrophen bestehenden Leben (außer vielleicht im Mikrokosmos der Kleinfamilie oder einer Ehe)holen kann, braucht es den Weltuntergang am Horizont. Ich glaube, diese psychologische Massenphänomenologie ist schon untersucht worden. Aber jetzt kommt wieder die große Frage: was tun? Die übliche von Kerner, Lanz oder Beckmann moderierte BILD/ZDF/ARD Spendengala gucken und fuffy raus tun? Ich weiß es echt nicht, Ich denke mal, eine ehrliche Adresse ist leicht zu finden, wird mein Leben aber nicht gewissensfreier machen. Was ist das für ein Glück, das wir hier in Deutschland leben? Womit habe ich das eigentlich verdient? Und warum bin ich so wenig dankbar dafür? Ich glaube, ich weiß warum: weil nämlich um uns herum die gleiche evolutionäre Gier herrscht, wie schon seit zigtausend Jahren. Und die Stellvertreter dieser, mit dem Mäntelchen der Demokratie umhüllten, Todsünde, sind eben die Politiker. Kriegen den Hals nicht voll und haben solche menschlichen Katastrophen wie Roland Koch in ihren Reihen, von dem ich (natürlich wieder mal nicht genauso ausgesprochen) zum xten Male höre, wer Arbeit will, kriegt auch welche. Also auch alle Hartz4 Empfänger. Das ist Zynismus pur, das sind die deutschen Katastrophen, die auch den Namen verdienen. Was rege ich mich auf, eine kleine Tour steht nächste Woche an: 28.01. Sonthofen/Allgäu, 29.01. Blaubeuren(Schw. Alb und am 30.01. In Bad Münster bei Bad Kreuznach.  Und an diesem Sonntag Nachmittag spiele ich einen gemütlichen Neujahrempfang bei einer Dortmunder Kirchengemeinde. Das Cabaret Queue ist voll bis ausgebucht, ein sensationeller Thomas Reis am letzten Samstag und in dieser Woche freue ich mich auf Frank Lüdecke. Auch auf Sonntag und  unseren „alten“ Kabarettmeister Reiner Kröhnert, mit „Das Jesus Comeback“ (Würde wohl in Echt zu einer Katastrophe führen. Würde ihm ja niemand glauben, diesem Jesus). Schöne Woche - Fred

 

08.01.2010
Jau. Durch! Und schon wieder steht ein Jahr an. Ich finde, es sieht nicht ganz so schlecht aus. Dies ist natürlich immer subjektiv geprägt und hängt von Lebensumständen ab. Man kann gar nicht oft genug betonen, in welch einer Phase des globalen Lebens, der gesellschaftlichen Entwicklung überhaupt, wir hier, mitten in Europa, im Moment stehen. Wir werden vielleicht eine der letzten Generationen sein, mit einigermaßen gesunden Zähnen. Spätere Paläontologen werden diese Ära als „dentales Zeitalter“ beschreiben. (Sofern es noch  Paläontologen gibt, die so etwas untersuchen) Nie wieder wird es so gesunde Zähne geben, und nie zuvor war der Zahnschmelz so dick. Im Gegensatz zum Eis auf den Pol - Kappen. Dafür wird sich langsam wieder die Narrenkappe aufgesetzt und ich muss mir ein Plätzchen suchen, um davon nicht belästigt zu werden. Karneval war nie mein Ding und ich will es auch nicht. Aber egal, jeder wie er will. Wir hatten einen unspektakulären Jahresübergang an der Südküste Hollands. Kleines Häuschen, super Freunde, gut funktionierender Herd, Kamin und genug Leseecken. Ich bin Schätzings „Limit“ angegangen, ein 1300 Seiten Wälzer und ich quäle mich im Moment rund um die Seite 700. Will sagen, die dicke eines Buches zeugt erst mal nicht von Qualität. Obwohl es sehr gut anfängt, wie immer bei Schätzing: exzellent naturwissenschaftlich recherchiert und mit einer seltenen Begabung, heutige Verhältnisse auf das Jahr 2025 zu extrapolieren. Ich werde irgendwann mal eine Rezi schreiben, die findet Ihr dann bei mir unter „Freds Bücherecke“ auf meiner homepage. Erfreulich die Entwicklung Im Cabaret Queue, gut gebuchte bis ausverkaufte Veranstaltungen jetzt schon bis Ende März. Dazu die Granaten Pispers, Knebel, Rether, die uns volle Häuser bringen werden. Gut, die Kulturhauptstadt 2010; ich habe mich schon öfter dazu geäußert. Wir müssen sehen, (ich muss sehen) dass wir 2011 auch noch im Rennen liegen, wenn die Großkopferten der Ruhrgebietskulturmaschinerie längst beim Bilanzieren sind und ihre Wunden lecken müssen. Anderes Thema! Gut, dass ich an diesem Wochenende keine Auftritte irgendwo habe – hinterher stecke ich in irgendeiner Schneeverwehung und warte auf ein heißes Getränk vom Tee HW. Deshalb heißen die wohl so. Schön ist, dass unsere nächste CD schon in der Abmischphase steckt – ein Konzeptalbum zum Thema Spielsucht. Sah ich doch in dieser Woche den relativ lustigen Film von Fatih Akin „Soul kitchen“ und auch hier kommt ein Spielsüchtiger (Moritz Bleibtreu), dramatisch und zum wiederholten Mal, zu Fall. Ich bin ja Pferdewetter, nun drei vier Mal im Jahr – ich liebe die Atmosphäre auf einer alten Galopprennbahn, wie Dortmund eine hat. Jetzt gibt es die Winterrennen auf der Allwetterbahn, da gehen nur noch die hardcore Wetter hin – ok, ich auch manchmal. Dieses Jahr wird einiges bringen: Abitur meiner Tochter, wer hätte das gedacht und diese und jene Pläne, die noch diffus sind, aber vielleicht mal Gestalt annehmen. Ich werde sehen, dass ich textmäßig am Ball bleibe, ebenso freue ich mich auf die Fußball- und Tennissaison – kann man sich kaum vorstellen, bei diesem Wetter jetzt. Viele runde Geburtstage von Freunden und Freundinnen stehen an, bleibt ja auch nicht aus. Alle zwischen 50 – und 60 jetzt. Der eine macht Riesenfeiern, der andere eine Kreuzfahrt. Wenn ich noch mal einlochen sollte, wüsste ich, wie immer, nicht, was tun!? Am liebsten wäre mir eine Weltreise mit dem Fahrrad. Bzw. irgendwas dazwischen, was immer das ist. Ich freue mich auf die vielen Treffen mit Freunden und bleibe neugierig auf das was ich sonst noch kennenlerne. Ich wünsche mir eine gesunde Familie, das letzte Jahr war ein ziemlicher Schock diesbezüglich, und dass ich mein Leben in Gelassenheit weiter wurschtele, so war es ja immer. Demnächst nehme ich wieder konkreter Stellung, versprochen; aber im Moment überwiegt noch der Neustart – die Latte an Monaten die vor uns liegt und die bewältigt werden muss. Ich freue mich auf Euch, wo immer ich Euch treffe. Ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2010. Fred (Im Nachtrag noch ein Gedichtchen, mit dem ich enge Freunde zum Jahreswechsel bedachte; etwas spät – aber immerhin nicht schlecht)

Weihnachtsgedicht
© Ape 2009

Winter, dunkle Jahreszeit
mal friert es und mal taut es
das Kind glaubt an den Weihnachtsmann
doch der kommt und verhaut es
 
Weihnachten, du stille Zeit
es kriecht durch Speiseröhren
Wein und Fett den Magen hoch 
um diesen zu entleeren
 
Sodbrennen zur Weihnachtzeit
da brennen nicht nur Kerzen
wenn` s in der linken Schulter brennt
verstopfen auch mal Herzen
 
Hat man die Schlachten überlebt
das Essen, mit Geschenken
wird satt ein Kirchgang angestrebt
der Armut zu gedenken

 

10.12.2009
So zieht das Jahr dahin und bald ist es vorbei. Im Dezember habe ich die Geburtstage meiner Mädels wohl ganz gut hingekriegt und Weihnachten, naja, bin ich nicht fan von, aber ich denke, ich brauche die Ruhe. Denn nicht nur, dass ich jetzt täglich in Castrop im satirisch – kulinarischen Zelt den Adventskalender öffne, mit einem sensationellen Programm (www.ab-ins-zelt.de), welches ich zusammengestellt habe und moderiere, nein, auch im Cabaret Queue ist der Dezember Großkampfmonat, mit 11 x Lioba Albus bei vollem Haus und am 21.12. Freund Jochen Malmsheimer noch in Schwerte. Kommt viel zusammen. Trotzdem lass ich mir meinen Fußball nicht nehmen; ein überraschend gutes Spiel des BVB gegen Nürnberg habe ich gesehen und am Sonntag schlugen wir spektakulär in unserer Kreisliga C den bisher noch ungeschlagenen Kirchhörder SC 6 : 1. Das mag jetzt niemanden im Süden der Republik interessieren, aber so was bewegt mich eben auch. Die CD Produktion kommt gut voran, ich denke der Teil, der mit Glück und Spielsucht zu tun hat, wird im April erscheinen, evtl. 10 Songs wie auch immer. Unten findet Ihr so was wie den Titelsong - sollte die CD einfach nur „Glück“ heißen. Den Text habe ich Montag geschrieben, überhaupt fühle ich mich im Stress besonders kreativ. Selbst Rudi hatte nix zu kritisieren, was selten vor kommt. Was ist die Bilanz des Jahres? Da sollte ich vorsichtig sein, es gab schlimme Momente, wo ich dachte, das Gefüge zerreißt, aber lebt man nicht immer mit dem Verdacht, nicht begreifen zu können, warum Dinge geschehen, wie sie geschehen, warum Krankheiten mit Wucht kommen und warum sie wieder gehen? (hoffentlich) Diese Welt ist ein Irrenhaus, im kleinen wie im Großen, die Klimawandelzirkuskarawane macht mal Station in Kopenhagen um demnächst wohl nach Timbuktu zu touren. In Dortmund wie im Bund ist Politik noch weniger Ernst zu nehmen als schon all die Jahre vorher, und ich dachte wirklich schlimmer kann es nicht kommen. Was bleibt, sind tatsächlich die kleinen Freuden; z.B., unsere Tochter Shari die jetzt Abi macht, was in meiner Familie überhaupt das erst Mal vorkommt. Tja, wir hatten ja nix! Also, ich will mich nicht beschweren, ich fühle mich einigermaßen fit und kann mir echt nicht vorstellen - bei dem Leben, was ich führe - irgendwas mit dem Alter zu tun zu haben, das in meinem Ausweis steht. Gibt’s ja auch beim Wetter, gefühlte Temperatur und Tatsächliche. Wer immer das hier liest, mir hat es jedenfalls Spaß gemacht, immer mal kurz zu reflektieren, worüber ich so nachdenke und es aufzuschreiben. Ist klar, dass das auch öffentlich ist, deshalb gibt es genug Gedanken, die ich gerne für mich behalte. Man muss auch Geheimnisse haben, oder? Ich bin auch kein Twitter Mensch, kein myspace junkie oder studiVZ user. All das geht mir auf die Nerven. Wie auch das momentane „Deutschpop“ in den Medien. Ich bleibe dabei, diese ganzen Namen wie Rosenstolz, Silbermond, Naidoo, Juli, Helden...können nicht nachhaltig texten, diese Bands nehmen allenfalls ihre Musik wichtig und stricken dann irgendein Gesülze drumrum, was sich alles anhört als würden es Nenas Enkel singen; und dann meinen die auch noch, dass man diese Texte tatsächlich Ernst nimmt, mit dieser Pseudowichtigkeit.  Was rege ich mich auf? Ist ein ganz anderer Planet. Ich wünsche Euch allen Gesundheit im neuen Jahr, und dass der eine oder andere Eurer Träume in Erfüllung geht. Viel Glück!

Glück © Ape 2009

Was ist Gewinn, was ist der Preis
was ist Erfolg und was ist Glück
Was ist Segen, was Triumph
Wer bleibt Sieger, wer zurück?

Wer hat Nutzen, wer hat Pech
Wer ist oben, und wer fällt
Wer zahlt bitter, was ist reich
wer ist arm und was ist Geld?

Wer bin ich, und wer bist du
Wer bist du und wer bin ich
Wer bin ich, und wer bist du
Ich suche dich und du suchst mich

Was ist jung und was ist alt
Wer ist müde und wer baut
Wer ist mutig, wer hat Angst
Wer ist leise, wer ist laut?

Wer kann beten, wer nicht mehr
Wer kann träumen, und wer lacht
Wer kann weinen, wer ist still
Wer hat zuletzt an dich gedacht?

Wer bin ich, und wer bist du
Wer bist du und wer bin ich
Wer bin ich, und wer bist du
Ich suche dich und du suchst mich

Wer ist weise und wer lügt
Was ist Ernst und was ist Spiel
Was ist Trauer, was ist Glück
Was zu wenig, was zuviel?

 

1.12.09
Heute beginnt der satirisch-kulinarische Adventskalender im Zelt auf dem Altstadtmarkt in Castrop Rauxel. Jeder Tag, Jedes Kalendertürchen bringt einen Künstlerkollegen mit, die ich meist schon im Frühjahr ausgesucht habe. Nicht dran zu denken, heute noch Dave Davis zu kriegen, der zwischenzeitlich mit dem Prix Pantheon und dem 1. Platz bei „Tegtmeiers Erben“ ausgezeichnet wurde. Weitere Namen: Murat Topal, Ingo Börchers, oder Senkrechtstarter wie Nils Heinrich, bewährte große Kollegen wie Christoph Brüske und Gernot Voltz, Deutsche Meisterzauberkunst mit Matthias Rauch, dann einen sensationellen „fool“ wie Hacki Ginda und zum ersten Mal dabei ein waschechter Póetry Slamer wie Michael Schönen. Und, und, und….. Viel Arbeit, ok, aber es wird sich für alle lohnen, dabei gewesen zu sein. www.ab-ins-zelt.de  Täglich ab 19 Uhr, wobei es sich rechnet, spätestens ab 18:30h das Zelt zu stürmen, denn dann gibt es evtl. noch gute Plätze. Es bleibt absolut geheim wer wann auftritt…einfach überraschen lassen. Mit 4 € inkl. Verzehr, ist das und bleibt das immer noch ein Vorweihnachtsgeschenk! Auch im Cabaret Queue wird uns Lioba Albus, eine Superkollegin, im Dezember das Haus 11 X vollmachen und heute Abend freue ich mich nach dem Kalender in Castrop auf Frank Goosen in der Rohrmeisterei Schwerte, ein „alter“ Kollege und mittlerweile ein gefragter Autor. Auch unsere Veranstaltung. Ihr seht, ich habe überall meine Finger drin, aber nichts geht über die Bühne selbst. Gestern z.B. ein lustiger Abend mit einem Haufen gibbeliger Krankenpflegeschülerinnen. Da musste ich meine ganze Witzepalette einstreuen. Aber auch wenn ich nach über 35 Jahren immer noch so eine Art Geheimtipp bin - damit lebe ich gerne, solange ich ein Auskommen habe. Mittlerweile habe ich auch rausgekriegt, warum ich nicht bis ganz oben durchgekommen bin. Es liegt an den fehlenden Feuerzeugen (habe ich vor drei Tagen geschrieben):

Feuerzeuge brennen für mich nicht
©Fred Ape 2009

Ich sang auf Bühnen, vor Tausenden und mehr
Und fühl mich heute ausgelaugt und leer
Ich schrie mir Herz und Seele aus dem Hirn
und wurde krank vom vielen komponier` n

Es gab auch Zeiten, kein Schwein wollte mich hör` n
Es schien fast so, als würde ich nur stör` n
Ich lebte immer nur für den Applaus
Und kam ’s ganz schlimm, fiel `n die Konzerte aus

Refr.:Ich kämpfte bitter, auf meinem Weg zum Ruhm
Muss heut erkennen, ich kann kaum noch was tun
Denn eines fehlte auf meinem Weg ins Licht
Feuerzeuge - brennen für mich nicht

Bei Robbie Williams gibt` s ein Flammenmeer
Was ich auch sang,  ich wollte sein wie er
Wenn schon nicht Robbie dann doch wie Reinhard Mey
Es ist schon hart, der Traum - aus und vorbei

(Bridge)
Wunderkerzen, Feuer, und man lebt
Die Künstlerwährung, die die Stimmung hebt
Und nicht das Geld, auch nicht die vielen Frau` n
Und bin ich ehrlich, heut sind` s nur noch die Grauen

Refr.:Ich kämpfte bitter, auf meinem Weg zum Ruhm
Muss heut erkennen, ich kann kaum noch was tun
Denn eines fehlte auf meinem Weg ins Licht
Feuerzeuge - brennen für mich nicht

So kam ich gestern müde vom Konzert
Im Kopf die Frage, ist es das noch wert
`drehte den Schlüssel und du stehst vor mir
Mit Wunderkerze, dafür dank ich Dir
Ich wünsche Euch allen einen schönen Dezember und wer in diesem Monat Geburtstag hat, alle meine Frauen im Übrigen, denen wünsche ich noch mehr. Vor allem Gesundheit. Wir haben in diesem Jahr einen ersten Kampf gewonnen. Andere nahe Freunde kämpfen auch und ich trage sie alle im Herzen. Wenn ich nur mehr tun könnte. So, jetzt nicht melancholisch werden, es gilt den Dezember zu meistern. Bis bald…. Fred

 

24.11.09
Komisch, habe ich doch in meinem letzten Eintrag von Wettbewerbsverzerrung gesprochen, schon ist das Thema in aller Munde. Aber das wollte ich so nicht, damit habe ich nichts zu tun. Aber durch diesen Fußballwettenskandal sieht man, dass die Welt nur noch von der Gier geprägt ist. Man fragt sich, war das immer schon so? Die Antwort ist eindeutig JA! Zu jeder Zeit gab es Weltuntergangsphantasien und „so geht’s nicht mehr weiter“ - Ängste, ausgelöst durch entweder klerikalem Wahn, unfähige, nur an sich selbst denkende, Politiker oder tyrannische Herrscher. Und in allem steckt die Gier. Eine der sieben Todsünden. Für die einen ist Gier das Streben nach fanatischer Erlösung, für mich auch eine Art Gier, für die andern ist Gier Ausbeutung der Menschen und der Natur. Was tun? Da bleibt nicht viel, ganz ehrlich. Das bisschen Leben dazwischen sollten wir möglichst so gestalten, dass wir uns von dieser Art Gier fernhalten. Doch auch unmittelbar, ganz in der Nähe, spürt man diese inhumane Verfassung, dieses nur an sich selbst denken. Ich kenne einen Lehrer, der, gut situiert mit großer Eigentumswohnung und beruflich erfolgreicher Frau, quasi aus Hobby, eine halbe Stelle inne hatte. Dann wurde er, leider, ernsthaft krank. So bis hier hin, so weit so gut. Jetzt geht er aber in vollem Bewusstsein zur Schulleitung um sich auf eine volle Stelle setzen zu lassen. Nach genau einer Woche meldet er sich auf Nimmerwiedersehen krank und bekommt als Beamter die vollen Bezüge. Von solchen Menschen hört man in letzter Zeit viel zu viel. Schlimmer noch: er posaunt es stolz herum! Sein Leben nach pekuniären Schlupflöchern auszurichten, um wen letztendlich zu schaden? Ja, guck in den Spiegel, dann weißt du es. Und dann noch das Mittelmaß beim BVB. Langsam fragt man sich doch, ist der BVB ein Kloppverein geworden? Kloppo zieht alles medial an sich, hält schützend wie eine Kinderschar die Hand tätschelnd über seine Jungs, immer wird umarmt, nach jeder Auswechslung – da sehnt man sich doch mal fast nach einem Klinsmanntritt in die Tonne. Nach einem Fanal. Es ist alles so „Platz neun – mäßig“. Vielleicht bin ich ungerecht. Jetzt kommt die sogenannte besinnliche Zeit, wo jeder weiß, dass diese genau das Gegenteil ist. Am Ende mal eine kleine Geschichte aus meiner Nachbarschaft, die ich im letzten Jahr genau so beobachtet habe. Macht es gut, bleibt gesund und lest mal die Kritik (auf meiner homepage/Presse) von meinem letzten Auftritt in Castrop. Da könnte man denken, der Ape muss wirklich gut sein. Aber hingehen? Och, heute Abend ist ja „Wetten dass…“ und den Ape, den kann man immer noch sehen. Dazu sage ich immer: jeder muss mal sterben, vielleicht auch ich.

Ein Licht aufgegangen   
Fährt man im Dortmunder Süden die Zillestraße in Höhe Wellinghofen, fallen in der Vorweihnachtszeit zwei von oben bis unten mit Lichtergestrüpp zugehängte Häuser auf. Überall zwängen sich Rentiere samt Schlitten durch Kamine, Weihnachtsmänner hängen an Dachrinnen und endlose Lichterketten strahlen und zittern in allen Farben. Man mag gleichmütig drüber weggehen, aber es ist schon vorgekommen, dass so ein Lichterstreit eskalierte und zur Sprengung eines Kohlekraftwerkes führte. Im ostfriesischen Stenkelfeld begab es sich, dass zu Anfang hier und da ein Kerzlein glühte, dann aber alles zu einem Weihnachtslichterkampf mutierte. Gegen Ende dieser eigentümlichen Geschichte, die als „Nachbarschaftsweihnachtslichtkrieg“ in die Geschichte einging, entflammte dann ein Oberst a. D., von seinem Garten aus, 90 aircraftlandinglamps, also diese Flugzeugscheinwerfer, aber hallo. Der ganze Ort war sogar vom Weltraum aus zu sehen und die damalige ISS Besatzung hielt das Licht von Stenkelfeld für den Weihnachtsstern und setzte daraufhin alle heiligen Könige in Bewegung. Als aber eines Morgens eine junge Studentin ihre Kaffeemaschine anschaltete, war es um das Kohlekraftwerk geschehen. Die auf Höchstlast laufenden Turbinen explodierten und das Licht in Stenkelfeld ging aus. Nun, das ist in Wellinghofen nicht zu erwarten, aber ich sage immer - wehret den Anfängen. Und warum das alles? Das erschließt sich mir nicht, es ist doch alles künstlich, es geht alles nur mit Strom. Ähnlich wie in einer Tropfsteinhöhle, die wird nur schön, wenn sie mit Lampen angestrahlt wird. Sonst ist alles zappenduster. Hier kommt die Philosophie ins Spiel. Z.B. ist Platons Höhlengleichnis ein Modell seiner Erkenntnistheorie, in der im Bereich des nur Denkbaren die Ideen das Wirkliche der Welt sind und die uns erscheinende Raumwelt nur Schattenbilder dieser Ideen darstellen. Aha, daher weht der Wind. Die Realität ist also der vorweihnachtliche Lichterzauber und das ganze Drama der Welt wird mit dem Blick auf die blinkenden Sterne kurzfristig, wenn auch nur im Augenblick des Vorbeifahrens auf der Zillestraße, vergessen. Stimmt, dafür lohnt es sich.

 

20.11.09
So, Bundesliga geht weiter. Spieltag 1 nach Enke. Quasi eine neue Zeitrechnung. Aber es geht auch anders. Meiner (Achtung: Satire) Meinung nach, kann man das Thema auch mal folgendermaßen sehen: nämlich Wettbewerbsverzerrung durch Suizid. Hannover 96 tritt nämlich ab sofort mit einem Ersatztorwart an, der dies auch sein Leben lang bleiben wird. Mit welcher Leistung auch immer. Psychologisch kommt dazu noch der Mitleidsfaktor der gegnerischen Stürmer, die, auch wenn sie treffen wollen, im Kopf blockiert sein werden. Ergo sind die Spiele von „96“ kaum noch zu tippen. Wir verlangen: Hannover runter von den Tippscheinen! (Gez.: eine noch anonyme westfälisch-bayrisch-schwäbische Tipprunde) So heute Abend nächster Auftritt: Bahia de Cochinos, Wittener Str. 122, Castrop Rauxel. 20:30h. Bleibt gesund!

 

18.11.09
So, die kleine Tournee war ziemlich anstrengend aber wohl nicht schlecht, wie ich aus den Kritiken entnehme, zumindest von meinem Konzert in Horb am Neckar. (siehe link „presse“) Auch viele nette und gute Freunde habe ich wieder getroffen, das ist ja eigentlich auch die Hauptsache. Ich habe wieder gemerkt, wie wichtig auch so weite Fahrten sind, also weg von Dortmund, und wie leicht mir das fällt, Geschichten und Blödsinn aus der Heimat zu erzählen. Gut, wenn sie zu dem anschließenden Song passen, ist es mir egal, ob die Leute das wirklich glauben, was ich so quatsche. Nun aber wieder nach vorne geschaut. Endspurt im Jahr, d.h., das Cabaret Queue wird wohl ab sofort bis Weihnachten sehr gut gebucht sein, und die Lioba Albus Strecke wird sogar mit 11 Terminen komplett ausverkauft sein. Das ist auch gut so, Die Vorweihnachtszeit ist immer noch die Zeit, finanziell aufzuholen und sich ein kleines Polster zuzulegen. Auch steht ab dem 1. Dezember wieder der satirisch - kulinarische Adventskalender in Castrop an, den ich jeden Abend moderativ eröffne und wo ich alle Künstlerkollegen ausgesucht habe. Täglich ab 19 Uhr. Viele Geburtstage stehen an, 3, 6, 12… 24, aber da habe ich im Moment vergessen wer da geboren wurde, der Heiland jedenfalls nicht. Mein Freund Rudi Mika ist ja Produzent von äußerst klugen Hörbüchern und auf der langen Regenfahrt vom Schwarzwald nach Hause, habe ich aus der 9er Pack CD von der „Geschichte der Religionen“ mal mit dem Christentum angefangen. Was ich sagen will, ich habe mit der Kirche nichts am Hut und ausgerechnet die, auch wissenschaftlich aufgearbeitete, Geschichte des Christentums kann einen nur bestärken. Lass es Jesus gegeben haben, jedenfalls geboren ist er nicht in Bethlehem und auch nicht im Jahre null. Er war und blieb immer Jude und war als Jude ein Prediger, der das Judentum selbst revolutionieren wollte. Alles andere haben entweder die Apostel (vor allem Paulus) oder sonst irgendwelche klerikalen Fälscher dem kleinen Revoluzzer angedichtet. Eben so wie sie es brauchten. Immer nach dem Motto, was nicht passt, wird passend gemacht. Und wir sagen, ja der Fisch (also die Menschen allgemein, deshalb haben ja viele den Fisch am Auto, anstatt „Atomkraft – nein danke“) ist eh blöd. Und weil ja auch schon immer nach Heil und Glück und ein himmlisches Leben nach dem Tod gesucht wurde und wird, hatten und haben es die eifrigen Missionare recht leicht, eine christliche Gemeinde um sich zu scharren die ziemlich schnell groß wurde. Mit all den Katastrophen heute. Das ist mein Wort, um die Adventszeit zu eröffnen. Es gibt auch schöne Sachen, mein Bruder Frank ist vorgestern 50 geworden und das wird am Samstag kräftig gefeiert. Die Umstände seines Lebens sind aber auch so, dass, wenn einer es verdient hat, seinen 50sten zu feiern, dann er. Denn, das kann ich ja auch hier mal sagen, Frank ist seit seinem 12. Lebensjahr ziemlich krank und es grenzt an ein Wunder, dass er noch so lebt wie er heute lebt. Jetzt kannst Du sagen, ja, was, das beweist doch die Existenz Gottes? Dann sag ich ganz pragmatisch, meinetwegen, auch das. Hauptsache Frank bleibt unter uns und steht noch ewig hinter meinem Tor wenn wir spielen und er versorgt mich mit Lakritz und Hanuta. Daran glaube ich, an sonst nix. Nächstes Konzert Freitag, 20.11.,  20.30h in Castrop Rauxel, Wittener Straße 122, Bahia de Cochinos. Hast la vista, companeros.

Für meinen Bruder Frank!

Gott sei dank, es ist Frank, wie? Der lebt ja immer noch!
Totgesagte leben eben immer länger,
und nach so vielen Jahren, ja, da wundert man sich doch
wie das kommt! Denn bei uns wird` s auch schon enger!
Die pure Lebenslust und seine Energie
die zwingt noch jeden Frust in die verkalkten Knie,
doch hat man ihn mal jammern gehört?
Oder hat er sich beschwert?
Wer ist denn hier nun krank?
Seht ihn an, hier kommt Frank!

Wenn andre Fußball spielen,  geht er Nieren spülen
danach fühlt er sich dann fit wie Schmitz` Katze!
und irgendwann, kein Scherz, schenkte er sein Herz
Katarina - mit ihr teilt er die Matratze
Und wenn er morgens blind, Medikamente nimmt!
Da fragt sich mancher doch, ob die Dosis stimmt!
Denn so ein Berg Tabletten, ja Frank,
Mensch, bist du noch zu retten!
Davon wird man doch krank!
Seht ihn an, nicht der Frank!

Und so wurde unser Frank, obwohl es nicht so scheint,
zum Philosophen und einer der ganz Großen,
denn er sagt dann "ja und",  wenn ein anderer grade meint
der Weltuntergang sei beschlossen!
Ich weiß nicht was ihr wollt, sagt Frank und grinst
es ist nicht alles Gold und manchmal stinkts!
Was soll denn noch passier` n?
Mal juckt` s, und manchmal wird man frier` n!
Was lernen wir von Frank:
was ist denn eigentlich "krank"?

 

12.11.09
Hey, (das finde ich immer eine schöne Anrede, so aus schwedischen Krimis , besser jedenfalls wie das ewige moin, moin, was ich jetzt eine Woche erleben durfte) ein Kurzurlaub auf Sylt ist zu Ende. Kurz, ein beeindruckender West-Strand, langweilige Orte, schöne Fahrradtouren und gute Strandbuden. Sogar die „Sansibar“ stand auf unserer Liste und ich muss sagen, unspektakuläres understatement, klasse Küche und nettes Personal. Mehr gibt’s nicht zu berichten. Außer das natürlich scheiß Wetter war, aber ist ja normal im November. Tja, November, Zeit der Depressionen. Licht wird weniger und die Schatten in den Köpfen länger. Dass ich selbst Torwart bin, hat wenig mit meiner Emotion zum Selbstmord von Robert Enke zu tun, eher, dass ich selbst mal, so als ich ca. 30 war, so einen seelischen Schnupfen erlebt habe, der mich vorstellen lässt, war Enke durchgemacht hat. Und vor allem, was für eine Energie das erfordert hat, Leistungen zu bringen und seine Krankheit aus Angst zu verstecken. Gestern war, vor dem Training und nach dem Training Enke das Thema. Das ist auch gut so. Und ich bin zumindest einigermaßen in der Lage, den Jungs zu erklären, was eigentlich passiert ist. Aber nur so den medizinischen backround, ist klar. Wahr ist auch, dass ich Sonntag, nach dem Spiel Hannover gegen Hamburg (2:2) gesagt habe, als Enke das zweite Gegentor klar auf seine Kappe nehmen musste, dass er vom ganzen Habitus eigentlich nicht der Nationaltorwart ist, den wir brauchen.  Nicht von der Leistung, sondern eher von der Atmosphäre die so ein Kahn, Lehmann, Adler, Wiese oder Neuer ausstrahlt. Diese Gedanken tun mir heute leid. Ich hoffe aber, dass durch diese Geschichte ein wenig Transparenz im Umgang mit dieser Krankheit erwächst. Die Zahl der Erkrankten in Deutschland liegt sicher irgendwo bei 6 – 10 Millionen. Mal eine Dunkelziffer eingerechnet. Ich weiß jetzt auch nicht, warum ich meine Gedanken in ...liebes Tagebuch schreibe, aber es bewegt mich eben. So, ich fahre heute mal wieder 4 Tage auf Tour, heute Abend, schwäbische Alb/Geislingen, dann Rottweil, dann Samstag Horb am Necker und dann noch am Sonntag in Schramberg in der Nähe von Rottweil. Bis nächste Woche und lasst Euch vom November nicht einschüchtern.

 

02.11.09
So, November! Die Zeit rast und ich weiß immer noch nicht, was ich von der Impferei gegen den H1 - N1 Virus halten soll. Mein Arzt sagt ja, ich solle erstmal anfangen mit der saisonalen Influenza Impfung, dann hätte man schon mal so einen Grundschutz. Reimt sich auf Mundschutz? Kann ich das für einen Text gebrauchen? Ich glaube nicht. Also erstmal an die Seite legen und beobachten, das Thema. Sowieso immer beobachten was so läuft. Viele von Euch wissen ja gar nicht, dass ich in diesem Jahr noch gar keinen richtigen Urlaub gemacht habe. Ich denke, jetzt ist es soweit; ab ans Meer, richtig an die Nordsee und vom Sturm den Bart rasieren lassen. Finkenwerder Schollen malmen, Krabbenbrötchen rund um die Uhr und Wanderdünenrennen beobachten. Jetzt ahnen die meisten: ich fahre nach Sylt. Zum ersten Mal im Leben – Sylt. Ich muss sagen, heute freue ich mich drauf, bei den Vorbereitungen flog mir schon mal von der Frau ein Marco Polo Reiseführer auf den Tisch, und ja, Sylt. Auch mal eine Alternative. Zumal ein Freund die Bleibe für Kleines zur Verfügung stellt. Vier Bücher habe ich mit für die Woche, zwei kleine Textideen, und ein paar Mark um vor die Tür zu gehen. Aus der Ferne den BVB beobachten, derweil ja das Spiel am letzten Freitag so ein Grottenkick war, dass ich mich schon wieder über die teure Dauerkarte geärgert habe. Überhaupt Fußball, die Pleite von Schalke bei gleichzeitigem Höhenflug in der Tabelle. Beim BVB stimmte wenigstens damals alles: schlechte Mannschaft, schlechter Tabellenplatz und quasi insolvent. Heute ist die Schuldensumme bei Schalke so hoch wie in Dortmund das Haushaltsdefizit. Ist das komisch? Hat das miteinander zu tun? Jede Kommune im Revier krebst blank herum aber Dortmund mit seinen selbstherrlichen „Genossen“ setzt allem die Krone auf. Da ist die Parallele. Es sind immer die gleichen gierigen Fürsten die das Schiff in den Untergrund treiben. Die einen wegen Eitelkeit, Gier und Selbstüberschätzung und die andern – auch. Würden wir die Führungsetagen Schalke (Fußball) und Dortmund (Kommune) gegeneinander auswechseln, es käme die gleiche Suppe heraus. Überall fühlt man sich jetzt aber auch so fremd, wenn man dieses Führungspersonal sieht. Ich will nicht drüber zetern, dass Westerwelle Außenminister ist, aber warum ist dann nicht Lothar Matthäus Verteidigungsminister geworden? Und ich werde das dumme Gefühl nicht los, dass ein Chinese Gesundheitsminister geworden ist. Die Chinesen, die Russen und die Emirate teilen sich im Moment die Welt auf, und wir haben nichts dagegen zu setzen, außer Schutzschirmmilliarden zu faken. Aber es wird gefeiert was das Zeug hält, nie habe ich so viele Veranstaltungen beobachten können, Musicals allerorten, jedes Kaff einen Musicaldom für das nächste vermeintliche Highlight, was uns als Kultur verkauft wird. Zirkusse, Theater, Events, Fressmessen, Comebacks von wem auch immer; neulich habe ich Cliff Richard gesehen, auch so ein getackerter Zombie, der sich auf ein Konzert in Köln freut. Und? Gehen Menschen hin? Ja! Und zu mir? Wie immer zu wenig. Aber ich habe gleichwohl das Gefühl, meine Leute sind nicht bekloppt, sondern die kommen zu mir, weil sie auch Pausen brauchen von dem unerträglichen Geplärre überall. Ihr seht, ich muss raus, ich kann nicht mehr, ich rege mich nur noch auf und halte es wie mein Freund Robert Griess, der für uns alle ein neues T-Shirt drucken will mit der kölschen Aufschrift „Isch bin für die Revollte“. So, musste mal wieder sein. Wer will, kann mich am 12.11. in Geislingen/Rätsche sehen, am 13.11. in Rottweil, am 14.11. in Horb am Neckar und am 15.11. Kulturbesen Schramberg/nördl. Schwarzwald, Junghans – Areal, wo immer das ist – ich werde da sein. Bleibt gesund!

 

25.10.09
An so einem Sonntag, nach einem Konzert in meinem eigenen Wohnzimmer – nur zum Verständnis, ich habe gestern quasi auf meiner eigenen Bühne, also im Cabaret Queue gespielt – bin ich doch froh, dass alles glatt ging. Und es war voll - nicht selbstverständlich in meinem Genre. Nicht das ich mir meiner Sache nicht sicher bin, aber es ist schon immer was anderes, vor Leuten zu spielen, die mich a) schon x-Mal gehört haben und b) vor Menschen die zum ersten Mal bei mir sind. Da gilt es eine Balance zu finden. Nun ist es ja so, dass ich immer mal wieder Texte schreibe, diese mit Rudi abgleiche, aber die Bühnenfassung sich meist ganz langsam durchsetzt. Doch gestern hatte ich mal die Chuzpe, einfach 8 neue Titel einzubauen. Auch wenn einige noch nicht ganz fertig sind. Wenn das aber moderativ charmant gelingt, dann passt das schon. Ein Stück, dessen Text mir Rudi endlich freigegeben hat (Ihr seht, so läuft es, Rudi ist mein Lektor) habe ich ziemlich verhauen, aber es war eigentlich das Lustigste gestern Abend. Hier geht es um eine vermeintliche Glückszahl, die vielleicht jeder irgendwie hat, so eine Art Lieblingszahl, dies Stück heißt „38“. Es gibt hier eine völlig abgedrehte Strophe, wo ich mich darüber auslasse, dass ich im Gegensatz zu den meisten Menschen, 38 Zähne im Mund habe, wobei 28 (plus 4) die Regel sind. Ich führte das dann auf einen vermeintlich toten Ast, also eine Sackgasse der Evolution zurück, bei der früher Affen durch den Wald gezottelt sind, mit 38 Zähnen im Maul und die alles nieder gefressen haben, was sich Ihnen in den Weg gestellt hat. An irgendwas haben sie sich dann die Zähne ausgebissen und sind ausgestorben. In der biologischen Paläantologie bekamen sie den Namen Zahnaffen. Und die sind dann in einem Affenzahn ausgestorben. Daher das Wort. Lustig? Gut, so spontan kam es gut rüber. Das sind so kleine Geschichten die ich erfinde, die dann mehr oder weniger zu einem Lied passen. Und das will ich eigentlich sagen: ein Liedermacher, der antritt auf die Bühne zu gehen, hat heute einfach unterhaltsam zu sein, auch wenn der Text, der dann kommt, noch so ein gesellschaftliches Drama beschreibt. Volker Pispers, analog dazu, schafft das mit Worten. Er beschreibt ein politisches Dilemma, dann fragen sich die Leute, da bin ich ja eventuell auch selbst dran Schuld, bekommen fast ein schlechtes Gewissen, und dann holt sie Pipers mit einem spaßigen „Plop“ wieder runter, und alles lacht befreit auf. Das ist Unterhaltung, wie sie sein muss, frei von Moral; und wenn doch Moral nötig, dann musst Du das mit einem komödiantischen Kleid ummanteln. Was gibt es die nächste Zeit zu tun? Schweinegrippe und neue Regierungskoalition. Ich sehe keinen große Unterschied: beides scheiße. Aber was soll es, wir müssen weiter machen - und mal sehen, dieses neue Kabinett ist doch eine Arbeitsgarantie für unsere Kollegen vom Kabarett. Wobei eigentlich klar ist, dass dieses Kabinett ja schon selbst der Gipfel des Kabaretts ist und da wird es schwer, noch was Lustigeres zu finden, als das was die ablassen. Ist nicht mein Ding, darüber Texte zu machen, meine Lieder werden auch diesen Fehlgriff der Evolution überleben. Und ich mit 38 Zähnen kann enorm Widerstand leisten. Zum Beispiel esse ich beim Kotelett immer die Knochen mit. Deshalb bin ich auch noch so fit. Jetzt erstmal zwei Stündchen Tennis und dann Fußball gegen Grashoppers Olpkebach; es kann sein, dass wir uns an denen wieder mal die Zähne ausbeißen, letztes Jahr habe ich da vier Buden kassiert. Hier also „36“, schöne Woche!

Meine Glückszahl
© Ape/Mika 2009

Refrain:
Meine Glückszahl, weiß ich,
ist die sechsunddreißig,
sie flog mir zu, ich weiß schon nicht mehr wann.
Sie ist mein Lebensmotto,
mein erstes Kreuz beim Lotto,
danach erst sind die andren Zahlen dran.

1.
Ich wohne, drei Mal raten,
in einem Haus mit  Garten
und Nummer sechsunddreißig steht am Tor.
Die Nachbarin macht fleißig
schon lang auf sechsunddreißig,
ich glaube nur, sie macht sich da was vor.

2.
Verfehl ich eine Flanke
Schrei` n die Rentner: "Schranke!"
bislang hielt man als Torwart von mir viel
nach sechsunddreißig Gegentoren
schien das letzte Spiel verloren,
und der Trainer nahm mich schweigend aus dem Spiel.

3.
Mir fiel es auf beim Gähnen
Was ist mit meinen Zähnen?
Ein Wunder, es sind sechsunddreißig Stück
wenn ich mein Maul aufreiße
und drohe, dass ich beiße,
weicht selbst der Dobermann vor mir zurück

4.
So seh ich die Minuten,
die schlechten und die guten
und wie die Zeit als Freund vorübergeht.
Muss es ein Ende geben,
dann hoff ich für mein Leben,
dass sechsunddreißig auf dem Grabstein steht.

 

14.10.09
So viel ich auch schon gespielt habe, ob vor 400 000 in Bonn auf einer Friedensdemo oder nur vor den anwesenden Sozialarbeitern in Kaiserlautern, es gibt immer noch neues zu erleben. Am Montag habe ich für ein Projekt das da heißt „Kunst und Kultur hinter Maueren“ vor 60-70 Knackis gespielt, die teilweise mit „lebenslänglich“ ein sitzen. Justizvollzugsanstalt Werl, ja, so was kommt auch nicht alle Tage vor und ich war extrem gespannt bis nervös, wie sich das alles ergibt. War aber am Ende des Tages eigentlich ganz unproblematisch und  ich bin am Ende des Konzertes - na ja, fast umarmt worden. Und bei einigen Songs fühlte ich beim singen, dass das, worüber ich hier getextet habe, auch komisch ankommen kann. Bei dem Song „Sie ist so jung“, kommt z.B. eine Textzeile vor, wo sich das Mädel, in diesem Fall meine Tochter, nicht vorstellen kann, dass es mal Wählscheiben auf grauen Telefonen gegeben haben soll. Auch als ich sagte zu irgendeiner anderen Sache, das steht auf meiner Internetseite, da brach höhnisches Gelächter aus. Zum einen konnte es tatsächlich sein, dass der eine oder andere schon zu Zeiten der grauen Bundesposttelefone mit Wählscheiben und einheitlichem Klingelton in den Knast gewandert ist, zum anderen, Internet - da dürfen die nicht dran. Fernsehen ja, Nintendo bis der Arzt kommt auch, aber sonst? Trotzdem, es war mal wieder eine Bereicherung, nicht im materiellen Sinne - es war natürlich Benefiz – sondern vom Horizont. Es gibt so viele Parallelwelten und so ein Knast gehört dazu. Außer dass ich mal Alcatraz besichtigt habe und ein paar Fußballspiele gegen Gefangenenmannschaften gemacht habe, war ich noch nie so nah dran. Und dann diese Herzlichkeit. Fast beschämend. Aber was bleibt ihnen übrig? Und außerdem von den 900, die da sitzen waren nur 7-8% da, aber egal. Ich weiß grad auch nicht, was ich noch sagen soll. Vielleicht dieses, vor allem an Kollegen: rein in den Knast und lest vor, jongliert oder erzählt einfach nur Witze. Es sind tatsächlich Menschen, die da vor einem sitzen, die alle mal Träume hatten, evtl. Kinder, Beruf und Eltern, die all ihre Hoffnung investiert haben. Und dann dieses jähe Ende, und eine Zeitabsitzung bis in alle Ewigkeit. Lähmend so was. Ich habe keine Lieder mehr darüber, es gab mal, ich kann mich gut erinnern, Knastlieder von und für Gefangene aus der Zeit, wo wir noch glaubten, alle Gefangenen seien irgendwie politische Gefangene, weil das System so ist, wie es ist. Darüber ist trefflich zu diskutieren. Mehr nicht. Ich habe am Ende des Programms ein Lied gespielt, dass der Situation vielleicht nahe kommt und es war mucksmäuschenstill. Eine Aufmerksamkeit, wie ich sie mir immer wünsche. Mehr habe ich heute nicht, nächste Konzerttermine: Samstag 17.10. Wuppertal, Bandfabrik und am 24.10. wieder im Heimathafen Cabaret Queue, wir sehen uns - bleibt gesund. Hier das letzte Lied: Grenzland

Grenzland
©.Text: Fred Ape

Gespült an irgendeinen Strand
Du klammerst dich an eine Hand
Jetzt trennt dich nur noch dieses eine Stück
Dein letztes Hemd, dein letztes Geld
Da ist ein Platz auf dieser Welt
Für dich und deinen kleinen Traum vom Glück

Es rinnen im gelobten Land
Träume durch die Hand  wie Sand
Und es ist längst zu spät um umzukehrn
Du hast mit deinem Blut bezahlt
Mit deiner Kraft, dem Mut geprahlt
Und bist dem Ziel doch noch genauso fern

Entwurzelt und vor dem Ruin
Und keine Spur vom Neubeginn
Nur acht Quadrat und vier Mal kahle Wand
Sprachlos und von Schmerz gelähmt
Verurteilt mit dem Worte: fremd
Und mit dem kalten Stempel: Asylant

Es rinnen im gelobten Land
Träume durch die Hand  wie Sand
Und es ist längst zu spät um umzukehr`n
Du hast mit deinem Blut bezahlt
Mit deiner Kraft, dem Mut geprahlt
Und bist dem Ziel doch noch genauso fern

 

06.10.09
Grad beim Friseur gewesen. Ich bin da traditionell, und geh immer in den gleichen Laden und habe es auch gerne, wenn man sich aneinander gewöhnt hat. Aber irgendwie ist es schon so, dass mich heute die Erkenntnis, nämlich, das gleich wieder das ewig gleiche Geseier über „Schon im Urlaub gewesen“ (Hallo? Es ist Oktober) „Geht’s denn in den Skiurlaub?“ „Da haben Sie aber ein Wetter mitgebracht“ „ Ja, ob die das jetzt da oben anders machen, ich weiß ja nicht“ „Es trifft sowieso immer die Kleinen“, „Die machen doch sowieso was sie wollen, da oben“ doch störte…alles geschenkt, die spulen ihr Programm ab, die Mädels. Und obwohl ich bei den ganzen Sprechblasen fast einschlafe, schaffe ich es doch immer noch zu explodieren, wenn es um etwa „man sieht das ja an den ganzen Ausländern“ geht. Dann schält sich der alte Revolutionär aus seinem Gedöse und fängt an zu diskutieren. Unglaublich wie schnell die wieder auf Linie sind, und mir recht geben. Nutzt es was? Nein. Aber ich habe mich an den entscheidenden Stellen gewehrt. Das muss auch draußen an der Front klappen, wenn bekloppte Hooligans durch die Stadt fräsen oder sonst welche arme Irre feige auf Wehrlose prügeln. Manchmal stelle ich mir meinen Mut vor, so als aufrechter Bürger, angstfrei und kühn geschundene Seelen zu verteidigen - ich muss aber sagen, dass ich selten in solchen Situationen bin. Ist es mein Instinkt? Ach wechseln wir einfach das Thema: unglaubliches passierte am Wochenende im Cabaret Queue: am Samstag nach einem öden September, endlich mal volles Haus, und was war? Der Künstler kommt nicht. Nicht zu erreichen, mailbox und AB liefen und die Agentur wusste von nix. So, nun bin ich ja nicht umsonst Fred Ape. Ich bin um 20 Uhr auf die Bühne und habe die handynummer des Künstlers bekannt gegeben, auf der ich ja schon seit 90 Minuten die Antwort bekam, „The person you have called…etc.“ im Wechsel mit deutsch. Dann habe ich den Leuten gesagt, sie sollen mal den Cabaret Queue flyer in die Hand nehmen und mit dem Finger bis zum 24.10. gehen. Und siehe da? Wieder ein Samstag. Und da würde ein gewisser Fred Ape spielen, und was soll ich Ihnen sagen? (so ich weiter…) Der Künstler ist heute hier und steht auf der Bühne, und hat sogar eine Gitarre dabei. Und da die Leute vom Queue eben Samstags. wie immer, gute Leute aussuchen, muss das, was jetzt kommt ja auch nicht schlecht sein. Ich habe angeboten, wer gehen will kann gehen, es sind auch 9 gegangen, die haben das Geld wieder bekommen, und dann war es ein wunderbarer Abend. Sonntag dann im Tor wieder eine unnötige Niederlage, 2:3 – ich hatte wenigstens, da bin ich ehrlich, Normalform. Es ist eben so, dass unsere Gegner 20-30 Jahre jünger sind, und nicht nur das, sie spüren, dass sie uns in dieser Saison verprügeln können und genießen das richtig. Aber mal ehrlich, es geht um Kreisliga C, tiefer geht’s nicht. So erfreue ich mich an unserem neuen Kunstrasen und hänge einfach noch eine Saison dran.  Und am Samstag kommt der Russe. Bleibt gesund, die Viren schwirren, die Bakterien backen und die Streptokokken kokeln. Die Nasen sind zu (ich empfehle hier „Soledum“) und ich selbst habe mit einem neuartigen Augen - Tinnitus zu kämpfen: überall nur noch Pfeifen. Vielleicht nutzt eine Diät was oder sogar „Fasten“ (hier ein Text, nicht ganz ernst gemeint – aber immerhin) Fred

Fasten!
Ape ©2009

Nach jahrelangen, wilden Sünden
Werd` ich ab Montag endlich fasten
Bin dankbar einen Grund zu finden
Und lass die Flaschen zu, im Kasten!

Denn im Urlaub und an Stränden
Sind Waschbärbäuche nicht gefragt
Und schon kitzelt`s  in den Lenden
Hab` Fett und Süßes abgehakt

Im Kühlschrank schimmeln die Pasteten
Die Currywurst wird auch gestrichen
Werd` dafür die Pedalen treten
Und fühle mich bald ausgeglichen

Zur Tagesschau gibt’s Möhrensaft
Zum Spielfilm muss es Wasser sein
Um kurz nach Zehn ist es geschafft
Ich schlafe wie ein Baby ein

Drei Wochen später auf der Waage
Sind satte dreizehn Kilo runter
Zum Urlaub sind` s noch ein paar Tage
Und meine Träume werden bunter

Das Bewusstsein weit und weiter
Der Körper frei von alten Schlacken
Ich seh’  das Leben wieder heiter
Und man kann so herrlich…. kacken!

 

01.10.09
Jetzt ist es also raus. Wir werden weiter von Merkel durchregiert und bringen Westerwelle tatsächlich dazu, unser schönes Deutschland außen zu vertreten.  Früher sagte man ja, „Nur die dümmsten Kälber, wählen ihre Schlächter selber“, aber nun gut, ich bin Demokrat und will mich nicht beschweren. Nur diese vielen Nichtwähler, da muss irgendwas geschehen. Ich hatte bei der Kommunalwahl auch schon mal gesagt, eine Wahlpflicht wäre eigentlich nicht schlecht, denn dann wüsste man, wie es um dieses Land steht. In vielen Köpfen der „Nichtwähler“ brütet bestimmt eine braune Jauche und ich bin der Meinung, die sollten sich outen. Wie anders geht das, als über Wahlpflicht? Hohngelächter über die SPD auf dem Weg zur Splitterpartei hilft da wenig, wenn der Großteil der Nichtwähler gar nicht auf meiner Seite -, sondern einfach nur doof ist? Man, man… schon wieder Oktober, die Todesanzeigen in den Tageszeitungen werden wieder mehr, denn psychologisch kommt jetzt die Zeit von denen, die meinen, es bis Weihnachten nicht mehr zu schaffen und verabschieden sich. Andere wiederum sagen sich, sie möchten noch dieses eine Weihnachten erleben und sind dann im Januar dran. So spricht der Bestatter im Herbst und im frühen Frühjahr von guten Geschäften. Ich hoffe ja, diese schattigen Zeiten mit meiner üblichen Nasennebenhöhlenentzündung zu überleben. Aber wer weiß? In diesem Monat, genauer am 15. Oktober jährt sich zum zehnten Mal (in Worten: 10) der Todestag von einem meiner besten Freunde. Peter Brinkmann starb auch vollkommen unerwartet und wir spüren sein Fehlen bis heute. Heute Abend im Fritz Henßler Haus, im Dortmunder Folk Club, werde ich den Song „Tschüss Pedda“ spielen, den ich eigentlich seit dem Abschiedskonzert für ihn im Dezember 1999 nie wieder gespielt habe. Wir sehen und hören uns… Fred

Tschüss Pedda
© Fred Ape
Nie mehr deine Stimme hör`n
nie mehr auf die Freundschaft schwör`n
nie mehr deine Lust auf mehr
das zu glauben fällt so schwer

Manchmal stehst du neben mir
manchmal kommst du durch die Tür
oft denk` ich, ich träume bloß
ich bin noch immer fassungslos

Dein Lachen klingt mir noch im Ohr
wir hatten doch noch soviel vor
deine Sonne wie ein Clown
wer soll die jetzt zu Ende bau`n ?

Nie mehr deine Hand zum Gruß
Nie mehr dein Gefühl vom Blues
nie mehr trommeln hinter mir
und kein Rat als Freund von dir

Manchmal dreh` ich dich ganz laut
manchmal hab ich`s schon verdaut
manchmal schaff ich`s irgendwie
nur verstehen, will ich nie

Dein Lachen klingt mir noch im Ohr
wir hatten doch noch soviel vor
deine Sonne wie ein Clown
wer soll die jetzt zu Ende bau`n ?

Ich werd bei -trotzdem weiter- wein`n
ich werd`mir deine Stimme leih`n
du wirst mir unendlich fehlen
ich werd` der Welt von dir erzählen

Und hat dich einer schon gefragt
da oben, wo man Sterne jagt?
da hast du, hoffe ich, gelacht:
ja, mit den Jungs hat`s Spaß gemacht

 

23.09.09
Herbst. Spinnenzeit. Überall diese Netze mit zum Teil monströsen Geschöpfen. Aus der Distanz schön anzusehen. Aber nah immer einen Schreck wert. Man fragt sich, woher das kommt, bis hin zu Panikattacken mit extremen Phobien, nicht mehr therapierbar. Aber, viele wissen es durch meine Vortragsreisen zum Thema: die Angst vor Spinnen ist normal. Sie ist in unseren Genen verankert, wie die Angst vor Höhen, Plätzen, etc. Nicht zu verwechseln mit sozial angeeigneten Phobien wie Waschzwang und Hygieneticks. Also wie kam die Spinnenangst in unsere Gene? Darwin gibt die Antwort. Als nämlich der erste kluge Medizinmann einer Steinzeitmenschenrotte seine acht Synapsen  mal zusammen hatte, erkannte er, dass seine Leute, immer wenn die vor Hunger überall dran packten was sich bewegte, zum Behufe des Verspeisens, gut auch daran zu Grunde gingen. (Wie die Neandertaler) Alles war ziemlich giftig in grauer Vorzeit. Kurz, diejenigen Stämme, die sich also mit Respekt dem Gekrabbel näherten, wurden eben nicht mehr gebissen und lernten so, sich besser fernzuhalten, und überlebten. Übergaben diese Erfahrung in Jahrhunderttausenden von Jahren immer weiter, und wir staunen heute darüber, was für eine Gekreische so eine achtbeinige Kleinigkeit auslösen kann. Heute dazu da, den Mann im Haus zum Helden werden zu lassen. Wann denn auch sonst noch? Es ist tatsächlich so, dass man als Mann meinen könnte, mit der Entfernung von haarigen Arachnoiden aus dem Schlafzimmer, käme der Lohn in Form eines Liebesbeweises der Partnerin gleich hinterher. Deshalb legen sich viele Männer mittlerweile Spinnenatrappen zu, die man stickum an die Wand kleben kann, und zack, eben den Held machen um dann ins Bett gezogen zu werden. So war das früher mit dem Drachen und der schönen Prinzessin - so ist das heute im Prinzip auch noch. Wir befinden uns als  soziokulturelle Wesen noch hoffnungslos in der Steinzeit und hinken dem technischen Fortschritt Lichtjahre hinterher. Das ist auch einer der Gründe von Vereinsamung und Zukunftsangst. Ich will jetzt nicht den Strich ziehen von einer Spinne zu dem letzten Amoklauf, aber an diesen menschlichen Katastrophen sehen wir, dass wir noch lange nicht so weit sind. Ich fühle mich sowieso im Moment im Netz gefangen: soll ich zur Wahl, oder nicht? Natürlich gehe ich, aber mit Wut im Herzen. Mein Kollege Schmickler formulierte es im WDR5 Radio heute Morgen exakt: Wählen gehen aber bloß nicht seine Stimme abgeben. Denn die brauchen wir noch, um sie alle nieder zu schreien.

Vor Spinnen gibt es kein entrinnen
Man zerdrückt sie diskret
Seit die Erde sich dreht
Die schwarz behaarten Dicken und die Kleinen
Ach, es ist schon ein Kreuz mit acht Beinen

 

16.09.09
Das letzte Wochenende hatte es in sich. Zwei Auftritte und der FC Bayern im Stadion, und eine Klatsche von 1:5. Verdient. Da muss Klopp jetzt aufpassen, dass die Jungs wieder Selbstbewusstsein kriegen. Das ist das A und O beim Pöhlen, die Psychologie. Wenn Du weißt, Du kannst das, dann geht es. Wenn Du zweifelst, verlierst Du. So ist das auch bei Auftritten. Der Gegner ist das Publikum und Du musst dir deiner Sache sicher sein. Ach ja, wem erzähl ich das. Gestern im Cabaret Queue eine WDR5 Veranstaltung, mit mehr oder weniger bekannten Szenekomödianten und selbst hier blieb das Publikum aus. Entweder ist der Schreck groß, wenn man nach dem Urlaub auf die Kontoauszüge sieht (ach ja, da habe ich noch diese Schuhe in Rom mit EC Karte bezahlt, oder ähnliche Dramen) und die Wasser Gas Stromrechnung, die dieser Tage ins Haus flattert, erinnert dran, dass es mal Winter gab und das wieder ein solcher bevorsteht. Nun, ich habe schon erwähnt, wir müssen dadurch aber dass ich mal so abhängig vom Weihnachtsgeschäft werde, hätte ich auch nicht gedacht. Gelassenheit ist angesagt, die Krise meistern. Gut, ich schaffe das schon, aber traue ich das irgendeinem Politiker zu? Etwa hier in Dortmund? Mitnichten und das ist die eigentliche Katastrophe: die schön gefakten Gesichter auf den Wahlplakaten mit den ständig gleichen Slogans „Deutschland kann mehr“(SPD) „Deutschland kann es besser“ FDP und so weiter. Man muss doch bescheuert sein, in dieser Bananenrepublik überhaupt noch bei einem Politiker, außer dass er für sich selbst sorgt, irgendeine Ahnung, zu vermuten. Aber, das war wohl schon immer so, mehr oder weniger, jetzt haben wir eben weniger. Augen zu und durch. In diesem Sinne Fred (Übrigens machen mich die vielen Klicks auf youtube ganz rasend. Sollten die „Songs an einem Sommerabend 2009“ mich noch zum onlinehelden machen? Egal, bitte weiter so)

 

09.09.09
Was für ein verrücktes Datum. Wahrscheinlich heiraten heute wieder ein Haufen Menschen, die dann, statistisch gesehen, in viereinhalb Jahren wieder geschieden werden. Hoffentlich ohne Kinder. Womit ich beim Thema bin: ich muss mich über alle Maßen entschuldigen, für meine, sagen wir, flapsige Ausdrucksweise, in Bezug auf das sehr zurückgenommene Verhalten von Reinhard Mey bei den „Songs“ (siehe Tagebuch 6.Juli). Heute weiß ich was los war. Ich bin in diesem Jahr selbst in einer solchen Situation, wo es wirklich um die Grundfesten des Lebens geht, die da auf den Punkt gebracht lauten: geht es weiter oder nicht. Gut, das Leben wird immer weiter gehen, aber mit wem? Seit diesem Wochenende weiß ich, dass Meys Sohn Maximilian im Wachkoma liegt, und das diesen jungen Menschen, lebensbedrohliche Krankheiten heimsuchen. Ich bewundere im Nachhinein die Kraft und die Souveränität, die Reinhard Mey, ausgestrahlt hat. Trotz dieser ungeheuren psychischen Belastung. Ich habe mich mehrfach dem Thema Leben und Tod textlich angenährt und bin auch familiär sehr belastet. Bei uns wird früh gestorben, mal knapp ausgedrückt. Unsere Tochter („Sie ist so jung“) hat nie Ihre Großeltern kennenlernen können, aus besagtem Grund. Aber es geht hier nicht um mich, ich will nicht ablenken, ich habe vorschnell (unüberlegt) auf die gewünschte Zurückgezogenheit von Reinhard Mey reagiert, den ich natürlich gerne näher kennen gelernt hätte (von wem habe ich die Liedermacherei schließlich gelernt? Er hat mein ganzes Leben in dieser Richtung mit geprägt) und ihm meine Geschichte mit ihm erzählt. Nun gut, ich hoffe, er wird verzeihen. Alles Liebe und viel Kraft für Reinhard Mey und seine Familie. Fred

 

6.09.09
So, gezz war ich Fernsehen. Am Freitag war auf Bayern 3 die Ausstrahlung von „Songs an einem Sommerabend 2009“ und ich muss sagen, ich war gut. Meine damalige Nervosität merkt man mir nicht an und ein freundlicher Mensch hat die beiden Lieder gleich in guter Qualität bei YouTube untergebracht. Da kommt man hin, wenn man www.youtube.de anklickt und dann Fred Ape sucht. Sonst war es  ein richtig hartes Wochenende, sowohl sportlich, veranstaltungstechnisch und von den Auftritten her.  Heute Abend, Sonntag, gibt’s dann die Entspannung. Mal gut essen oder was immer. Verrückterweise ist der September der Monat der rauschenden Feiern: irre viele Straßenfeste rund herum, Demos, Premieren und Museumsnächte, etc… da ist es schwer, unser kleines Cabaret Queue am laufen zu halten. Außerdem ist der September der Posturlaubsmonat und es gibt die Strom-, Wasser und Gasrechnung. Da ist mit Kabarett und Theater nicht viel. Da sind selbst 15€ zu teuer. Aber nach aller Erfahrung zieht es im Herbst wieder an und vor Weihnachten gehen alle wieder vor die Tür, so als würde morgen die Welt nicht untergehen. Und dann diese Wahlen….bei unserer Kommunalwahl haben 53% nicht gewählt. Ich meine was ist das für eine Nummer? Was sind das für Menschen? Hinterher verbirgt sich da eine Dunkelziffer von Idioten, Nazis und ähnliches Gesocks, wo wir nicht mehr einschätzen können, was die denken und wo der Zug hinführt?! Vielleicht wäre die Wahlpflicht doch besser: d.h., Es gibt die Pflicht zu wählen, und dann aber sagen was man wirklich will. Schnauze halten hat was von schweigender Mehrheit, das war schon immer scheiße. Ich will wissen, woran ich bin und nicht regiert werden von Leuten, die von 20% der Wahlberechtigten gewählt wurden (wie hier in Dortmund). Was rege ich mich auf. Aber nun ist noch Bundestagswahl. Da wird unsere gute alte Tante SPD vollends zur Splitterpartei. Das würde mir ja nicht leid tun, wenn sich da irgendetwas zusammenbrauen würde, auf das man sich freuen könnte. Aber nein, wir werden weiter von einem als Angela Merkel verkleideten Johannes B. Kerner regiert. Das ist nicht Hape Kerkeling, wie ich bisher vermutete, das ist Kerner; denn es ist genau diese Unverbindlichkeit, die dieses Land zerrüttet. Man kann auch alles totlächeln. Gut, genug gezetert, jetzt eröffne ich ein Autosalon (Volvo, das geht ja noch) und meine Gage ist ein Ölwechsel plus TüV Plakette. Ist doch was oder? Bis bald und bleibt gesund! Fred

 

20.08.09
Heißester Tag des Jahres. Stimmt bis hierhin. Aber wir hatten alles schon mal viel schlimmer, der Sommer 1994 zum Beispiel, da war es über drei Monate nahezu wie heute, und keine kinetischen Explosionen durch inversive Wetterlagen, mit Knallregen und Hammergewitter. Ein Text von damals (denn ist klar, von der Klimakatastrophe weiß so ein Seher wie ich, natürlich schon Jahrzehnte vorher) setze ich mal heute drunter:  Heimweh nach Schnee. Find ich immer noch toll. Einer meiner ersten ernstzunehmenden Texte zur Ökologie stammt übrigens aus dem Jahre 1976 (Auszug):

Mit Treibgas aus den Schönheitssprays
Den Menschgeruch zu töten
Töten wir den Strahlenschutz
Um unseren Planeten
Und rotten unsern Waldbestand
Bis zum Ende aus
So das der Regen nicht mehr fällt
Und alles wäre aus

Tja, ist lange her, und FCKW gibt es mittlerweile nur noch in alten Kühlschränken (hoffentlich) aber auch folgende schöne Textzeile (aus 1990)fällt mir in dem Zusammenhang ein:
Wir lieben die Stürme
In tropischen Wintern
Die Nordsee steht
In der Altstadt von Köln
Die Erde erstickt an der Scheiße von Rindern
Und an dem Geschwätz
Von denen die wir wähl` n

Komm keine Selbstbeweihräuchung! Wir Songwriter haben nie und werden auch nie die Welt retten können. Vielleicht machen wir sie ein wenig lebenswerter, wenn in unseren Konzerten sich Menschen treffen, die ähnliche Gedanken haben und wenn das Konzert dann gut ist, bzw. die Leute sich bestens unterhalten fühlen – was will ich mehr? Das Tagebuch gibt heute wenig her, Real Madrid war gestern in Dortmund und zog mal eben die Klopptruppe 0:5 ab.
War aber mal schön zu sehen, wie 500 Millionen Euros, vergegenständlicht als Fußballer, so nahe vor Dir rumlaufen. Kaka, Ronaldo, Raoul, was weiß ich. Einfach schön. Das Jahr taumelt so langsam dem Herbst entgegen und es wird gewählt, was das Zeug hält. Ich sage hier ganz ehrlich, ich gehe wählen und überall, wo ich die Gelegenheit habe, ob Kommunal-, Landtags oder Bundestagswahl, ich mache überall das Kreuz bei grün. Nicht dass das wichtig wäre oder meiner idealen Vorstellung vom gesellschaftlichen Leben entspricht, aber die nerven immer am wenigsten. Und solange sie hier in Dortmund gegen den Ausbau dieses jämmerlichen Flughafenprojektes sind, sind sie eben allemal wählbar.
Ach ja der Ruhri und sein Gebiet. Die Städte liegen einfach zu dicht beieinander und wollen trotzdem irgendeinen oder mehrere unique selling points haben. Jeder ein Konzerthaus, jeder ein Theater, eine Oper,  jeder ein Flughafen und den Traumanschluss für Bahn und Autos. Und gezz noch Kulturhauptstadt 2010. Heute standen die Zeitungen voll damit, dass es außerhalb vom Ruhrgebiet so recht keinen interessiert. Ist ja nur noch ein Jahr und es wird nix gebucht im Revier. Aber irgendwie, obwohl ich gerne hier lebe, kann ich mir immer noch nicht vorstellen, dass halb Europa ins Ruhrgebiet kommt. Warum auch? Und wir hatten sie doch schon alle da. WM 2006, das war der Hammer. Das wird durch keine Aktion mehr getoppt, egal was sich irgendwelche Kulturmagnaten noch ausdenken. Ich werde sehen, dass ich mit unserem Cabaret Queue Theater in dem Kulturhauptstadtjahr über die Runden komme und gnadenlos jede Werbeaktion mitmachen. Meinetwegen sollen sie auch mit uns werben, ist ja auch schön bei uns. So jetzt mal vor die Tür und ein schönes Pils. Vielleicht sollte ich die Gitarre mitnehmen und dieses wunderbare Lied aus der Ape&Feuerstein Ära singen. Wenn es so heiß bleibt, dann singe ich es am Samstag in Anröchte. Prost:

Heimweh nach Schnee

Im Winter blüh` n Palmen
und Tulpen verdorren in Amsterdam
kein Schnee auf den Almen, kein Wasser
es fließt nur der Schweiß
das Laufrad im Käfig steht still
die Luft macht den Hamster lahm
die Großeltern klagen und sagen
nie war es so heiß

Lauschige Nächte im Winter
wie damals in Griechenland
ein Schleppliftbesitzer im Allgäu
schluchzt still vor sich hin
Heimweh nach Schnee und Sehnsucht nach Frost…..
hat er nie gekannt
aber Eis gibt es nur noch
im kleinen Kaffee

Ein müder Propeller ächzt träge in drückender Schwüle
die Eisschränke kriegen das Bier
schon lang nicht mehr kühl
Durch Hitze und Staub brennt die Sonne
auf pelzigen Zungen
Und Autos versinken im Teer
der nicht hart werden will

Lauschige Nächte im Winter
wie damals in Griechenland
ein Allgäubesitzer im Schlepplift
schluckt still vor sich hin
Heimweh nach Schnee und Sehnsucht nach Frost…..

Lauschige Nächte im Winter
wie damals in Griechenland
Dem  Schluckspecht gehört das Cafe
doch unten im Tal
Heimweh nach Schnee und Sehnsucht nach Frost
Hat er nie gekannt
im Grunde sind Sommer und Winter
ihm völlig egal!

 

08.08.09
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht, aber ich bin sicher, beide sind den meisten von Euch, die das hier lesen, völlig schnuppe. Und womit? Mit Recht. Aber OK, ich sag es trotzdem, zuerst die schlechte Nachricht: ich kann heute beim Saisonauftakt vom BVB nicht im Stadion sein! Und gezz die gute Nachricht: weil ich zum gleichen Zeitpunkt in einem Endspiel eines Tennisturniers stehe: Endspiel heißt, mindestens 2. Platz. Und da gibt es 200€ für. Das erste Mal im Leben, dass ich beim Tennis Geld verdiene. Sport und Knete, dass ist mir nicht fremd, in meiner ganzen Jugend zwischen 18 und sagen wir 32 Jahren, habe ich beim Fußball Geld verdient. Am Anfang sogar Autos bekommen: ein wunderbarer Käfer vom VFB Altena (ich weiß sogar noch das Nummernschild LÜD –Y 415) später einen „Kadett“- ich will nicht klagen, so kommt man gut durch. Aber jetzt im „hohen Alter“ beim Tennis-  freut mich irgendwie. Nicht dass Ihr mich falsch versteht, es geht um ein völlig belangloses Vorortturnier, aber der Sponsor, ein Kaufhaus, tut eben eine Siegpremiere aus. Eine andere Saison fängt auch an diesem Wochenende an: das Cabaret Queue ist wieder on air und wir haben drei gut besuchte Veranstaltungen (je ca. 100) für Lioba Albus und Andrea Badey. Seit langem enge Freundinnen des Hauses und großartige Kabarettistinnen auf die man sich verlassen kann. Ein paar andere Vorverkäufe machen uns Sorgen, z.B. Uwe Steimle, der Vorzeige Ossi Kabarettist – ich kann allerdings verstehen, dass man den nicht unbedingt mögen muss. Anderes läuft wie Socke, zB. BASTA oder Volker Pispers und es ist verdammt gut, so einen klugen und dabei aufrichtig netten Menschen als Freund zu haben und ihn auch noch veranstalten zu dürfen. Ansonsten war endlich mal schönes Wetter und ich habe im Garten ein Buch zu Ende gelesen, das mich ziemlich umgehauen hat. Lest mal meine Besprechung auf meiner homepage (Freds Bücherkiste) zum Titel „Abendland“ von Michael Köhlmeier. Überhaupt  kriege ich wenig feedback zu meinen Rezensionen – gut, es ist ein Hobby von mir, aber ich nehme jedes Buch als ein Geschenk und nehme es ernst. Aber ich schreibe auch, wenn was scheiße ist. Nächste Woche ist Rudi Mika wieder da und wir werden dann zügig weitere Songs und Planungen in Angriff nehmen und ich denke das  20. Album wird im Frühjahr erscheinen. Bis bald und bleibt gesund. Nächster (ernstzunehmender) Auftritt von mir am 22.08. In Anröchte, Kabarett zum Gemeindefest. Ansonsten Termine runter scrollen. Man sieht sich.
4.08.09
Manches geht wirklich unglaublich schnell. Nach meinem letzten Eintrag schon wieder ein Monat. Sorry. Aber es ist auch nicht wirklich viel passiert. Außer die üblichen Beklopptheiten die jeder von uns kennt. Apropos Klopp, auf die neue BVB Saison freue ich mich allerdings. So langsam geht es jetzt aber auch im Cabaret Queue (mein Heimattheater für das ich u. a. auch für das Klein Kunst Programm verantwortlich bin) los und hier geben uns Bauarbeiten für einen künstlichen See (Phoenix See) wohl bald den Rest. Ich meine, ich mache medial den Aufruhr, der mir möglich ist und Bezirksvertretung und die Bezirksverwaltungsstelle Dortmund-Hörde ist auf unserer Seite, quasi eingespannt als unser Rechtsbeistand. Es gilt nämlich nicht weniger als sechs verschiedene Baumaßnahmen (mit unterschiedlichsten Planungsstäben, Ämtern, Büros und Verantwortliche) kritisch zu beäugen, denn wir werden des Gefühl nicht los, dass die untereinander auch kein Koordinierungsinteresse haben. Die Hermannstr. wird also die nächsten zwei Jahre durchgehend gesperrt, mal von oben mal von unten. Es gibt eine vorsichtige Zusicherung, dass das Cabaret Queue (als Anlieger) wohl immer zugänglich sei. Betrachte ich mir aber mal genauer, was in den nächsten Jahren hier los ist, kann man auch gleich dicht machen. 1. (Liegenschaftsamt) Häuserabriss der oberen Hermannstr. (für freie Sicht auf den See und für den "Boulevard Hermannstr.) 2. (DEW21) Straßenaufriss für neue Kabel und Gasleitungen plus (Tiefbauamt) Fahrbahnerneuerung, und 3.DSW21 Kanalarbeiten; 4. (Emschergenossenschaft) Offenlegung des Hörder Bachs als Renaturierungsmaßnahem und Kanalarbeiten für die unterirdische Emscher, sowie Rückhaltebecken, etc...5. (PhoenixSee Gesellschaft) Der See selbst und was sich sonst noch tut, ich will es gar nicht wissen. Fakt ist, dass die oberste (Heeres-) Leitung vom Phoenixsee, vom Cabaret Queue bisher gar nichts wusste.  Allen anderen ist das Theater sowieso schnuppe, ach, was rege ich mich auf. Wir wollen sehen, was draus wird. Ich hoffe natürlich, dass unsere Besucher ähnlichen Wirbel veranstalten, wenn mal der Weg zum Theatereingang durch Baustellen verwehrt ist. Ansonsten erleben ich eine große Nachhaltigkeit von „Songs an einem Sommerabend“, nächste Woche mal ein Stündchen „Dortmund – Extra“ in unserem lokalen Radio und so dies und das. Überall gibt es jetzt Gedicht - und Lyrik Wettbewerbe zum Thema „Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010. Jedes Anrainerstädtchen will sich positionieren, Literatur Büros überschlagen sich und Künstler stellen ausgefallenen Ideen zur Verfügung. Zum Beispiel eine 40 KM Sperrung unserer Aorta, die Bundesstr. 1, für einen ebenso langen Tisch. Jeder kann da was machen, ich habe mich mit ein paar Freunden gemeldet, alles findet statt am 18. Juli 2010 und wenn ihr an Dortmund vorbeikommt, werdet Ihr mich evtl. singen hören. Natürlich kann man sich all dem nicht verschließen, ich arbeite mit dem Cabaret Queue eng mit einem weiteren Dortmunder Theater zusammen (Fletch Bizzel) und wir gestalten im nächsten Sommer unter dem neuen „U-Punkt“ - ein weiteres (hoffentlich nicht) Luftschloss unserer politischen Leistungsträger, die schon so oft mit ihren Planungen auf die Fresse gefallen sind - drei Monate große KleinKunst und haben eigentlich schon alles engagiert, was da hingehört, Knebel, Schmickler, Popolskis, Eckenga, Albus, Bender, etc…. Vielleicht sieht man sich auch da. Ach, ja, es gefällt mir schon hier, …komm ein kleines Gedichtchen für meine Heimat, habe ich letzte Woche geschrieben. Bis bald und bleibt gesund. Fred

Hör zu, Bayer! © Fred Ape

Plätze, Parks und Gärten
Der Sommer in der Stadt
Es gibt auch Wasserschlösser
dahin fährst du mit dem Rad
wir haben blauen Himmel
wenn du willst in der Nacht
und haben, nur für dich,
die letzte Zeche zugemacht

Es gibt gnadenlose Biere
Dazu Kneipenkultur
und wunderbare Wege
von der Lippe bis zur Ruhr
von Duisburg ganz im Westen
über Dortmund bis nach Hamm
Du kannst es selber testen
Ich mach dir das Programm

Und halt mal deine Schnauze
Von Isar, Ammersee
Ich hab nichts gegen München
Und auch nichts gegen Schnee
Doch wenn du schon mal hier bist
Dann sei auch bitte fair
Ich weiß, dieser Kanal
Ist nicht das Mittelmeer

Dafür bewegt mich täglich
Dieses Leben, dieses Lied
Der Sound auf diesen Straßen
Die Kulisse, Ruhrgebiet
Ich gönn dir deine Alpen
Lass du mir meine Stadt
Ich lebe gut und gern hier
Und noch macht sie mich satt

…Ich gönn dir deine Alpen
Lass du mir meine Stadt
Auch wenn man es mit Dortmund
Nicht immer einfach hat…

 

6.07.09
Freundinnen und Freunde! Songs an einem Sommerabend 2009!!! Es war einfach überwältigend, rührend und bewegend. Und ich mittendrin! Mittwoch war ich vor Ort, im Kloster Banz, Bad Staffelstein. Das Kloster blickt majestätisch auf das Obere Maintal, ein imposanter Ausblick der noch schöner wird, wenn man auf der Zuschauerwiese sitzt, und das Kloster im Hintergrund hat;  dazwischen die Riesenbühne mit drei Ebenen und vier Licht und Kameratürmen. Da wurde mir echt mulmig, auch nach all den Jahren auf der Bühne. Allerdings waren die Wetteraussichten so schlecht, wie überall in Deutschland. Aber irgendjemand hielt die Hand über uns, denn obwohl der Himmel ringsherum explodierte und eine Saunaschwüle herrschte, blieben Bühnen und Tribünen an beiden Tagen trocken. Trotzdem wurde uns am Freitag, aus Respekt vor den Wetteraussichten, ein Lied gekürzt – und  das Programm gestrafft, weil die Regie ja noch vor dem ersten Gewitter gute Bilder haben wollte. etc. An beiden Tagen je 5000 Leute die auf dem Berg ankamen wie Wallfahrer, und die sich ca. 6 Stunden vor Einlass vor dem Eintrittsbereich stellten oder legten. Eine endlose Schlange ins Tal. Um 19 Uhr dann das Konzert der Nachwuchspreisträger, wobei ich mich mit Matthias Reuter, den ich ja auch schon lange kenne und einem Südtiroler Songwriter namens Dominik Plangger, die ganzen Tage bestens verstanden habe. Diese Freundschaft, das weiß ich jetzt schon, bleibt nachhaltig. Die beiden haben mir sowieso auch bei dem Vorkonzert am besten gefallen und ich konnte Dominik, der zwar ein exzellenter Sänger ist, aber die Ansagen am ersten Tag versemmelte, ein paar gute Tipps geben. Ab ca. 20:45h dann das Konzert selbst. Perfekt durchorganisiert durch ein Rudel hochkompetenter Mitarbeiter des Bayrischen Rundfunks. Kamerastellungen waren routiniert lange genug getestet und der wunderbare Bodo Wartke, dem ich schon vor 10 Jahren eine große Zukunft prophezeit habe, eröffnete moderativ und klanglich den Abend. Fünf Jungs aus Franken, a-cappella mit Namen VIVA VOCE, waren zu Recht dort, nicht nur weil sie local heroes sind-, sondern auch noch sehr gut und locker. Der Höhepunkt ihres Auftritts war das gemeinsame Stück mit Bodo: „Ja Schatz…“. Super. Und dann schon ich. Ich mache es kurz: ich hab es gut geschafft, nein, sogar mehr als das, alles sangen bei „Kernerland“ mit und mit „Sie ist so jung“ habe ich eh einen Klassiker in der Hinterhand. Aber ehrlich? Mir fiel ein Stein vom Herzen, ich kannte mich gar nicht mehr so nervös. Dann Schlag auf Schlag: Andrea McEwan, harmonisches Songwriting aus down under, sie ist auch schon mit Katie Melua aufgetreten, dann die typischen Volxmusik- Vertreter, IRISHsterisch, mit einer Mischung aus Fiddle und Zitter, Polka und reels. Auch alles nette Menschen; nach einem Wartke Solo dann Reinhard Mey, auf der Bühne ein Klassiker, sein Song „Männer im Baumarkt“ einsame Klasse, hinter der Bühne allerdings eher abgeschirmt und etwas naja, ängstlich? Ganz anders Konstantin Wecker, seine Auftritte mit Band waren jedenfalls das Größte und Bewegenste und auch das politischste. Am Ende alle zusammen, klar: „Gute Nacht Freunde…“ und ein Lichtermeer aus Wunderkerzen und Feuerzeugen. Halt Gänsehaut. Und ich wusste, ich war seit langer Zeit mal wieder bei einem Konzert mit den ganz Großen dabei. Und alle haben mir versichert hat: „Zu recht“! Auch CD Verkäufe und erste Reaktionen per mail sind ein schönes Indiz. Ich bin stolz, dass ich dabei war, und freue mich auf die Ausstrahlung im Bayrischen Rundfunk (BR3) am 4. September 22:30h. Es ist so, als wäre ich in eine große Familie aufgenommen worden, so als alter Onkel – lange in Übersee – aber gleich mittendrin. Ado Schlier vom bayrischen Rundfunk (-ex) für dieses Festival verantwortlich ist der unermüdliche Kämpfer für die Qualität des Songs – man muss ihm ewig dankbar sein. Und auch seiner Frau Monika, vom „Studio für Veranstaltungen“ – die eiserne Lady im Hintergrund; ohne sie und ihrer Logistik, wäre das alles ein Desaster. Dazu ein Supermonitorteam und exzellente PA- und Lichttechnik. Das es abends immer lange wurde, versteht sich von selbst und alle waren eben dabei – außer Reinhard Mey! Zack – schon wieder ein Reim! Bis bald und schönen Sommer

 

29.06.09
So langsam wird es ernst und ich kann nicht verhehlen, dass ich ein wenig aufgeregt bin. Nach 35 Jahren auf der Bühne, wenn auch mit allen möglichen Erfolgen und Menschenmengen, aber auch mit dem genauen Gegenteil, ist mir dieser Auftritt n diesem Wochenende doch sehr viel wert. Reinhard Mey und Konstantin Wecker, sind Liedermacherinstitutionen und ihr legitimer Erbe, Bodo Wartke ist auch dabei uns wird moderieren. Dazu noch mehrere andere Gruppen und Künstler auf die ich mich freue, Bad Staffelstein in Oberfranken „Songs an einem Sommerabend“ und ich hoffe, es wird genau so cool wie es sich anhört. Ich habe fünf Songs ausgesucht, wobei die ersten drei „gesetzt“ sind – und bei den evtl. Zugaben, muss ich mich noch entscheiden. Ich habe heute mal die Moderationen aufgeschrieben – in meinem Job als Liedermacher und Musikkabarettist sind die „Ansagen“ auf der Bühne genauso so wichtig wie der Song selbst. Wer dies liest, kann mir ja mal eine Rückmeldung geben. Auf fred.ape@arcor.de bis Mittwoch Mittag. Denn dann fahre ich los. Bleibt gesund – ich melde mich nächste Woche und erzähle ehrlich, wie es war. Drückt mir die Daumen. Hier die Moderationen, die Songtexte sind unter dem link „Texte“ zu finden auf der homepage, auf der Ihr grade weilt.

Gut versichert, Moderation
„Die Abstände zwischen Jahrhundert- und Jahrtausendunwettern, reduzieren sich immer mehr – quasi auf Wochen - und man sucht dann verzweifelt nach neuen Superlativen, um Namen für diese Katastrophen zu finden. Schnell bei der Hand ist man bei den Versicherungen, die kurzerhand den Begriff „Elementarschäden“ für diese Überschwemmungen  und Megaorkane eingeführt haben, die da so manches Städtchen in Sintfluten ersticken lassen und Dächer, Brücken und Bäume wegreißen. Das kannte man bisher nur aus Indien. Elemente: das hat doch was von Wasser, Luft, Öl. Ach nee, das war an der Tankstelle. Egal. Jedenfalls - wer sein Häuschen nicht versicherungstechnisch teuer upgedatet hat, also inklusive Elementarschäden,  ist im wahrsten Sinne des Wortes arm dran. Ich hoffe, hier sind alle „Gut versichert“ und so heißt auch diese kleine Geschichte, die ich, zumindest in Ansätzen, selbst erlebt habe!“

Kernerland, Moderation
Vielen von Euch sind vielleicht die Aufnahmeanträge am Eingang zum Kloster für meinen, im letzten Jahr gegründeten, Verein aufgefallen. Wenn die schon vergriffen sind, kein Problem, ich habe genügend Anträge dabei, als PDF gespeichert auf meinen CDs, und die kann man ja hier überall kaufen habe ich gesehen. Nun, der Verein heißt  offiziell: „Verein für die Entkernifizierung des Fernsehens e.V.“ und hat seinen Sitz. Also es geht um Johannes Babtist Kerner. Jene ZDF -Allzweckwaffe die uns nahezu täglich und rund um die Uhr angrinst. Und wenn nicht, dann macht er bestimmt grade Werbung für Bocklünder Würstchen, die Bild Zeitung oder die FDP. Da kommt viel Unheil zusammen. Ich hatte mein erstes echtes Problem mit Kerner, als es ihm, wie bestimmt niemanden jemals zuvor, gelang, an einem einzigen Tag im Sommer 2008 in Peking von der Olympiade zu berichten und gleichzeitig ein Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft aus Nürnberg live und vor Ort  zu kommentieren. Und fortan zweifele ich an solchen Begriffen rum wie Zeitverschiebung und Zeitzonen. Sollte dieser Kerner in der Lage sein, auch das wegzufaseln? Mit mir nicht: ich bitte solidarisch einzustimmen. Ich gebe vor Kerner: und ihr zählt innerlich mit…2, 3,… Johannes B. Kerner. Und los geht’s, Und ich will euch alle hören.

Sie ist so jung, Moderation
Wenn ich mich hier so umgucke, hier sind auch viele Ältere. Ich will das gar nicht werten, aber eins ist uns wohl allen gemein: die meisten haben die Pubertät ihrer Kinder überlebt. Sonst wären sie ja nicht hier. Und wenn die Kinder ihre Pubertät auch einigermaßen überstanden haben, dann ist  ja alles ok. Bis dahin ist es aber ein harter Ritt. Z.B. bei meiner Tochter, die auch in diesem kritischen Alter war, also von 0-18, und wo ich manchmal dachte, bis hier hin und nicht weiter. Aber es ging immer noch weiter. Und trotzdem ich möchte die Zeit nicht missen. Und ich habe ihr ein Denkmal gesetzt, sowohl der Zeit mit ihr und ihr selbst. Und heraus kam ein Liebeslied… Sie ist so jung

Zugabe

So läuft das eben, Moderation
Ein Gruß aus meiner Heimat, dem Ruhrgebiet. Stichwort Strukturwandel. Viele aus dem Süden der Republik meinen ja teilweise immer noch, dass man die Wäsche hier draußen nicht aufhängen kann, weil die sofort mit Russ eingeäschert wird. Nein, in Dortmund z.B. läuft keine Zeche mehr und wenn, als Museum - das letzte richtige Stahlwerk ist 2002 von 15einhalb Millionen Chinesen in einer Nacht abgebaut worden, alles in kleinen Eimerchen in einer langen Reihe über den Ural gebracht - und zack! wurde es in Shanghai komplett wieder aufgebaut. Kein Scheiß, alles wahr. Ich lebe gern da, die Menschen sind genau so bescheuert oder gut drauf wie woanders, nur geballter. So läuft das eben

Cowboys dürfen das, Moderation
Im Sportverein, in den ich meine Tochter gezwungen habe, nein Quatsch, sie macht das immer noch gerne, beobachte ich seit Jahren einen jungen Mann, jetzt knapp unter 30, vor dessen Erfolg bei Frauen ich nur meinen Hut ziehen kann. Dazu scheint der Knete ohne Ende zu haben, kurz… also einer jener Glückspilze, die einem ständig zeigen, wie man locker die Straßenseite wechselt oder das Pils mit links trinkt. Ja solche Art Cowboys gibt es nur noch selten und ich habe den größten Respekt doch  ich sage deutlich – ich bin nicht neidisch. Und da das Pferd eines modernen Cowboys heute z. B. ja eher eine 1200 Kawasaki oder ein Audi TT ist, wird es auch gleich melancholisch –aber Cowboys dürfen das

 

24.06.09
Sieh an – schönes Wetter und drei Super Konzerte am WE gehabt. So langsam geht es in den Endspurt und dann merkt man, trotz aller Krisen, Pleiten und Arbeitslosenzahlen, dass Deutschland kollektiv Urlaub macht. Bei Vielen frage ich mich allerdings – von was? Und – wovon? Ich meine nicht die gestressten Doppelverdiener, die auf einmal irgendwie improvisieren müssen um ihre verwöhnten Einzelkinder während des Kitastreiks unterzubringen. Die haben ihr all inclusive Urlaub schon lange gebucht und demonstrieren ihre Lächerlichkeit teilweise insofern, dass sie sich über den Streik aufregen und sogar dafür auf die Straße gehen. Ich finde die Forderungen der Erzieher und -Innen (gut - dies eine Mal „Innen“) vollkommen berechtigt. Das Ansehen eines Erziehers ist in Deutschland ungefähr so hoch wie die Bildzeitung dick ist. Also so gut wie null. Da zitiere ich gerne meinen Freund Volker Pispers, der sagt: „Sagen sie doch mal als Mann auf irgendeiner Party, sie seien Erzieher, die mitleidigen Blicke möchte ich nicht sehen“. Deutschland hat im Bildungswesen vollkommen versagt, die notwendigen Kosten so weit zurückgeschraubt, das selbst Fundamentales nicht mehr garantiert ist. Unterbezahlte Grund- und Hauptschullehrer schlagen sich mit Klassen herum, die 19 Nationalitäten vorweisen, aber keine soziale Grundversorgung durch die Eltern haben. Und das schaffen eben die Kitas auch nicht mehr – sie sind zu Verwahranstalten verkommen, weil am falschen Ende gespart wird. Bei den Schwächsten, den Kindern. Gut, heute scheint die Sonne, was rege ich mich eigentlich so auf. Und ich bleibe im Sommer zu hause, es ist mir einfach zu teuer dann zu verreisen, wenn die Preise überall drei Mal so hoch sind. Ein paar Radtouren, Biergärten und Tennis (das ist das Schöne an Tennisvereinen: sobald Urlaub ist, findet man dort immer einen Platz, denn egal was ist, die fahren immer weg). Lauschige Konzerte und Festivals in der Nähe – so geht der Sommer auch rum. Das muss der Großteil der Bevölkerung auch machen- hier bleiben. Es ist kein Geld da – und ich frage mich ernsthaft, wovon die ganzen Reisebüros eigentlich leben?! Überhaupt, manchmal habe ich das Gefühl, sowieso schon in einer Parallelwelt zu leben. Da stehen Armutsberichte, soziale Brennpunkte und Suppenküchen um mich rum und ich kriege eigentlich nur theoretisch was davon mit. Liegt das an meinem Umfeld, dass die alle so sind wie ich? Ist es meine „Bezugsgruppe“ oder – Gruppen? Es gibt wahrscheinlich so viele Grenzen soziologischer Natur und jeder bleibt in seiner Blase. Gibt es eigentlich so was wie eine Nation? Bei so viel Unterschiedlichkeit, Schichten, Ethnien – was hält uns eigentlich zusammen? Die Antwort wird immer klarer – der Fußball. Der Fußball saugt alle Probleme auf – es gibt immer was zu quatschen, wenn man sonst sprachlos wird. Und wie krank das eigentlich alles ist, sieht man an Real Madrid. Und es gibt keinen „Wächterrat“ der das verbietet. Was rege ich mich auf….sagte ich schon, heute Abend ist Biergartenwetter – das Geld habe ich grad noch dafür – denn, wie gesagt, ich fahre ja nicht weg. Und mir geht’s gut. Und deshalb fällt mir auch immer wieder ein Lied ein, welches ich 1985 gemacht habe. Wechselt ein paar Länder aus – das Lied hat trotzdem keine Halbwertzeit und bleibt hoch aktuell. Hier isses:

Als sei alles normal
©Fred Ape 1985

Es ist Krieg im Libanon
und Afghanistan
es ist Krieg in Chile, im Iran
Krieg in Nicaragua
und El Salvador
und sicher brennt irgendwo der Ozean

Namen aus der Ferne
und doch gleich nebenan
und der Krieg der Sterne steht jetzt an

Verbissen kämpft das Militär
noch immer um die Welt
ist sicher auf dem Weg zum großen Sieg
Erfolg ist Krieg, egal wofür
auch wenn ein Land zerfällt…
…dann trifft man sich
und schwatzt ein wenig
wie` s so weiter geht
und welche Freiheit dafür grade steht

Manchmal könnt` ich wirklich schrei’ n
manchmal staun ich nur
manchmal denke ich, ich bin verrückt
manchmal wunder ich mich auch
das bei dem ganzen Stuss
mir mal richtig was im Leben glückt

Manchmal sag ich gar nichts mehr
denn wenn ich ehrlich bin
geht’s mir in all dem Elend richtig gut

Irgendetwas bohrt in mir
das sei alles normal
es hält mich grade noch im Gleichgewicht
doch bin ich Teil des Planes
auf dem Weg zum großen Knall…
…dann treff’  ich mich
und schwatz ein wenig
wie’ s so weiter geht
und freue mich dabei noch dass ich leb’ 

Wie kommt es dass ich lebe
Als sei alles normal
Entrüste mich vielleicht ein wenig mehr
doch bin ich Teil des Planes
auf dem Weg zum großen Knall…
…dann treff’  ich mich
und schwatz ein wenig
wie’ s so weiter geht
und freue mich dabei noch dass ich leb’ 

 

18.06.09
Morgen beginne ich einen Triathlon: am Freitag Kabarettfest bei einer evangelischen Kirchengemeinde; am Samstag Fest der Solidarität (war früher mal UZ Pressefest der DKP – das es noch so was gibt) und am Sonntag in einer Seniorenresidenz beim Tag der offenen Tür. Neider werden jetzt sagen, der Ape kommt echt rum im Job. Ich sage, egal wo du bist, mach es gut. Unterhalte die Leute und studiere in etwa  was sie hören wollen. Themen und Songs habe ich genug. Verrückt ist, dass alle drei Veranstaltungen in Dortmund stattfinden und wohl voneinander gar nichts wissen, insofern gute Jobs und Chancen neue Freunde zu finden. Was will ich mehr? Ich sollte überhaupt die Dinge insgesamt positiver sehen, denn geht es mir nicht verdammt gut?  Na Ja, wer hat heute nicht mal ab und an Geldprobleme, aber man muss das auch als Motor seiner Kreativität sehen. Es ist eben kein Gehalt am Ende des Monats auf meinem Konto, ich bin kein städtischer Beamter der, seit er angefangen hat, von der Rente träumt und seine Schwerbehinderungen im Ausweis pflegt, dass es ihm a) genug frei Tage und Steuererleichterungen einbringt und b) dass ihm keiner in die Karten guckt. Ich glaube, dass es von dieser Sorte Faulheit noch viel zu viel in Deutschland gibt – ich kann mir nämlich überhaupt nicht vorstellen, wie man in seinem Beruf etwas erreicht, wenn man von Montag bis Freitag von sagen wir 8 – 17 Uhr, eben genau in dieser Zeit, (s)einen Job erledigen kann, was immer das ist. Seis drum. Ich bin nicht neidisch. Ich genieße die Freiheit, morgens Tennis spielen zu können, oder was auch immer. Dafür gehen die  Wochenenden eben drauf. Aber wenn alles gut gemacht ist, egal. Ich liebe mittlerweile die unterschiedlichsten Auftritte mit höchst unterschiedlichem Publikum. Ich will sie alle spielen, und überzeugen. Und ich habe auch keinen roten Faden mehr, ich gucke mir die Leute an und entscheide wo es heute lang geht. Heute habe ich gehört, dass eine meiner CDs ausverkauft ist „So läuft das eben“. Gut, kann man jetzt so hinnehmen, sind sowieso nur kleine Auflagen, und wer kauft heute schon noch CDs. Aber es gibt eben Tage, da wollen die Leute ein spezielles Lied - jetzt und sofort. Dann ist es gut, was zu haben. In zwei Wochen gibt es das Zusammentreffen mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker. Der Veranstalter sagte mir, bring mal so 200 – 300 CDs mit, die gehen hier schon weg. Das kann ich mir bei Wecker und Mey schon vorstellen – auf weitere Nachfrage gab man aber auch zu, dass bei „Songs an einem Sommerabend“ auch Künstler so gut wie gar nix verkauft haben. Dann muss ich eben gut sein. Ich freue mich jedenfalls drauf. Und danach ist auch mal ein Monat Urlaub. Deshalb bitte ich Euch, ab sofort bei mir CDs zu bestellen, damit ich so eine Art 13. Monatsgehalt habe. Ach ja, was geht’s uns gut. Stimmt aber nicht - ist alles relativ, und ausblenden kann man gar nichts. Dazu hier ein Werk aus frühen Tagen, zwar auch schon ca. 18 Jahre alt, aber ohne Halbwertzeit: Bis demnächst - bleibt gesund!

Die Katastrophen von Gestern
© Ape

Die Katastrophen von Gestern
waren eben nur gestern
und wir leben ja noch
und dass Leichen verwesen
kann man überall lesen
ja, wen juckt das denn noch

Mich interessiert nur das Wetter
keine Nachricht kein Retter
viel zu viele sind tot
die kann ich nicht mehr zählen
andere wühlen in Höhlen
zwischen Elend und Schrott

Was wir heute beklagen
manchmal kaum noch ertragen
ist am Morgen der Stau
nicht die Meldung aus Bagdad
die man schon lange satt hat
interessiert keine Sau

Ja, und dort wo ich wohne
ja, da lebt man schon ohne
alle Nachricht der Welt
davor schützt man die Kinder
und das ist auch gesünder
wenn man gar nichts behält

Dafür kriegt man schon Panik
wenn im Fernsehn voll Tragik
jener Arzt operiert
danach vögelt er Schwestern
doch ich sollte nicht lästern
der hat schließlich studiert

Ab und zu nickt man kläglich
mein Gott ist das nicht schrecklich
diese Kinder in Not
und die jammernden Frauen
so, jetzt sollten wir schauen
was gibt es zum Abendbrot?

Ja, ich werd` langsam träge
wenn ich` s recht überlege
kann ich echt glücklich sein
ab und zu mal `ne Spende
in die richtigen Hände
und das Gewissen ist rein

 

16.06.09
„Er zeigte deutlich, warum er einer der besten deutschen Liedermacher ist. Er ist authentisch, ehrlich und in der Stimme so kraftvoll wie in seinen Liedern inhaltlich gehaltvoll.“ Junge, Junge, das ist ein Auszug aus meiner Konzertkritik von Samstag in Witten. Ich meine, ich war auch echt nicht schlecht. Im Gegenteil. Aber Eigenlob stinkt, sagte schon meine Mutter. Lassen wir das also. Im Moment gibt es ganz andere Probleme: Teheran, Nordkorea und was ist unser Job dabei? Habe ich mich hier zu positionieren? Mein Urteil wird immer eindeutiger gegenüber diesen mittelalterlichen diktatorischen und religiösen Tyranneien. Problem ist nur, dass die jetzt über Waffen verfügen, die der Westen (vornehmlich die USA und wir natürlich auch) solange dahin geschleppt haben, wie sie bestens Umsätze machten. Und man darf sich keinesfalls wundern, wenn diese Waffen nun auf uns gerichtet werden. Im übertragenen Sinne. Diese Welt wird mehr und mehr zu einem Irrenhaus. Und in der „Heimat“ läuft es ja im Großen und Ganzen auch nicht rund. Man kann sich quasi aussuchen auf wen man sich stürzen sollte.
Wobei einem diese „Politiker“ ja auch fast nur noch leid tun können. So lächerlich ist das Gehabe, der Duktus – so offensichtlich die Angst, nicht mehr wiedergewählt zu werden. Wahlkämpfe kotzen mich an. Nun gut, gegen Entsprechendes trete ich bei den Grünen auf. Das gebe ich zu. Man kann mich also einen Opportunisten schimpfen. Ja, es ist so: ich muss auch Leben und Knete verdienen. Und auch da wird uns immer mehr weg genommen. Nehmen wir die GEMA, eine halbstaatliche Terrororganisation, die uns Künstler, die wir auf Bühnen stehen die KleinKunstbühnen heißen, die wir nicht bei so genannten „Majorcompanien“ unter Vertrag stehen, etc…. Es ist so: jede Aufführung meiner eigenen Werke melde ich per Aufführungsbögen der GEMA an. Dann kommt es zu einer minderprozentualen Refundierung, wenn die Songs bei der GEMA gelistet sind. D.H., ich bekomme etwas Geld zurück, weil es meine Songs sind, die da gespielt werden.  Ebenso geht es mit Aufführungen im Radio oder Fernsehen oder auf Tonträger. Nun hat anscheinend die GEMA keine Lust mehr, sich mit uns Kleingehacktem zu befassen und geht mehr und mehr dazu über, nach Verteilungsschlüsseln zu arbeiten. Nach dem Prinzip „Der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen“ bekommt am Ende der am meisten, der sowieso schon genug hat. Das heißt, meine mühsam in all den Jahren aufgebaute ordentliche Mitgliedschaft, lohnt sich für mich nicht mehr, weil Dieter Bohlen oder Paul McCartney (nichts gegen ihn) bei der prozentualen Verteilung schon immer vorne waren. Aber jetzt hat sich eine Opposition gebildet, die diese GEMA Tyrannei bekämpfen will. Kleine und mittlere Veranstalter wehren sich mittlerweile genau wie viele Songwriter und Klein - Verlage.  Diese GEMA Aufsichtsräte sind genau zu solchen Politikern geworden wie sie von der Musikindustrie korrumpiert worden sind. Die leisten natürlich extremste Lobbyarbeit und diktieren den GEMA Vorständen und - Aufsichtsräten solche Sachen in die Beschlussvorlagen, dass sich die Aufführungsbögen nicht mehr lohnen, weil zu viel Kleinkram, sondern man wird in Zukunft durch eine „Random“ software den ungefähren Anteil von Fred Ape ermitteln, der dann wahrscheinlich nicht mal mehr seinen GEMA Mitgliedsbeitrag pro Jahr erwirtschaftet - und wenn er noch so viel tingelnd. Ihr seht, egal wo man ansetzt, man muss unglaublich aufpassen. Die Menschen in den Autos mit den dicken und undurchsichtigen Scheiben, fahren nicht nur durch Peking, Teheran, oder Pjöngjang sondern auch durch Berlin. Und neulich hatte ich das Gefühl, die grauen Herren auch in Dortmund gesehen zu haben. Leute, es ist wieder an der Zeit. Nur ist das Wetter nicht so gut. Lasst es uns alles auf nächste Woche verschieben. Bis dahin - bleibt gesund

Wem gehört die Welt?
©ape

Die Welt gehört den Schelmen
und dem Optimist
Doch nicht denen mit Helmen
und was da drunter ist
Die Welt gehört den Leisen
und dem Kinderlied
Doch nicht dem kalten Eisen
den Herzen aus Granit

Zur Welt gehört ein Lachen
nach einem guten Tag
Und kein böses Erwachen
im schlimmsten Fall im Sarg
Die Welt gehört dem Stillen
mit dem durchdachten Plan
Der nur mit seinem Willen
den Berg versetzen kann

Die Welt ist voll Verrückter
war das wirklich das Ziel
der Mensch nur ein missglückter
Versuch im großen Spiel
Die Welt wird täglich kleiner
was immer du auch tust
Am Ende sagt doch einer
er hat es nicht gewusst

Die Welt gehört uns beiden
sie ist kein Eigentum
Wir tanzen nur bescheiden
im Kreis auf ihr herum
Zur Welt gehört Geschichte
und eine sind wir zwei
Und sieht man das bei Lichte
ist es so schnell vorbei

 

11.06.09
Fronleichnam, ganz ehrlich - ich weiß nicht was das ist, hat mich wohl auch noch nie interessiert. Ich weiß aber noch, dass mein Vater vor hundert Jahren immer „happy Kadaver“ zu diesem Tag sagt, jedes Jahr aufs Neue. Gestern habe ich endlich mal wieder im Studio zwei Songs aufgenommen - für eine neue CD, die irgendwann, ohne Zeitdruck, vielleicht noch in diesem Jahr rauskommt. Es macht nach wie vor Spaß mit Rudi Mika, wobei sich die Arbeitsteilung Fred: Text und Rudi: Musik - immer mehr bewährt. Wenn ich allerdings hinterher die Stücke auf die Bühne bringe, mogele ich meist ein paar Vereinfachungen - musikalischer Natur – rein. Ich bin halt kein Gitarrenvirtuose. Es ist schon bitter in diesen Zeiten, Nokia, Opel, Arcandor (also Karstadt, f.f.) und was weiß ich (Geld-)Scheffler – Conti und alle Banken zusammen. Was für ein Hohn. Da fragt man sich wirklich, was das ganze Gejammer soll. Dieses System, was auf Geldgier, Macht und Ausbeutung angelegt ist,  heißt, und das seit Jahrhunderten, „Kapitalismus“ und diese Dinge sind völlig normal. Und wir haben es wirklich nicht besser verdient – es kann einen aber auch Angst und bange werden vor diesem Führungspersonal. Schlimm ist nur, dass nichts gelernt wird, aus der ganzen Misere. Die Einen, die die Arbeit verlieren, treffen sich, mit von der Gewerkschaft verteilten Trillerpfeifen, auf der Straße und jammern und heulen und die Anderen, eben Schickedanz und wie die Milliardäre  alle heißen, bleiben ganz cool. Sie haben nichts zu befürchten. Aufsichtsräte und Pleitekonzernchefs kriegen Abfindungen und wer es einmal in der Politik geschafft hat, will diesen Job auf keinen Fall aufgeben, nicht für irgendein Ideal dieser Welt, wo man evtl. mal für angetreten ist. Es bleibt aber die, fast schon philosophische Frage, was tun? Gut, ich kann ja sagen, ich habe schon immer dagegen angetextet und vielleicht wird irgendwo im Moment ein Song von mir unter Streikenden verteilt und nachgesungen. Kann ja sein. Aber im Grunde fühle ich mich, wie alle, vollkommen hilflos. Kann auf meiner „Scholle“ so gut es geht, meine Meinung vertreten und mich auf einer Antinazikundgebung sehen lassen, aber sonst? Was mache ich? Auch wer gegen den Strom schwimmt, bleibt nach wie vor im Fluss. Aber gut. Trotzdem weiter, wir sind noch nicht tot. Sondern viel mehr „Wir sind das“. Wir müssen halt nur jeden Tag aufstehen, uns umsehen und versuchen, die Dinge die da auf uns einstürzen, zu verarbeiten. Zu verstehen. Und wir dürfen den Spaß dabei nicht verlieren. Das versuche ich eben immer noch, nach all den Jahren, auch von der Bühne zu zeigen. Samstag, 13.06. in Witten – Bommern, Steinhügel heißt die Straße, Gemeindehaus, 20 Uhr. Wenn einer da ist, und dies hier gelesen hat, mit dem trink ich einen. Und da wettern wir gemeinsam gegen die Unternehmensberater, Nazis und Sozialabbauer. Wir weinen mit den Rentenempfängern und lachen mit den Kernerhassern. Unten findet Ihr eine kleine neue Variation eines Songs, der auf der CD „Cowboys dürfen das“ erschienen ist. Ich habe den zweiten Teil vollkommen verändert und fühle mich da als revolutionärer Liedermacher. Aber das hat ja noch nie jemanden wirklich interessiert. Ich mein inhaltlich. Es muss gut gemacht sein - OK. Am Schluss eine kleine Geschichte die so absurd ist, dass ich sie gerne erzähle, ich habe am Samstag eine Lehrercombo gesehen, alles gymnasiale Oberstufe, graue Herren, kurz vor der Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen, zumeist mit schütterem Haar und ein paar Bärten. Die standen und spielten auf der Bühne und lasen dabei mit Lesebrille von Notenständern die Harmonien und den Text von „Born to be wild“ ab. Ich habe erst gedacht, wie weit ist das alles mit dem rock `n roll gekommen? Aber dann, sagte ich mir, ganz Stoiker und weise, nehme nie jemanden seinen Weg, es sei denn er kreuzt meinen so gefährlich, dass ich mich wehren muss. Also Ihr Lieben, wer immer dieses Geschwafel liest, es macht mir jedenfalls Spaß. Bleibt gesund.

Die Berater
© Fred Ape

Berater werden ist nicht schwer
kann jeder sein, kannst du - kann er!
Sie klopfen an, man sagt „herein“
schon hat man sie als Klotz am Bein
Was vorher leidlich funktioniert
wird vom Berater ausradiert
nur wenn er dir Erfolg verspricht
sei gut beraten, glaub ihm nicht

Berater woll’ n, auch wenn sie lachen
sich immer unentbehrlich machen
denn sie sind wie Kokain
am Anfang gut, dann bist du hin
So ist es wie in Goethes Faust
wenn du auf Berater baust
du wirst den Geist dann nicht mehr los
er gibt dir noch den Gnadenstoß

Sie sagen dir, komm investier
Vertraue mir, und dann kassier
Dann ist dein Geld auf einmal „wech“
Beraterbank sagt, so ein Pech
Nur werden die nie abgeführt
Mit zig Millionen pensioniert
Sie lügen in die Kamera
und zeigen auf Amerika

Im Grunde geht es nur um Macht
Und nicht um Geld, wie mal gedacht
Die höchste Strafe für so` n Schwein
Ist es, nicht mehr dabei zu sein!
Jagt das Gesindel aus der Stadt
Und Fahndungsfotos aufs Plakat
Für diese Arroganz und Gier
Ist absolut kein Platz mehr hier!

 

7.06.09
Auch ein bekanntes Datum, heute hat mein langjähriger Freund und Partner Guntmar Feuerstein Geburtstag. Glückwunsch. Diese Woche ist viel passiert. Der Höhepunkt war, dass ich am Freitag bei einem bekannten Stadtteilfest in Dortmund ein Fass anstechen sollte, nach dem Motto „Promi zapft an“ und Freibier, bis das Fass alle ist. So weit so gut, aber mit welcher Wut und Kraft ich auch auf den Hahn einschlug, es ging nicht. Vielmehr brach der Hammerkopf ab. Dann legte der Braumeister selbst Hand an, und siehe da, nichts passierte. Dann nahm er einen Ersatzhahn und schraubte den ins Fass, aber was war? Auch dies ging nicht, auch nach den wütentsten Schlägen. Er fing langsam an zu jammern, das hätte er in 10 Jahren noch nicht erlebt, das durstige Volk johlte, ich balancierte in der Zwischenzeit den Stiel vom Hammer auf der Nase und das Comedydrama war perfekt. Das Ende vom Lied, das Fass wurde von der Bühne gerollt,  nix war es mit Freibier. Und in dieser Stimmung sollte ich dann die frustrierten Seelen mit meinen Songs erheitern. Ich will es kurz machen, es war OK. Aber dass mein erster Fassanstich so in die Hose ging, das hat bestimmt was zu bedeuten. Apropos Bedeutung: in der letzten Woche habe ich in einer Ausgabe der „Zeit“ einen sehr guten und gleichzeitig auch dramatischen Artikel über die Osterinsel gelesen. Es ist nicht so, dass ich nicht schon wusste, dass die ganze Insel mal voller Bäume war, fruchtbar bis zum geht nicht mehr, und heute nur noch eine Steppenlandschaft ist, aus der diese denkwürdigen Figuren ragen und auf das Meer blicken. Passiert ist folgendes: Menschen und Stämme die da lebten, erzeugten mit unglaublicher Energie diese Figuren um die Götter milde zu stimmen. In Konkurrenz zu den anderen Stämmen auf der Insel, ging man aber so vor, wer den Größten hat, der ist auch wer. Aus der Sexualkunde wissen wir, dass das nicht stimmt. Aber die an diesen Größenfetischismus glaubenden Ureinwohner, hackten der Insel nach und nach alle Bäume ab, um diese für den Transport (als Rollen) zu benutzen und Boote zum fischen zu bauen. Alle gingen davon aus, das Leben geht immer so  weiter. Aber je spärlicher die Zahl der restlichen Bäume war, umso wahnsinniger wurden Figuren gebaut und auf die Hügel gestellt. Dann war alles aus, die Lebensgrundlage zerstört und jetzt kommt es: die Osterinsel im weiten Pacific, ist wie kein zweites Inselchen auf der Welt so weit weg von fester Landmasse, dass Flucht nicht möglich war. Und hier kommt die große Parallele: unsere kleine, zerbrechliche Erde, schwebt auch irgendwo im leeren Meer des Universums und wenn wir mit diesem sensiblen Ball weiter so machen, dann geht es uns so wie den Menschen auf der Osterinsel. Im Streben nach höher, schneller, weiter (der Figuren) werden die Lebensgrundlagen zerstört. Gut, jetzt kann man natürlich sagen, Mensch, nimm dich so wichtig, im Großen und Ganzen ist der Mensch dem Universum eh egal, einen Schöpfer gibt es nicht und wenn, dann ist der selbst reif für die Klappse. Jetzt würde ich ja gerne noch einen kleinen Text anschließen lassen, wo ich „Osterinsel“ und „Fassanstich“ irgendwie kombiniere.  Ich habe den Text noch nicht, aber eine Überlegung ist es wert. Bleibt gesund!

 

 2. Juni 09.
Der 2. Juni ist immer noch ein tragischer Tag, Benno Ohnesorg erschossen, heute stellt sich raus von einem Stasispitzel. Aber der stirbt auch bald. Gestern wieder mal eine Meisterschaft gefeiert, zwar nur in der Kreisliga C, also letzte Liga, aber man wird ja auch nicht jünger. Und deshalb lassen wir auch den Zweitplatzierten aufsteigen. Aber es ist immer ein Grund zu feiern, Saisonabschluss ist am Sonntag. Ich weiß, das interessiert so recht niemand aber ich habe mein ganzes Leben unter einem Motto gestellt: Fußballspielen und Biertrinken. Und das in genau dieser Reihenfolge  OK, ich variiere das hier und da, greife ab und an zur Gitarre, aber vom Prinzip…! Außerdem haben wir seit Tagen gut gelauntes, wunderschönes Wetter. Auch so ein Thema. Denn irgendwie war es immer so in den letzten Jahren, dass man keinem Wetter mehr trauen konnte, es endete nach kurzer aufgeheizter Thermik so, dass subtropische Luftmassen mit verirrter Kaltluft zusammenknallten und sich die Energie auf das entlädt, was da drunter liegt. Wenn man Pech hat ist man dabei. Wie bei uns in Dortmund am 26.Juli 2008. Deshalb jetzt mal einen Song, der die Klimakatastrophe von der Seite beschreibt und die Unverschämtheit besitzt, am Ende an was ganz anderes zu denken, eben an Dortmund. Bis die Tage…

Wasser im Keller
©Fred Ape 8/2008
Regen, Hagel, Wirbelstürme
Wassermassen, Wolkentürme
größte Flut seit hundert Jahren
Flüsse wie sie niemals waren
Städte die im Schlamm versinken
hinterher noch Wochen stinken
Bilder wie aus Sumpfgebieten
Fehlt nur das Plündern von Banditen

Bäume die auf Schienen knallen
Brücken die in Täler fallen
Häuser brechen in den Wellen
Scheunen die im Sturm zerschellen
Menschen die auf Dächern warten
Warnungen auf Wetterkarten
Wie heißt das Land, wo sind wir hier?
Was ist das nur? Und sind das wir?

Denk ich an Deutschland in der Nacht
So bin ich um den Schlaf gebracht
Recht hatte Heine jedenfalls
denn unten steigt in meinem Keller
- und ich meine täglich schneller -
uns das Wasser bis zum Hals

Jetzt frag ich mich, wo ist der Sinn
Was kommt da noch, wo geht das hin
Ich will was tun, ich will mich wehr’ n
Ich lebe eigentlich sehr gern
Das Unbehagen aber bleibt
Als wenn man auf  `ner Scholle treibt
Im weiten, toten, warmen Meer
Und es gibt keine Wiederkehr

Ich hätte  gern noch Wünsche frei
Gesund zu sterben, wär` dabei
Auf einer Bank gemütlich sitzen
Schmunzeln, auch bei schlechten Witzen
Bevor die Welt nun untergeht
Der nächste Sturm uns ganz weg weht
Will ich, dass eins noch mal passiert
: / Borussia mit Klopp Meister wird /:

 

30.05.09
So, grad `n Gig festgemacht, 20.11.09 in Castrop Rauxel, schöne Musik und Trink Kneipe, namens Bahía de Cochinos Gestern war ich mit Rudi Mika zu einem Treff in einer Einrichtung, wo Spielsüchtige eine Anlaufstelle finden, nicht nur die, sondern auch deren Angehörige. Wir werden mit dieser Einrichtung namens Arbeitskreis Spielsucht in Unna, in diesem Jahr noch eine CD produzieren. Gefördert sogar mit Landesmitteln. Es war eine hochinteressante Angelegenheit und wir sind ein wenig mit in die Problematik getaucht um überhaupt mitzukriegen, um was es da geht und eben Songs zu entwickeln, die nicht abgehoben sind, sondern dem Thema Genüge tun. Jetzt könnte ich hier Zahlen und Fakten referieren, aber jeder von uns ahnt, wie schlimm dieser Sog in die Sucht ist. Extrapoliert man einfach mal die zurzeit laufende Boris Becker Werbung zum Onlinepokern, dann weiß man, wo der Hase läuft. Da gibt es unzählige Scheiße, Online –Casinos aber auch die ganz normale Münzeinwurfsucht. Und siehe da, es gibt in meiner Textvergangenheit ein Lied aus dem Jahre 1985, welches man einerseits unter dem Titel „Kaufsucht“ laufen lassen könnte, aber das auch die aktuelle Finanzkrise anschaulich beschreibt. So, das war es für heute, ich melde mich nach Pfingsten noch mal, muss jetzt zu einem privaten Gig, wo ich als Geschenk verkleidet, meine Songs vom Älterwerden und Jungbleiben singe, denn irgendwann werden wir alle mal 50 ! ich sage dann immer „Jeder muss mal sterben, vielleicht auch ich!“ Hier der Text zum Tage, außerdem ist morgen Weltnichtrauchertag, das noch zum Thema Sucht.

Kreditkartenhimmel
©Fred Ape 1985

Im Himmel auf Raten gibt es Sonne pauschal
Prospektblaues Meer und Bilderbuchstrand
Herrliche Zeiten, ein sorgloses Leben
Einsame Buchten und Sonnenbrand

Im Himmel auf Raten gibt es Eigenheime
In  ganz verträumter Lage mit Blick aufs Meer
Luxuslimousinen und Swimmingpools
Nach Jahren Entbehrung ist man wieder wer

Im Himmel auf Raten gibt es Einbauküchen
Werden Schulden übernommen und das Leben leicht
Alle Nachbarn sollen sehn, wie wir feiern können
Wenn der graue Alltag endlich von uns weicht

Refr.:
Im Kreditkartenhimmel
Ist der Himmel zu Ende
Es bohren sich die Schrauben
Immer tiefer ins Hirn
Wird die Seele verkauft
Und das Gute Legende
Im Kreditkartenhimmel
Wo die Haie regier` n

Im Himmel auf raten baut man in die Wolken
Sucht die Sonnen zu zähmen und den Wind zu dreh` n
Anstatt sie zu betrachten, werden Sterne nummeriert
Mit Krediten wird selbst der Himmel finanziert

Der Himmel auf Raten lebt von Illusionen
Saugt das Blut aus den Adern einer wankenden Welt
Holt sich Kraft aus dem Hunger der vielen Millionen
Die zinslosen Opfer im Krieg um das Geld

 

28.05.09
Den ganzen Tag frage ich mich, woran mich dieses Datum erinnert. Jetzt kommt es mir grade: BVB - Juventus Turin 3:1 Championsleague-Sieger, was für ein Tag, 11 Jahre her. Wir waren mit einem Haufen Verrückter in Irland zum Angeln. Atze Schröder dabei, (damals noch am Anfang) Jungs von N8chtschicht, mein Partner Feuerstein, Freiberg das Genie und viele, viele nette Chaoten. Zusammen haben wir dieses Spiel in einer irischen Kneipe gesehen und alles war wunderbar. Dazu die Angelversuche auf stillen Seen, oder Fliegenfischen im Fluss oder auf Meerforellen nahe der Küste. Das war alles so schön, das würde ich nie wieder machen. Ein kleines Lebensprinzip: es gibt einfach Dinge, die lassen sich nicht wiederholen. Deshalb verstehe ich auch die Leute nicht, die seit hundert Jahren ständig an die gleiche Stelle in den Urlaub fahren. In unserem Lied „Schaum vor dem Mund“ haben Feuerstein und ich das Problem mal bei der Wurzel gepackt und damals eine tiefe Wunde in die deutsche Biederkeit geschlagen – und die hat sich bis heute nicht davon erholt (Siehe Merkel und Köhler, zusammen MK, das ist bei uns ein Nummernschild, und wenn Autos aus MK nach Dortmund rollen, ist immer Vorsicht geboten, eben wie bei Merkel und Köhler)
Für alle zur Erinnerung, dieses grandiose Werk aus den Kindertagen der Revolution. Das werde ich in Zukunft immer mal auf dieser Tagebuchseite machen – teilweise uralte Texte vorstellen und damit beweisen, das zumindest die so gut wie keine Halbwertzeit haben! Bitteschön:

Schaum vor dem Mund
© Fred Ape

Da sitzt `a und schwitzt `a mit Schaum vor dem Mund
der hässliche Deutsche sieht aus wie sein Hund
in Alpenregionen, da wo sie nicht wohnen
da macht` a sein` Urlaub aus folgendem Grund

Da sitzen und schwitzen mit Schaum vor dem Mund
die hässlichen Deutschen dick, rot und gesund
man trifft sich und kennt sich, war hundertmal hier
mit goldener Medaille für viertausend Bier

Grüß Gott jeder grüßt sich und grüßt überall
ist freundlich und ist fast zu Haus hier im Tal
dann sitzt man und schwitzt man erklärt diese Welt
Frau Wirtin nickt auch und passt aus wer bestellt

Nach mehreren Halben gibt` s Türken, als Witze
die hätten` s noch vor sich der Jude nicht mehr
dann Hausbrand und Obstler, man redet in Hitze
und wär`  kein Sozialstaat fürs Pollackenheer

Die Schlagzahl erhöht sich, die Tische vibrier` n
ja so viele Deutsche die können nicht irr` n
man pisst und man kackt gerade da wo man frisst
und kotzt sich das Hirn aus falls da noch was ist

Grüß Gott jeder grüßt sich und grüßt überall
ist freundlich und ist fast zu Haus hier im Tal
und abends an Tischen da brüllen die Stillen
und sitzen und schwitzen mit Schaum vor dem Mund

 

26.05.09
Heute ist ein grüblerischer Tag. In vielen Dingen bin ich mir nicht so sicher, wie es weiter geht. Obwohl man eigentlich sehr zufrieden sein könnte.
Zufriedenheit, auch so ein bescheuertes Wort. Gestern Abend habe ich mal wieder fern gesehen, selten genug -außer es ist Fußball, dann ist das Pflicht. Wie z.B. heute Endspiel CL Barca gegen ManU. Pflichtgucken.
Gestern allerdings im TV, habe ich wieder einen so unglaublichen Ausschnitt unserer Erde, unserer Welt gesehen, dass einem fast die Tränen kommen konnten. Neu Guinea und Neuseeland. Inselwelten nördlich und westlich von Australien. Ich wähnte mich tatsächlich auf einem anderen Planeten. So viel Schönes kann auch weh tun. Und weiter die bittere Erkenntnis, dass ich das wohl nie mit eigenen Augen sehen kann. Das wird dann schnell relativ. Wie will man da hin kommen? Teil einer Expedition? Und wer soll das bezahlen? Egal, ich beschränke mich auf das beobachten unserer Blaumeisenfamilie auf dem Balkon. Ich wundere mich, dass die schon seit fast drei Wochen geschlüpften Jungen anscheinend keinen Bock haben, in den gegenüberliegenden Baum zu springen, bzw. sich der Welt zu stellen.
Die armen Eltern, schon völlig abgemagert und zerfleddert, schleppen nach wie vor Made für Made ins Häuschen, aber nein, das pubertäre Gelege bleibt im Hotel Mama. Das ist im Übrigen eine gefährliche Tendenz, die ich da im Moment beobachte. Hochbegabte junge Menschen, mit Abitur in der Tasche, teilweise schon mit einem Studienabschluss versehen, verbringen ihre wichtigste Zeit des Lebens, als gastronomische Gehilfen, a` la Herr Lehmann, jenes recht lustige Buch von Sven Regener. Und ehe sich diese Bande versieht, haben sie sich in der Gastronomie festgesetzt, pennen tagsüber und gehen dann in ihr Szenelokal. Entweder man kann sich davon grad über Wasser halten, oder sie leben noch zu hause wo Mama fleißig weiter die Wäsche wäscht.
Was da dem Land für Ressourcen verloren gehen.
Ach, was rege ich mich auf. Ich denke, meine Tochter wird so nicht. Obwohl sie neben der Schule jetzt auch schon irgendwo serviert, beim Szeneportugiesen um die Ecke. Ich hoffe, sie haut ab aus diesem Land, ich sehe keine rechte Zukunft - wobei ich überhaupt nicht weiß, wo es noch eine gibt?
Die Welt ist ein so unglaubliches Irrenhaus - der nächste Überfall auf ein Land (Nord- Korea) steht unmittelbar bevor, und ich weiß nicht, ob das nicht sogar richtig ist.
Komm, ist gut für heute, ich hatte keine schlechte Woche bis jetzt. Denn letzten Samstag habe ich zum ersten Mal in Tschechien gespielt, das haben wohl wenige Künstler auf ihrer Tourliste. Es war sehr nett und erkenntnisreich. Ein Treffen von Gewerkschaftlern aus Sachsen und Baden Württemberg, die südlich von Pilzen alljährlich eine Sommer Uni veranstalten.
Diese Kurras Geschichte (2.Juni 1967 - Benno Ohnesorg) war ja noch ganz frisch und ich habe wirklich zum ersten Mal, aus erster Hand gehört, wie das "damals" war in der DäDäRä. Diese all umfassende Bespitzelung und wie man aus allen Wolken fiel, dass der eigene Schwiegervater, etc...!
Es ist die letzte Woche im Mai, kurz vor Pfingsten, da passiert nicht mehr viel, im Juni bin ich glücklicherweise wieder genug auf der Bühne, denn der Sommer ist in der Regel immer schwer. Diesmal geht es. Und es kommt ja noch der Höhepunkt: mein gemeinsamer Auftritt mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker am 3 und 4. Juli in Bad Staffelstein. Kloster Banz in Oberfranken. Vielleicht sehe ich ja ein paar von Euch. Gleich habe ich Training (im Sommer Tennis, im Winter Fußball), dann geht es ins Cabaret Queue.

Heute spielt bei der „Dinner Attacke“ Hacki Ginda – ein völlig verrückter Typ, den ich bei einem gemeinsamen Gig in Kassel kennengelernt habe. Wer den frühen Jango Edwards noch kennt, wird bei Hacki auch glücklich sein. Dann Champions league, wie gesagt – ein paar Bier und der Tag ist rund. Bis dahin - bleibt gesund.

StrichV300
StrichH850

 

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